Rezension: The Conjuring

Ithe-conjuring-poster (1)n den vereinigten Staaten ist The Conjuring, der neue Film von James Wan (Autor und Regisseur von unter anderem SAW und Insidious), der Überraschungshit des Jahres. Während viele Blockbuster hinter den Erwartungen zurückblieben, und die Studios entsprechend enttäuscht sind,  konnte der Geisterhaus-Streifen bislang mit einem Budget von nur dreizehn Millionen fast das Zehnfache einspielen. Sowohl Kritiker als auch Publikum äußern sich überwiegend begeistert. Dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruhen soll und von der MPAA (trotz geringem Gewaltgrad) ein harsches R-Rating (ab 17, außer in Elternbegleitung)  bekommen hat, angeblich für den hohen Grusel-Faktor, trägt weiter zum Hype bei, den der Film gegenwärtig erfährt. Doch was ist dran an dem ganzen Spuk um den Spuk?

Zunächst klingt alles wenig originell: Großfamilie Perron, bestehend aus Carolyn und Roger (Lili Taylor und Ron Livingston) und fünf Töchtern, zieht im Jahr 1971 in ein altes Landhaus. Schnell merken sie, dass etwas nicht stimmt: Merkwürdige Geräusche, klappernde Türen und stehenbleibende Uhren verstören die vormals stolzen Eigenheimbesitzer. Als sich die seltsamen Vorkommnisse mehren und immer übergriffiger werden, schaltet die Familie das Ehepaar Lorraine und Ed Warren (Vera Farmiga, Patrick Wilson) ein, ihres Zeichens Experten für Paranormales und Dämonen. Ein Kampf zwischen Dies- und Jenseitigem beginnt.

Wenn diese Handlung Einigen bekannt vorkommt, ist das wenig überraschend: In den letzten dreißig Jahren (und eigentlich auch davor) ist diese, oder zumindest eine sehr ähnliche Geschichte, sehr oft erzählt worden. Von Frühwerken des Horrorkinos über The Haunting, Amityville Horror, Poltergeist und Burnt Offerings, bis hin zum modernen Japano-Horror und dem Found Footage-Genre gibt es wahrlich viele Beiträge zu dieser Thematik. Das allein stellt natürlich noch kein Problem dar: Mit jedem Stoff lässt sich etwas Neues erzählen, vorausgesetzt, dass ein eigener Blick und eine frische Herangehensweise gefunden werden. The Conjuring fehlt beides. Der Film ist erschreckend derivativ und fasst über seine Laufzeit von fast zwei Stunden nicht einen eigenen, kreativen Gedanken. Selbst wenig erfahrenen Horrorfans werden die vielen Versatzstücke bekannt vorkommen,  Aufbau und Schnitt von Schock-Szenen wirken wie einstudiert und unmotiviert abgespielt. Sicher ist Wan nicht handwerklich unbegabt, hier kommt er  aber nie über das solide aneinanderreihen von Genrekonventionen hinaus. The Conjuring ist das Malen nach Zahlen des Schreckens.

 

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Eine angemessene Reaktion auf erhängte Geisterwesen – leichte Irritation.

Der Plot ist mit der knappen Zusammenfassung schon vollständig erfasst und für jeden vorhersehbar, der in seinem Leben schon einen vergleichbaren Film gesehen hat. Selbst der Ursprung der Geister/Dämonen/Hexen-Wesen ist in jeder Hinsicht uninspiriert. Gelegentlich wirft das Autorenduo Carey und Chad  Heyes (übrigens Zwillingsbrüder) ein bisschen Hintergrund für die Figuren in den Raum – das Risiko, dass einem diese ans Herz wachsen oder mehr als leblose Spielfiguren für die Geschichte werden, besteht jedoch nie. Dennoch ist der Cast eine der wenigen Stärken des Machwerks: Vor allem Lili Taylor, bekannt unter anderem aus der brillanten Bestatter-Serie Six Feet Under, kämpft mit aller Macht gegen ihre dümmlichen Dialoge an. Das Geisterjäger-Ehepaar baut in einigen Szenen fast so etwas wie eine Chemie oder gar Leinwandpräsenz auf. Fast.

Insgesamt bleibt The Conjuring jedoch fast schon bemerkenswert inkonsequent und langweilt über lange Strecken. Wirklich schockierend ist nur der Gedanke, dass das die Rettung des Horrorfilms sein soll.

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