Die besten Filme des Jahres 2013 (Platz 10-6)

Natürlich ist das Vergleichen und Nebeneinanderstellen von völlig unterschiedlichen Filmen, nur weil sie im Zeitraum des gleichen Erd-Umlaufs der Sonne veröffentlicht wurden, vollkommen willkürlich. Auch das Anordnen in Bestenlisten, abgestuft nach empfundener Qualität, fällt häufig schwer – die vielen Stärken und Schwächen einer Veröffentlichung, gegen die einer anderen abzuwiegen, gleicht oft dem sprichwörtlichen vergleichen von Äpfeln und Birnen. Da stehen sich dann Blockbuster- und Indiestreifen, Popcorn-Thriller und Arthouse-Drama gegenüber. Trotzdem können solche Rangfolgen zum Nachdenken anregen und neue Erkenntnisse hervorbringen: Welche Filme des Jahres waren bedeutsam, an welche wird man sich auch in Zukunft erinnern können? Welche haben uns einen Abend lang begleitet und welche werden das noch ein Leben lang tun? Diese Auswahl ist rein Subjektiv, und sicher sind mir viele wichtige, unterhaltsame und gute Filme entgangen –  herausragend und, in manchen Fällen sogar als bedeutsamen Schritt für das Medium zu werten, sind diese zehn Kunstwerke in jedem Fall.

The_Spectacular_Now_5Platz 10: The Spectacular Now 

The Spectacular Now ist alles, was eine Geschichte für und über Teenager sein sollte: Ehrlich, lustig und mit wichtigen Themen beschäftigt, ohne den Zeigefinger zu erheben. Wenn ein Sujet wie Alkoholismus bei Jugendlichen behandelt wird, passiert dies in der Regel auf eine anstrengende, sehr pädagogische Weise. Hier ist dieser ein zwar wichtiger, aber dennoch nicht alles beherrschender Teilaspekt von Protagonist Sutter Keely, der über seine Liebe zur zurückhaltenden Aimee Finecky langsam lernen muss, dass sein Leben im Jetzt ihn nicht auf Dauer glücklich machen kann.  Die Darsteller Miles Teller und Shailene Woodley sind große Neuentdeckungen, beiden darf nach einer solch herausragenden Leistung, wie sie The Spectacular Now darstellt, bedenkenlos eine bedeutsame Karriere vorhergesagt werden. Auch Kyle Chandler überzeugt in einer Nebenrolle, als Sutters Vater Tommy gibt er diesem eine Vision seiner eigenen Zukunft und bildet glaubwürdig eine in  fast jeder Hinsicht gescheiterte Existenz ab.

Weder das Jetzt, noch dieser Film sind wirklich spektakulär. Der Film ist klein, fokussiert, und wirklich sympathisch.

BSS-1 Platz 9: Berberian Sound Studio

2013 war kein gutes Jahr für das Horrorgenre. Der geneigte Fan durfte sich bei bestenfalls ordentlicher Hausmannskost langweilen, Fortsetzungen wie Insidious oder V/H/S 2, Remakes wie Evil Dead oder Carrie und selbst Neuentwicklungen wie The Conjuring verließen zu keiner Sekunde die zwar blutverschmierten, aber ausgetretenen Pfade der Gruselnische.

Die lobenswerte Ausnahme stellte die atmosphärisch Dichte Giallo-Hommage Berberian Sound Studio des britischen Regisseurs Peter Strickland dar. Toningenieur Gilderoy, meisterlich gespielt von Toby Jones reist nach Italien, um dort mit seiner Expertise auszuhelfen. Schon bei seiner Ankunft wird er von den Menschen vor Ort kritisch beäugt, und mit jedem Tag wächst die unterschwellige Feindseligkeit der restlichen Mitarbeiter.

