Rezension: Godzilla

Godzilla-Teaser-Poster-2Für Joe Brody (Brya Cranston) ist die Vergangenheit Sperrgebiet. Vor 15 Jahren hat er bei einem Unglück in einem Atomkraftwerk seine Frau verloren. Verkraftet hat er das nie wirklich. Fest überzeugt davon, dass der Ursprung der Katastrophe nicht, wie es von der Regierung dargestellt wird, in einem Erdbeben zu finden ist, dringt er immer wieder für Nachforschungen in das streng bewachte Unglücksgebiet ein. Sein Sohn Ford (Aaron Tayloer-Johnson), Soldat der US-Armee und Waffenexperte, kehrt gerade von einem längeren Einsatz zu seiner Familie zurück, als er einen Anruf erhält. Sein Vater ist (mal wieder) von der Polizei aufgegriffen worden. Zähneknirschend reist Ford nach Japan. Doch schon bald stellt sich heraus, dass Joe alles andere als ein Wirrkopf ist, der die Vergangenheit nicht ruhen lassen kann. Im Kern der Zone haben Sicherheitskräfte und Forscher eine Art riesenhaften Kokon entdeckt. Eine Kreatur schlüpft, wenig später wird sich eine weiter finden. Die Wissenschaftler bezeichnen sie als M.U.T.O. (Massive Unidentified Terrestrial Organism).  Diese ziehen durch die Welt  auf der Suche nach ihrer Nahrung, atomarer Energie, und legen dabei diverse Großstädte in Schutt und Asche. Bis plötzlich ein weiteres Monster auftaucht und zur großen Hoffnung der Menschheit wird: Godzilla.

Erstmals taucht das Wesen 1954 im gleichnamigen Film auf.  Aufgeweckt von der Wucht eines Atombombentest kommt das sagenumwobene Saurierwesen an Land und verwüstet Tokio.  In seinen Ursprüngen war Gojira vor allem eine Chiffre für die Macht der atomaren Vernichtung.  Noch heute sind Japans Politik und Gesellschaft von den Erfahrungen des zweiten Weltkriegs, und den nationalen Traumata Nagasaki und Hiroshima, stark geprägt. Produzent Tomoyuki Tanaka fand gemeinsam mit Regisseur Ishirō Honda eine Möglichkeit, dem Schrecken einen Körper und ein Gesicht zu geben. Ihn greifbar zu machen. Heute ist Gojira Popkultur, und so etwas wie das inoffizielle Maskottchen Japans. In einem faszinierenden Stück Vergangenheitsbewältigung ist der Terror von gestern heute Unterhaltung für Kinder. In Tokio hat man dem riesenhaften Echsenwesen  gar eine Statue errichtet. Doch was bedeutet Godzilla heute, was bedeutet es für seine amerikanischen Stiefväter?

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Godzilla (1954)

Zuletzt 1998 konnte man das Monstrum in die westlichen Kinosäle stampfen sehen. Roland Emmerichs in Cannes uraufgeführter (ein Umstand, den Kritiker Roger Ebert mit dem abhalten eines satanischen Rituals in der sixtinischen Kapelle verglich)  B-Film war in Form und Inhalt ein Desaster.

In seiner neusten Inkarnation ist die Riesenechse zur Verkörperung der dem Menschen gegenüber gleichgültigen Natur geworden. In einer Zeit, in der Massenmedien uns die Kunde von Naturkatastrophen und Verheerungen aus aller Welt in Sekundenschnelle  bring, kann man sich dem Eindruck nicht verwehren, der Planet sei im Krieg mit uns befindlich. Globale Erwärmung und ihre Folgen füllen die Schlagzeilen. Doch natürlich ist eine solche Sichtweise falsch, wenn nicht sogar unsinnig.  Das menschliche Handeln wirkt sich nicht unerheblich auf unseren Planeten aus. Doch die Effekte haben keinen Plan, keine Methode. Stürme und  Fluten richten sich nicht gegen den Menschen, sie passieren einfach. So ist es im Jahr 2014 auch mit Godzilla.

Kurz werden im Film die Angriffe der Amerikaner auf Japan evzoziert, doch über eine kurze Geste der Völkerverständigung kommt diese Thematik im neuen Film nicht hinaus. Immerhin: Auch das Wesen selber scheint hier ein Kompromiss aus Japanischem und Amerikanischem Einfluss zu sein.

