Kurzrezensionen: Now You See Me; Beginners

now-you-see-me-movie-poster-22Now You See Me (2013): „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“, wird Science-Fiction Autor Arthur C. Clarke oft zitiert. Für Now You see me (deutscher Titel: Die Unfassbaren) stellt das ein erhebliches Problem dar, will es uns doch von seiner Magie überzeugen, die wir schon auf den ersten Blick als technischer Trickserei erkennen. Der neue Film des Action-Regisseurs Louis Letterier (bekannt für das 3D-Disaster Kampf der Titanen und die 2008er Version unglaublichen Hulks) verschlägt uns in das Metier der Illusionisten und Bühnenzauberer. Vier Zauberkünstler werden von einem Unbekannten zusammengeführt – wenig später tauchen sie als Magier-Trupp mit dem Namen „Die vier Reiter“ auf der internationalen Bildfläche auf.

Das Team besteht aus dem ehemaligen Magierpaar J. Daniel Atlas und Henley Reeves (Jesse Eisenberg/ Isla Fisher), dem Gedankenkünstler Merritt McKinney (Woody Harrelson) und Jack Wilder (Dave Franco, James Francos jüngerer Bruder). In einer ihrer Shows überfallen sie, so scheint es, von Las Vegas aus eine Bank – in Paris. Das ruft FBI und Interpol auf den Plan, in Form von Hitzkopf Dylan Rhodes (Avengers-Hulk Mark Ruffalo) und Alma Dray (Mélanie Laurent, einem breiten Publikum bekannt durch Inglorious Basterds). Hilfe finden sie in Form von Thaddeus Bradley (Morgan Freemann), ehemaliger Bühnenmagier, der heute hauptberuflich die Tricks und Kniffe anderer Zauberkünstler als ebensolche entlarvt.

Letteriers actionlastiges Vexierspiel bemüht sich, eine Mischung aus Komplexität und Unterhaltung zu bieten, wirklichen Erfolg kann man dem Film in keinem der beiden Bereichen attestieren. Überladen mit Figuren und Handlungspunkten, verrennt sich das oft ziellose Drehbuch mit jeder Minute mehr. Die stellenweise katastrophalen Darstellerleistungen tun ihr übriges: Eisenberg beweist Eindrucksvoll das sich seine Reichweite auf eine einzige Figur beschränkt, folglich darf über die Länge des Films ein zaubernder Mark Zuckerberg betrachtet werden. Francos Figur ist so blass, dass sie durchsichtig wird, bekommt dafür aber zum Ausgleich in Actionsequenzen plötzlich Fähigkeiten, welche zwischen Geheimagent und X-Men einzuordnen sind. Ruffalo spielt seine Rolle als skeptischer FBI-Agent so schrecklich, dass jede Bildschirm-Minute des talentloseren Franco-Bruders zur Tortur wird. Die obligatorische Liebesgeschichte mit Alma ist so vorhersehbar wie unglaubwürdig, ist doch nicht einmal der Hauch einer Chemie zwischen den Darstellern zu spüren.

Lediglich Michael Cain, der den Manager der „Reiter“ verkörpert und Woody Harrelson als Sprüche klopfender Menschenkenner bieten vereinzelte Lichtblicke, Freeman schaltet hingegen merklich auf Autopilot und scheint von seiner Rolle und dem Film in seiner Gesamtheit wenig überzeugt. Die Illusionen des Films vermögen zu keinem Zeitpunkt die Fantasie des Zuschauers anzuregen- auf die übliche Frage „Wie hat er das gemacht“ folgt immer, wenige Sekunden später die Antwort „Ach, mit CGI natürlich.“

NOW YOU SEE ME

Die vier „Reiter“ bei einer ihrer Bühnenshows

Wirkliches Interesse für einzelne Figuren zeigt der Film nie, sondern springt hektisch von Szene zu Szene, emotionale oder nachdenkliche Momente wirken so aufgesetzt wie die lustlose Erforschung des Themas Skeptizismus und Magie. Action bleibt chaotisch geschnittener Selbstzweck, die Auflösung der zahlreichen inhaltlichen Fragen wird aus dem Hut gezaubert wie ein hässliches Kaninchen, das besser verborgen geblieben wäre. Wenn ein Film über Magier in seiner Auflösung noch weniger befriedigend ist, als Christopher Nolans The Prestige, sollte das nachdenklich stimmen.

