Klassiker der Woche: On the Waterfront/ Die Faust im Nacken (1954)

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Terry Malloy (Marlon Brando) ist ein gescheiterter Boxer. Mittlerweile verdient er sein Geld als Hafenarbeiter, doch die Zeiten sind schwer: Eine korrupte, mafiöse Gewerkschaft, angeführt von Johnny Friendly (Lee J. Cobb) drängt die Arbeiter in ihre Reihen. Terrys Bruder Charley Malloy (Rod Steiger) arbeitet für diese, auch Terry selbst gerät dadurch in die Strukturen:  Terry trägt (unabsichtlich) zum Mord eines jungen Arbeiters Namens Joey bei. Seine Schwester Edie (Eva Marie Saint) will den Mord aufklären. Sie wird Teil des langsam wachsenden Widerstands, den der örtliche Priester Berry mehr und mehr hinter sich versammelt. Auf der Suche nach der Wahrheit gerät Edie auch an Terry – die beiden kommen sich näher. Mehr und mehr geraten sie zwischen die Fronten…

Inspiriert durch einen mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Artikel über die Arbeitsbedingungen für New Yorker Hafenarbeiter war Elia Kazans Film zu seiner Zeit ein Politikum. Kazan war von 1934 bis 1936 Mitglied der kommunistischen Partei gewesen und hatte sich 1952 vor dem Komitee für unamerikanischen Umtriebe verantworten müssen. Er nennt, nach anfänglichem Widerstand, acht Namen angeblicher Kommunisten und macht sich in Hollywood viele Feinde. Bis zu seinem Tod blieb Kazan umstritten, On the Waterfront wird als cineastische Antwort auf seine Kritiker gewertet.

Auch völlig ungeachtet dieser Umstände handelt es sich um einen beachtenswerten Film. Schon von zeitgenössischen Kritikern mit Begeisterung aufgenommen und auch beim Publikum erfolgreich, wuchs die dem Streifen zugewiesene Bedeutung mit der Zeit noch weiter:  On the Waterfront gewann 8 Oscars (unter anderem für den besten Film und Brandos, sowie Saints, Darstellerleistung) und gilt, auch durch seinen Method-Acting-Ansatz, als wichtiger Meilenstein des Kinoschauspiels.

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Warum heute noch anschauen?

Der Film lebt vor allem von seinen durchgehend fantastischen Darstellern. Neben Brando sticht vor allem Karl Malden als Priester heraus, der wie beseelt von göttlichem Eifer jede Szene an sich reißt – selten wirkt ein Filmprediger so einnehmend, so erhaben, aber zugleich auch so nahbar und sympathisch. Die Chemie zwischen dem Liebespaar Brando-Saint stimmt, die innere Tragik von Malloys Schuld an Joeys Tod schafft eine Spannung zwischen den beiden, die der Beziehung tiefe verleiht.

Edie: I want you to stay away from me.

Terry: Edie, you love me… I want you to say it to me.

Edie: I didn’t say I didn’t love you. I said, „Stay away from me.“

Die Handlung ist aufregend und vielschichtig, handwerklich tadellos hat der Film wunderschöne Einstellungen, die durch die starken Kontraste von Schwarzweiß-Filmen noch stärker  wirken. Die Taxi-Szene zwischen Terry und seinem Bruder gehört zu den auf- und anregendsten der Filmgeschichte. Der Film ist keine Minute zu lang, schnell geschnitten und wird auch einen Zuschauer mit modernen Sehgewohnheiten keine Sekunde langweilen.

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