Rezension: Smashed

smashed_xlgDie Sonne geht auf, eine junge Frau erwacht und weiß nicht wo sie ist. Unangenehme, schlimme Dinge sahen selten so wunderschön aus wie in der Tragik-Komödie Smashed. Bei der jungen Frau handelt es sich um Kate (Mary Elizabeth Winstead), sie ist Endzwanzigerin, Lehrerin und, genau wie ihr Ehemann Charlie (Aaron Paul aus Breaking Bad) – Alkoholkrank. Was als gemeinsames Feiern begann und in Collegezeiten wie ein ganz normaler Zeitvertreib wirkte, ist mittlerweile eine umfassende Sucht. Immer wieder sehen wir das Paar abstürzen, gemeinsam und allein, in Bars und zuhause. Kate fährt betrunken Fahrrad, raucht betrunken Crack, uriniert betrunken in einen Laden.

Als sie nach einer durchzechten Nacht vor ihrer Schulklasse erbricht (und als Alibi eine Schwangerschaft vortäuscht) wird sie von ihrem Kollegen Dave (Nick Offerman) zu einem Treffen der Anonymen Alkoholiker eingeladen. Kate wird trocken, Charlie nicht. Langsam driften die Beiden auseinander…

Auch wen Regisseur James Ponsoldt eine tragische Komödie drehen wollte. gibt es bei Smashed nur selten etwas zu lachen. Dem Zuschauer werden traurige, scheiternde, auch in Gruppen einsame Menschen gezeigt. Rastlos ziehen die Protagonisten von Szene zu Szene, ohne zu finden wonach sie suchen. Die Charakterzeichnung ist hierbei durchgehend zynisch, Ponsoldt lässt teilweise jegliches Mitgefühl für seine Charaktere vermissen: In der klassischen Narrative des Dramas werden Probleme überwunden, Menschen lernen dazu oder können am Ende wenigstens besser mit ihren Fehlern umgehen. Nicht so hier, fast scheint es so, als wolle der Filmmacher diese Menschen nur bestrafen, er gönnt ihnen keinen glücklichen Moment. Man könnte diese Darstellungsweise als schonungslos bezeichnen, als realistisch, könnte den Film loben für seine konsequente Verweigerung gegenüber jeglichem Eskapismus. Man könnte ihn aber auch einfach als unangenehm, als menschenfeindlich verstehen. Die Welt, welche gezeichnet wird, ist ein Fegefeuer, gar eine Hölle für die Charaktere; Erlösung gibt es weder für die Sünder noch für die geläuterten: Ex-Alkoholiker wie Dave oder Köchin Jenny (Oscar-Gewinnerin Octavia Spencer) werden mit Einsamkeit gestraft, Kates Schulleiterin bleibt Kinderlos und trägt ihre Verzweiflung darüber auf ihrer Zunge.

Dabei beeindruckt der Film sowohl handwerklich als auch Schauspielerisch. Gerade Mary Elizabeth Winstead spielt authentisch und variiert mühelos zwischen leichtfüßiger, himmelhoch jauchzender Ekstase und der bleiernen Schwere des nächsten Morgens. Sie und Aaron Paul verkörpern überzeugend zwei Menschen, die beide aus ihren eigenen Gründen nicht erwachsen werden können: Wo Charlie das verwöhnte, sorglose Leben des Kinds reicher Eltern darstellt, ist Kate Tochter einer herzlosen, alleinerziehenden Mutter.

Leider vernachlässigt das Drehbuch die aufregenden Charaktere mit andauernder Laufzeit mehr und  um sich stattdessen dem Alkoholismus und seinem Milieu zuzuwenden. So wird Smashed weniger die Geschichte eines Paars als mehr das Portrait einer Krankheit. Die Kamera-Arbeit trägt ihr Übriges dazu bei, Bilder zittern und wanken, reißen und torkeln wie die Protagonisten. Der Film findet schöne Bilder, die aber wiedersprüchlicher nicht sein könnten, und so bleibt am Ende eine Frage: Was sollen wir daraus mitnehmen? Dass Alkoholismus schlecht ist, dass die Welt und die Menschen schlecht sind und es nie besser wird? Am Ende bleibt der Film schön, aber konfus, tut weh. Der Zuschauer verlässt den Kinosaal mit einem unangenehmen Kater, nur ohne den Rausch davor.

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