Bemerkenswert ist an Berberian Sound Studio vor allem das fantastische Sounddesign, dass für eine bedrohliche Grundstimmung sorgt; diese Verbindung von Technik und Inhalt, die immer weiter ineinander übergehen und den Horror unmittelbar machen, zeigt wie Bedeutsam jeder Teilaspekt des Kinos sein kann. Eine Ode an die oft vergessenen Männer in schalldichten Kabinen – wir hören was sie tun, aber sie hören wir nicht.

the-worlds-end-poster02Platz 8: The World´s End

Genrefilme jeglichen Coleurs sind dann am stärksten, wenn sie im Kontext ihrer stilisierten, fiktiven Welt etwas über die Wirklichkeit erzählen. Wenigen Filmschaffenden scheint dieser Umstand so bewusst zu sein wie dem Autoren- und Regieteam Edgar Wright und Simon Pegg. Denn egal ob Zombies, düstere Sekten oder, wie im Fall von The World`s End, eben Alien-Roboter den Protagonisten nachjagen – im Kern geht es immer um die Menschen, ihre Beziehungen, Träume und Schwächen.

Im dritten Teil der lose durch Cornetto-Eiskreme verbundenen Trilogie beweisen Pegg, Frost und Wright Mut: Hauptfigur Gary King ist ein unangenehmer Zeitgenosse, der Film wirkt reifer und ernster in seinem Umgang mit Themen wie etwa Alkoholismus und dem verspäteten Erwachsen werden. Das wird viele Fans etwas irritiert haben, die sich mehr vergnüglichen Eskapismus gewünscht hatten. Was nicht heißt, dass der Film nicht schreiend komisch ist: Gegenüber Shaun of the Dead und Hot Fuzz wurde nichts verlernt. Auch die liebevoll Gestaltete Welt und das dichte Drehbuch machen The World´s End zu einem der besten Filme des Jahres.

drug_war_posterPlatz 7: Drug War

Johnnie To ist ein wirkliches Arbeitstiere, allein schon die schiere Masse an Filmen, die der Regisseur aus Hong-Kong dreht und produziert ist bemerkenswert. Natürlich besteht immer das Risiko, dass die Arbeiten eines so fruchtbaren Künstlers weniger als Einzelleistungen und mehr als Gesamtwerk wahrgenommen werden. Doch Drug War ist eine dieser raren Werke, welches sich deutlich lösen kann von dem Komplex Johnnie To.

Man müsste eigentlich annehmen, dass in der sich mittlerweile  deutlich über ein Jahrhundert spannenden Filmgeschichte jede Möglichkeit,  Polizisten auf Verbrecher schießen zu lassen (und umgekehrt) ausgereizt worden wäre. Johnnie To belehrt uns eines besseren und schafft Actionsequenzen, die mitreißend und originell sind, physisch und eindringlich. Die eigentlich konventionelle Geschichte um einen Polizisten und einen Drogendealer, die zusammenarbeiten müssen, um  einem Kartell von Methschmugglern das Handwerk zu legen, wird aufregend und mit vielen Wendungen erzählt. Gleichzeitig wird deutlich dargestellt,  wie fehlgeleitet und ineffizient der chinesische Drogenkrieg mit seiner überschnell verhängten Todesstrafe tatsächlich ist. Drug War ist fantastisches Actionkino.

museum-hours-posterPlatz 6: Museum Hour

Jem Cohen sieht in der ganzen Welt ein Kunstwerk und bringt dies in dem wundervollen Drama Museum Hour zum Ausdruck. Johann ist Wärter im Kunsthistorischen Museum in Wien, Anne ist wegen ihrer Schwester, die im Koma liegt, vorübergehend in der Stadt. Beide werden schnell Freundschaft und sinnieren über Leben, Kunst und alles Andere. Das ist wundervoll gefilmt, oft toll geschrieben, angenehm gespielt und sehr unaufgeregt. An das Tempo werden sich viele Gewöhnen müsse, stellt der Film doch einen Kontrast zur immer schnelllebigeren (Kino-)Welt dar, welche wir heute zu erwarten gelernt haben.

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