Kurzrezensionen: Prince Avalanche, Riddick

Prince_Avalanche_Official_PosterPrince Avalanche (2013): Ein ums andere Mal hat Hollywood in diesem Jahr die Welt untergehen lassen. Die Zivilisation endet und die wenigen Überlebenden des jeweiligen Desasters streifen durch die kargen Überreste der Städte und Dörfer. Alvin und Lance, zwei Straßenarbeiter, leben nicht in einer postapokalyptischen Welt – einen wirklichen Unterschied macht das aber nicht. Die beiden könnten genauso gut die letzten Menschen auf dem Planeten sein, so vereinsamt und isoliert wirken die von Waldbränden verheerten Straßen, an denen sie arbeiten. Alvin (Paul Rudd) vertreibt sich die Zeit mit Kassetten mit deutschem Sprachunterricht, Lance (Emile Hirsch) will lieber Rockmusik hören und denkt an das Wochenende, feiern und Frauen. Die Beiden sind unverkennbar ein ungleiches Paar.

David Gordon Green dürfte einer der qualitativ am wenigsten konsistenten Indie-Regisseure sein, die Qualität seiner Arbeiten reicht von wirklich gelungen (George Washington) bis absolut unerträglich (Your Highness). Prince Avalanche kann, nach einer längeren Durststrecke, als eine Rückkehr zu früherer Form gewertet werden: Untermalt von melancholisch-schönen Naturbildern inszeniert Green eine ungewöhnliche Freundschaft und setzt sich mit den kleinen und großen Katastrophen auseinander, die Menschen widerfahren können. Die verbrannte Waldlandschaft wird zum Abbild der Psyche unser Protagonisten, andere Figuren und die restliche Welt wirken fremd und fern. „Everything is past-tense now“, verkündet Alvin und macht klar, dass die Apokalypse nicht global sein muss – die Welt kann auch für nur einen Menschen untergehen.

Prince-Avalanche

Hirsch und Rudd als ungleiches Paar von Straßenarbeitern

riddick-posterRiddick (2013): Science Fiction als Genre ist, wie man es dreht und wendet, traditionell leider meist eher eine Männerdomäne. Egal wie die jeweilige Vision der Zukunft aussieht, ob sie Projektion und Prognose des aktuellen Zeitgeschehens oder eine fantastische Welt, in der Technik der Zauberei gleich wird, stets scheint auch das Paradigma von der Überlegenheit des weißen Mannes zu überdauern. Das ist umso tragischer in Anbetracht der Tatsache, dass den entsprechenden Dys- und Utopien jeweils nur durch die Fantasie der Filmemacher und Autoren Grenzen gesetzt sind.

Das Riddick-Universum, zweifellos eher eine düstere Version der Zukunft, diente bislang als Hintergrund für zwei Spielfilme, einen Animationsfilm und diverse Videospiele. Gemein ist diesen vor allem der Hauptdarsteller Richard B. Riddick, verkörpert von Vin Diesel. Diesel liegt das Franchise sichtlich am Herzen: Nachdem der direkte Vorgänger, Riddick: Chroniken eines Kriegers von 2004 an den Kinokassen nur etwa die Hälfte seiner Kosten einspielte, schien das zunächst das Ende der als Trilogie angelegten Serie zu sein. Mit einem Gastauftritt in der Fast & Furious-Reihe sicherte er sich die Rechte, eine Hypothek auf das eigene Haus finanzierte einen Teil des Budgets.

Was genau Diesel an der Serie so wichtig schien, ist jedoch schwer nachzuvollziehen: Fünf Jahre nach den Ereignissen des Vorgängers ist Riddick (immer noch muskulös, kann immer noch im Dunkeln sehen)  von seiner Position als Lord Marshall gelangweilt und handelt mit Commander Vaako (Karl Urban) einen Deal aus: Für die Position des abgelegenen Planeten Furya soll dieser das neue Oberhaupt der Necromonger werden. Vaako hintergeht ihn und lässt ihn auf einem abgelegenen Planeten stranden. Riddick muss sich nicht nur gegen die gefährliche Flora und Fauna des Planeten, sondern auch gegen zwei Söldnerteams durchsetzten, die den verurteilten Verbrecher dingfest machen wollen.

Erst mit den Söldnern beginnen die großen Probleme des Film: Die 20 Minuten Überlebenskampf zu Beginn des Films wissen durchaus zu unterhalten, auch wenn das reduzierte Budget schnell deutlich sichtbar wird. Doch danach wird deutlich, das Riddick nur im Kontrast zu mörderischen Bestien eine Hauptfigur ist, mit der wir sympathisieren können. Auch die Söldnertrupps machen es nicht leichter, die belanglosen Figuren sind austauschbar. Der erste Trupp, eine Bande skrupelloser Kopfgeldjäger wird von Santana (Jordi Mollà) angeführt, ein Mann dessen Bösartigkeit uns dadurch gezeigt wird, das er eine der nur zwei weiblichen Figuren im Film wenige Sekunden nach ihrem Auftritt hinterrücks erschießt. Der zweite, und noch ungleich problematischere, Frauencharakter ist Teil des zweiten Teams, etwas diszipliniertere  Söldner unter Leitung von Boss Johns (Matt Nabel). Ihr Name ist Dahl (gespielt von Starbuck-Darstellerin Katee Sackhoff), und die taffe Söldnerin sieht sich permanenten sexuellen Übergriffen der Söldner ausgesetzt – und später auch solchen von Riddick. Das sie nackt gezeigt wird, steht außer Frage, denn der Blick der geifernden Brut ist von dem des Filmmachers leider nicht zu unterscheiden. Riddick verhält sich frauenverachtend, nicht weil er der Bösewicht des Films ist, nicht um eine Aussage zu treffen, sondern weil David Thwoy (Regisseur und Ko-Autor) das für eine coole Eigenschaft hielt. Dahl sieht das im Film übrigens ähnlich und reagiert auf die groben Sprüche unseres Anti-Helden mit Begeisterung. Starke Frauen sehen anders aus. Auch die anderen Figuren sind wenig ansprechend und lassen sich in jeweils einem Satz zusammenfassen – wenn nicht die Worte „noch ein Söldner“ ausreichen.

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Richard B. Riddick im Überlebenskampf auf dem verlassenen Planeten. Nicht im Bild: Ein sympathischer Hauptdarsteller

Die Handlung ist so belanglos wie konstruiert, gerade im späteren Verlauf des Films wird immer deutlicher, wie lieblos die Autoren ihre Figuren von A nach B verschieben. Charaktere verhalten sich stellenweise sichtbar auf eine Art, die nicht der Logik oder einer intrinsischen Motivation entspringt, sondern nur dem Drehbuch dient. Natürlich verstirbt im Laufe der Handlung ein beträchtlicher Anteil der Söldner, und auch das dennoch brüchige Allianzen zwischen Riddick und den Überlebenden entstehen darf als wenig überraschend betrachtet werden. Action oder Spannung verweigert sich der Film fast vollständig, wenn es zu kämpfen kommt sind sie handwerklich mittelmäßig CGI-Ballerorgien, die allenfalls Genreneulinge begeistern dürften. Gerade Kenner des ersten Teils werden sich im letzten Drittel vor Déjà-vus kaum retten können.

Unterm Strich bleibt ein träger, dumpfer Actionstreifen ohne Action, mit pubertärem Machismo und einem grunzend-animalischem Vin Diesel, der nicht einmal halb so cool wirkt, wie er es gern hätte. Auch wenn Riddick noch so gut sieht, für seine Zukunft kann man vor allem eins sehen: Schwarz.

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