Kurzrezensionen: Side Effects; Little Miss Sunshine; The Greatest Movie Ever Sold

SideEffects-exclusive-lgSide Effects (2013): Wieder einmal hat Steven Soderbergh seinen Rückzug verkündet, wieder einmal seinen letzten Film gedreht. Dieser handelt von der depressiven Emily Taylor (Rooney Mara), deren Mann Martin (Channing Tatum) gerade seine Haftstrafe wegen Insider-Handel abgesessen hat. Nur wenig später fährt Emily ihren Wagen gegen eine Parkhauswand. Um ihre suizidalen Tendenzen in den Griff zu bekommen wir ihr von ihrem Psychiater Johnathan Banks (verkörpert vom deutlich alternden Jude Law) das neue Medikament Ablixa verschrieben. Zunächst scheint alles gut und Emily geheilt, doch das Präparat hat erhebliche Nebenwirkungen – schlafwandelnd tötet Emily ihren Ehemann. Die große Frage: Wen trifft hier die Schuld?

Soderbergh wählt für seinen (vermeintlichen) Abschiedsfilm eine ruhige, auserzählte Inszenierung. Die Kamera arbeitet mit Unschärfen, Weichzeichner dominiert das Bild: Wie seine Charaktere verbirgt der Regisseur was er kann. Nach einer eher gemächlichen ersten Hälfte nimmt der Film zunehmend an Fahrt auf, neben gutem Schauspiel besticht Side Effects vor allem mit einem originellen, mit Sorgfalt auserzähltem Drehbuch. Die moralisch-ethischen Fragen rund um Pharmazeutik, den modernen Umgang mit psychischen Erkrankungen und persönliche Verantwortungen rücken im Laufe des Films immer weiter in den Hintergrund. Was bleibt ist ein spannender Thriller, in dem Loyalitäten, Motivationen und auch die Frage nach Gut und Böse stets im Zwielicht liegen. Sollte dies wirklich der letzte Soderbergh-Streifen bleiben: Kein makelloser, aber ein gelungener Abschied.

8/10

little_miss_sunshine_ver4_xlgLittle Miss Sunshine (2006): Die Siebenjährige Olive Hoover träumt davon an einem Schönheitswettbewerb teilzunehmen. Gemeinsam mit ihrem Vater, ein unfähiger Motivationslehrer, ihrer überforderten Mutter, ihrem drogensüchtigen Großvater, ihrem Bruder, welcher ein Schweigegelübde abgelegt hat und ihrem Onkel, welcher nach einem gescheiterten Selbstmordversuch eingezogen ist, macht sie sich auf die wahnwitzige 800-Meilen-Reise nach Kalifornien. Das unkonventionelle Roadmovie überzeugt mit der richtigen Mischung aus Drama und Comedy, Wahnwitz und Bodenständigkeit. Mit unbändiger Leichtigkeit, und dabei dennoch nie seicht, zeigt Little Miss Sunshine warum der American Dream ein Alptraum sein kann.

8/10

the-greatest-movie-ever-sold-movie-posterThe Greatest Movie Ever Sold (2011): Morgan Spurlock dürfte den Meisten durch seinen Burger-Selbstversuch Supersize Me bekannt sein. In POM Wonderful presents: The Greatest Movie Ever Sol, so der volle Titel des Dokumentarfilms, erforscht er die Beziehung zwischen Kunst und Kapitalismus, zwischen Film und Werbung an einem praktischen Beispiel: Spurlock dreht einen Film über Product-Placement mit Product Placement. Seine Grundfrage: In wie weit werde ich von den Sponsoren vereinnahmt, in wie weit bleibt meine ursprüngliche Vision erhalten.

Das Ergebnis ist Unterhaltsam und, sowohl in sich selbst als auch in der Nachbetrachtung, nachdenklich. Fast Dialektisch folgt Konzern auf Kritiker, Werbung auf Wissenschaft. Zu Wort kommen die Sprecher von Firmen wie eben POM (der Konzern hat die Namensrechte gekauft), JetBlue oder Sheetz auch Verbraucherschützer und Kapitalismuskritiker wie Noam Chomsky oder Ralph Nader, sowie Künstler wie J.J. Abrahams oder Quentin Tarantino. Darüber hinaus werden Bilder gefunden für das Phänomen Werbung, etwa ein Aufenthalt im gesetzlich werbefreien São Paolo – das eher trockene Sujet wird gut visualisiert, die Talking Heads passend gewählt. Wer mit der Thematik vertraut ist wird wenig Neues erfahren, anleihen etwa bei Naomi Kleins No Logo naheliegend. Auch wenn der Blick bemüht Subjektiv ist, bleiben die einzelnen Abschnitte selten mehr als die Summer ihrer Teile. Die interessanteste Frage bleibt, ob die Werbung auch in kritischer Kontextualisierung noch wirkt. Eins ist in dieser Hinsicht sicher: Mane `n Tail, das Pferde- und Menschenshampoo wird schwer aus unseren Köpfen zu verbannen sein.

7/10

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