Media Monday #147

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1.Hollywood ergeht sich immer noch fleißig an Reboots, Remakes, Fortsetzungen etc. und schießt sich damit oft ins eigene Knie. Der letzte originäre, überzeugende, für sich allein stehende Film, den ich gesehen habe ist „Her“ von Spike Jonze (ich nehme an, hier sind nur Hollywood-Filme gemeint), eine kluge Abhandlung über das Wesen der Liebe. Ich glaube, die angebliche Ideenlosigkeit des Studiosystems wird oft übertrieben. Sicher, Filme ab einem hohen zweistelligen Millionenbudget neigen zur Gleichförmigkeit und wirken wie von einem Komitee entwickelt. Aber Hollywood in seiner Gesamtheit ist heute, wie eigentlich in seiner ganzen Geschichte, immer auch von Dissidenten bevölkert, die im Rahmen kommerzieller Verwertbarkeit trotzdem subtile und subversive Kunst schaffen. Außerdem verkennt die Sichtweise, Remakes oder Fortsetzung wären inhärent unkreativ, das Wesen des Films. Eine Geschichte kann so oft erzählt werden, wie man will – jedes Mal kann etwas vollkommen Neues entstehen.

2. Wir alle wurden schon einmal fies gespoilert. Bei keinem Film allerdings hat es mich richtig gestört, weil Filme keine Geschichten sind – wir verwechseln beides nur, weil in Filmen oft eine Geschichte vorkommt. Ein Film, der durch einen Spoiler schlechter wird, war nie wirklich gut. Wer sich auf eine einzelne, überraschende Wendung verlässt, vernachlässigt den Rest. Wenn es anders wäre, könnte man jeden Film nur ein einziges Mal sehen. Eine absurde Vorstellung.

3. Am 23. April ist wieder Welttag des Buches. Wie steht ihr zu solchen Aktionstagen? Wohlwollende Neutralität. Ich glaube nicht, dass etwa ein „Welttag des Buches“ wirklich große Wirkung zeigt, schaden kann so etwas jedoch auch nicht. Es gibt durchaus feste Institutionen in diesem Bereich, die einen großen Wert besitzen, etwa den Weltfrauentag.  

4. Selten hat mich ein/e Schauspieler/in mehr beeindruckt als Juliette Binoche in ihrer/seiner Rolle in „Drei Farben: Blau“, denn nie war der Schmerz, den Verlust hinterlässt, greifbarer.

5. Manche Filme kann man sich ja immer wieder ansehen, nicht einmal unbedingt, weil sie so gut sind, sondern schlichtweg unterhaltsam. Wie zum Beispiel  Die nackte Kanone , der die meiste Zeit eigentlich etwas dümmlich und infantil ist, aber mich trotzdem immer zum lachen bringt. Was daraus eigentlich wieder einen guten Film macht. Steht zu dem was ihr mögt! Keine „guilty pleasures“ mehr, niemand sollte sich schuldig fühlen dafür, dass er bestimmte Filme liebt.

6. Lone Survivor hätte ich besser nie gesehen/gelesen, denn jetzt will ich mich den Taliban anschließen, um das Land zu bekämpfen, das solch ekelhafte Propaganda hervorbringt.

7. Zuletzt gesehen habe ich „46-okunen no koi“ und das war eine der beeindruckendsten Filmerfahrungen seit langem, weil Regisseur Takashi Miike hier mit dem Vorschlaghammer Filmkonventionen einreißt, um aus den Scherben etwas Wundervolles zu schaffen. Filmemacher, zeigt mir bitte mehr Dinge, die ich so noch nie gesehen habe. Das ist die Macht eures Mediums. 

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3 Gedanken zu “Media Monday #147

  1. Bei Frage 2 vergisst du aber, dass manche Filme auf diese „eine“ Wendung hinarbeiten und daraus sozusagen bestehen. Sieh mal bei „The Sixt Sense“ oder „Shutter Island“ – da gebe es sicher auch noch andere Beispiele. 🙂

    Ansonsten hast du recht… Nackte Kanone geht wirklich immer 🙂

    • Ich persönlich bin einfach kein großer Fan von solchen Filmen. Gerade die weitere Filmografie von „Sixth Sense“-Regisseur M. Night Shyamalan zeigt was passiert, wenn man sich zu sehr auf dieses Stilmittel verlässt. „Shutter Island“ zum Beispielt lebt für mich mehr von seiner düsteren Atmosphäre, dem überzeugenden Schauspiel und der imposanten Bildsprache als vom ausgeklügelten Ende. Wenn ein Film nur aus seinem Ende besteht, wieso sollte ich dann den Rest schauen?

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