Kurzrezension: Is the Man Who is Tall Happy?

1817287Is the man who is tall happy?“ fragt der französische Regisseur Michel Gondry den amerikanischen Linguistik-Professor und linken Intellektuellen Noam Chomsky. Diese Frage liefert gleichzeitig den Titel des interessanten Dokumentar-Animationsfilm, der im wesentlich eine Reihe von Gespräche der beiden Persönlichkeiten darstellt.  Gondry bebildert das Gesprochene und irritiert mit seiner gleichzeitigen Selbstunter- und Überschätzung. Alles ist bemüht imperfekt, von den Zeichnungen (die trotzdem wirklich meist recht gelungen sind) bis hin zu dem Interview selbst. Fast willkürlich wird von Fachbereich zu Fachbereich gesprungen, lückenlos gehen Gespräche über Linguistik in einen Austausch zum Thema Didaktik über, nur um schließlich bei Chomskys Biographie zu landen. Chomsky war und ist einer der wichtigsten Wissenschaftler und Aktivisten unser Zeit und ein sehr kluger Mensch, an intellektueller Stimulanz fehlt es hier eindeutig nicht. Seine Monologe werden natürlich gefiltert durch Gondrys etwas wirre Fragenstellung, informieren dabei selten konkret, sondern geben meiste Anreize zur eingehenderen Beschäftigung.

Störend: Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass die Gefühlswelt Chomskys (der um seine verstorbene Frau trauert) ausgenutzt wird, um eine emotionale Wirkung beim Zuschauer zu erzeugen. Gondry sucht auch im Dialog das Narrativ und kann sich von seiner Rolle als Geschichtenerzähler nur schwer lösen. Das hat in den eigentlich schon für sich stehend spannenden Diskussionen wenig verloren. Darüber hinaus wirken die vielen Einwürfe des Filmemachers, in denen er sich (und seine Fähigkeiten) immer wieder in Frage stellt, wie das Angeln nach Komplimenten und arten in seltsamen Ritualen der Selbsterniedrigung aus. Kunst kann nur scheitern, wenn der Künstler zu seinem eigenen Werk so stark auf Distanz geht.

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Noam Chomsky, eingebunden in eine der vielen handgemachten Animationen von Michel Gondry

Etwas mehr Selbstbewusstsein, und „Is the Man Who is Tall Happy?“ hätte ein faszinierendes, sehr persönliches Experiment werden können –  so ist der Film wenig mehr als eine zukünftige Inspirationsquelle für Hobbyphilosophen.

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