Rezension: Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben

hr_A_Good_Day_to_Die_Hard_2Vom langsamen Sterben

Selten beschreibt sich ein Film so gelungen selbst, wie es der nunmehr fünfte Teil der Stirb Langsam-Reihe tut. Wenn Bruce Willis als John McClane, mit etwas wehmütiger Stimme, über Frank Sinatras vergangene Größe reminisziert, klingt es fast ein bisschen, als spräche er von sich selbst.

Weit ab des von Sinatra besungenen New York, New York verschlägt es den in die Jahre gekommenen Polizisten und Feiertags-Heroen diesmal nach Russland. Sein entfremdeter Sohn Jack (verkörpert vom jungen Australier Jai Courtney) ermittelt für die CIA in Sache des korrupten Politikers Viktor Chagarin (Sergei Kolesnikov). Dessen politischen Ambitionen steht Politaktivist Komarov (Sebastian Koch) mit angeblich belastenden Informationen im Weg. Jack wird inhaftiert, John reist notgedrungen nach Russland.

Die wirr erzählte (und im Grunde belanglose) Geschichte wird von Max Payne-Regisseur John Moore in Bilder umgesetzt, die wirken wie eine Collage aus russischem Zeitgeschehen. Der Chodrowski-Prozess brachte dem Westen Bilder von gläsernen Käfigen, Gebäude werden gestürmt wie Nachstellungen der Dubrowka-Geiselnahme. Alle der Antagonisten sind vor allem damit beschäftigt, vage russisch und vage böse zu sein, sie tragen Nadelstreifen und kontrollieren den Staat aus dem verborgenen. Die Abwesenheit eines starken Gegenspielers zu John McClane stellt eine der großen schwächen des Films dar: Charaktere wie Hans oder Peter Gruber waren ähnlich archetypisch, die Aufmerksamkeit von Drehbuch und Regisseur bliebt ihnen jedoch über die Länge ihres respektiven Serienteils erhalten. In Skip Woods (Hitman, Das A-Team) textlicher Vorlage wird sich der Gegenspieler öfter Entledigt als notwendig. Die Story bemüht sich haken zu schlagen, kommt dabei aber ins Straucheln. Sie ist somit leider nie mehr als Vehikel für die Actionsequenzen.

Und… Action !

Das wäre nicht weiter verwerflich wären diese wenigstens gelungen. Leider wirken die Verfolgungsjagden, Schießereien und die obligatorische Helikopter-Explosion so konventionell und uninspiriert, dass selbst mit stellenweise hektischen Schnitten keine wirkliche Spannung aufkommen will. Szenerien wirken willkürlich, und Tschernobyl, Schauplatz des dritten Aktes, bleibt bis auf nahe liegende Haarausfall-Witze ungenutzt in seiner Einzigartigkeit. Dies gilt auch für die Schauspieler – bis auf Willis vermag niemand eine wirkliche Leinwandpräsenz aufzubauen, gerade Jack McClane bleibt blass und uninteressant. Der Film bemüht sich gelegentlich, die Vater-Sohn Beziehung zu erforschen, tut dies jedoch auf so plumpe Art, dass offensichtlich emotional gedachte Moment eher unfreiwillig komisch wirken.

Alternde Helden

In den vergangenen Jahren konnte der geneigte Kinogänger der Rückkehr zahlreicher Actionhelden der achtziger und neunziger Jahre beiwohnen. Obwohl Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, oder eben Willis selbst nie wirklich ganz aus dem kollektiven Bewusstsein verschwunden waren, konnten sie in der vergangenen Dekade selten an Erfolge der Vergangenheit anknüpfen. Eben diese zelebrieren etwa die Expandables-Filme von Stallone, welche uns alternde und alte Männer präsentiert. Nostalgie an eine Zeit simpler Erklärungsmodelle, in der Nicht-Amerikaner eben böse waren und grimmige, wortkarge Cowboys der Moderne mit Schweiß und Blut die freie Welt beschützten.

Heute scheint so etwas nur noch mit ironischem Bruch möglich; sowohl dem Zuschauer als auch den Protagonisten ist bewusst, dass der Zahn der Zeit vor niemandem Halt macht und entsprechend oft werden Scherze über die eigene Vergreisung gemacht. Die Frage, die sich mit jedem weiteren Stirb Langsam-Film stellt (neben der Frage, wann die Wortspiele für die englischen Originaltitel zur Neige gehen), ist also: Wie lange kann die Franchise vom Kredit der Vergangenheit leben? Wie lange kann Selbstironie darüber hinwegtäuschen, dass wir diese Witze alle schon einmal gehört haben – auf das wie vielte „Yippie Ya Yeah, Schweinebacke“ reagiert das Publikum nicht mehr mit einem verklärten Lächeln, sondern mit traurigem Kopfschütteln?

Für viele wird dieser Moment mit „Ein guter Tag zum Sterben“ gekommen sein. Auch in Zukunft werden Filme wie dieser erscheinen, Schwarzenegger plant eine Rückkehr als Conan und Terminator, Stallone könnte sich weiter Expandables-Filme vorstellen. Frank Sinatra wird zugeschrieben, er habe einmal gesagt: „Wenn sich ein Laster genügend verbreitet hat, wird eine Tugend daraus.“ Wir werden sehen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s