Das Ende des Films ist eindeutig auf eine Fortsetzung ausgelegt, die mittlerweile auch angekündigt wurde. Now You See Me war einer der Überraschungserfolge des Sommers, somit wird dem Film die zweifelhafte Ehre zuteil, Rädchen in der Hollywood Blockbuster-Maschine zu sein. Natürlich stellt er eine Abwechslung zum hundertsten Superheldenfilm dar, eine gute Alternative oder in irgendeiner Weise innovativ ist das Endergebnis trotzdem nicht. Sollte der zweite Teil der Reihe etwas wirklich Neues, Frisches bieten, käme dass einem Wunder gleich. Oder eben Zauberei.

PHij9ZNZKMW5mo_1_mBeginners (2010): Nach über 44 Jahren Ehe beginnt Hal Field (Christopher Plummer) ein offen homosexuelles Leben, er ist zu diesem Zeitpunkt 75 Jahre alt. 5 Jahre später verstirbt er. Sein 38 Jähriger Sohn Oliver (Ewan McGregor) hat lange unter der lieblosen Beziehung seiner Eltern gelitten und bleibt lieber allein. Nach dem Tot seines Vater fristet er sein einsames Dasein als freischaffender Künstler. Selbst als er auf einer Kostümparty die junge Schauspielerin Anna (Melanie Laurent) trifft und sich die beiden verlieben nagen weiter Zweifel an ihm. Doch langsam kann er sich öffnen.

Trotz seiner stellenweise ernsten Themen ist Beginners selten schwer oder bedrückend. Der Film von Regisseur Mike Mills besitzt autobiographische Züge und verarbeitet die Beziehung mit dessen Vater. Erzählt wird die Geschichte in Rückblicken, die gleichzeitig Olivers Reflektieren über das Geschehene darstellen, die ganze Narrative wirkt wie seine Gedankenwelt, in die sowohl seine Kunst als auch einzelne Bilder, die bestimmte Zeitepochen begreifbar machen, Einzug erhalten. In kleinen Montagen bekommen wir Geist und Stimmung ganzer Jahrzehnte vermittelt, die originelle Erzähltechnik ist eine der großen Stärken des Films.

Ein wenig wirkt es, als hätte der Regisseur das Anliegen gehabt, eine französische Komödie zu drehen, nur eben in Amerika. Humor und Figuren und, hier wird es besonders deutlich, die Musik, haben Jean-Pierre Jeunet und seiner Amelie viel zu verdanken. Durch sein Sujet und die stärkere politische Komponente hat man jedoch nie das Gefühl, mit einer müden Emulation konfrontiert zu sein. Auch die Darsteller wissen zu überzeugen: Allen voran Christopher Plummer, der für seine Rolle den Oscar als bester Nebendarsteller gewann (und somit der älteste Träger dieses Preises ist), verleiht seiner Figur eine universelle Kraft, die so viel Hoffnung und Optimismus ausstrahlt, dass es schwer fällt nicht mit ihr zu fühlen. Aber auch McGregor und Laurent spielen so beschwingt, dass in einigen Momenten die Last der Vergangenheit auf ihren Schultern zu verschwinden scheint. Hund Arthur (gespielt von Jack-Russel Terrier Cosmo) ist das beste Argument seit Uggie (The Artist), endlich Oscars an Hunde zu vergeben – talentierter als etwa Ben Affleck sind sicher beide.

Obwohl, oder gerade weil, die Geschichte im Kern so wenig komplex ist kann Mills viel durch sie erzählen: Über die Schwulenbewegung, über Selbstverleugnung, über das Wesen von Beziehungen im Wandel der Zeit, über die amerikanische Gegenkultur und eben, wie der Titel schon verkündet, über Neubeginne. Denn genau wie Hal in dem Leben als Homosexueller endlich die Liebe und Erfüllung findet, die ihm sein Leben lang verwehrt geblieben ist, kann auch Oliver erkennen das Menschen nicht immer unglücklich werden wenn sie sich binden. Der Film hat eine Botschaft, sagt er doch seinem Zuschauer, egal welches Alter dieser auch besitzen mag: Es ist nie zu spät.

Beginners_6

Oliver beim zeichnen

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