In den letzten  50 Jahren ist  Godzilla , man sieht es an Statuen und den späteren japanischen Filmen, zumindest gefühlt auch Freund der Menschen geworden. Die Tricktechnik ist äußerst gelungen, das Ungetüm ist ausdrucksstärker und sympathischer als seine menschlichen Konterparts. Emotional ist man in das Schuppenungetüm stärker investiert, als in alles andere was im Film stattfindet.

Godzilla

Joe und Ford Brody

Denn die eigentliche Handlung des Films ist vollkommen belanglos, das Drehbuch vor allem eine lose Aneinanderreihung von Schauplätzen. Die Darsteller sind primär damit beschäftigt, ungläubig den titanenhaften Gestalten nachzublicken, die sich vor ihnen aus dem Meer, dem Nebel oder der Dunkelheit materialisieren. Sie erfüllen nicht einmal die Rolle als Träger des Zuschauerblicks wirklich befriedigend. Bryan Cranston bekommt zu wenig Zeit auf der Leinwand und scheidet zu früh aus der Handlung aus. Aaron Taylor-Johnson bleibt in seiner Rolle als Ford Brody fast schon beängstigend leer, trotz einiger Versuche Emotionen zu vermitteln wirkt der junge Brite als wäre ihm vor Drehbeginn die Seele gestohlen worden.

Das der Film dennoch sehenswert ist, liegt daher vor allem am Talent von Gareth Edwards. Nach seinem Spielfilmdebut mit dem soliden Independantstreifen Monsters arbeitet der Regisseur nun erstmals mit Blockbusterbudget. Seine Bildsprache überzeugt,  schafft nicht nur einen erstaunlichen Sinn für Dimensionen und Größenverhältnisse, sondern baut auch wirkliche Spannung auf, anstatt immer auf brachiale Hektik und eine hohe Schnittfrequenz zu setzen. Viele Einstellungen des Films brennen sich in Hirn- und Netzhaut ein, etwa wenn ein Trupp Fallschirmjäger fast wie eine himmlische Erscheinung vom Himmel hinab schwebt.  Optik und Produktionsdesign stechen oft aus dem Hollywood-Einheitsbrei hervor.  Fast an Hitchcock erinnern Sequenzen, in denen das offensichtliche unvermeidlich näher kommt, nur das die sprichwörtliche Bombe unterm Tisch hier eine gewaltige Kreatur ist.

Ein weiterer sinnvoller Referenzpunkt dürfte Steven Spielberg sein. Nicht nur der Name der Hauptfigur aus Der weiße Hai wird hier übernommen, auch die dramaturgischen Ideen des Blockbuster-Erfinders werden aufgegriffen. Etwa, das Weniger manchmal Mehr ist. Auch wenn hier keine technischen und finanziellen Limitierungen mehr vorliegen (oder fehlergeplagte Haipuppen) geht der Film mit seinem titelgebenden Ungetüm sparsam um. Die Computereffekte sind hier nicht die Hauptattraktion, sondern stehen am Ende eines Aufbaus. Godzillas Kreischen ist stets der Klimax langsam crescedierender Szenen. Wie bei den Dinosauriern aus Jurassic Park oder den Außerirdischen aus Unheimliche Begegnung der dritten Art liegt die Freude nicht im rein visuellen Bestaunen der cineastischen Schöpfung, sondern in ihrer langsamen Ankündigung. In den Vorzeichen, den konzentrischen Kreisen im Wasserglas.

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Godzilla in San Francisco

Mit Unheimliche Begnungen der dritten Art teilt Godzilla auch den teilweise internationalen Cast: Was im Science Fiction-Film Francois Truffauts Rolle war, übernimmt hier Ken Watanabe . Edwards wollte stets auch eine japanische Figur im Zentrum der Handlung behalten, als Dr. Ichiro Serizawa vertritt Watanabe das Herkunftsland des Königs der Monster. Ihm zur Seite steht, leider etwas unbeteiligt, Sally Hawkins.

Wie bereits angedeutet sind diese Menschen gleichgültig. Sie dienen als Vergleichsgröße, lassen uns die Verhältnisse erkennen. Der Film verfällt nur selten in den Versuch, die Menschen als bedeutsam darstellen zu wollen. Alle beteiligten Wissen, das es um Godzilla geht. Leider wirkt der mittlere Akt des Films somit etwas leer. Fans von Kaijū-Filmen werden sich immerhin an den vielen kleine Anspielungen an Vor allem die letzten 30 Minuten liefern, was der Beginn verspricht. Das Kino hinterlässt man mit einem lächeln. Zu Beginn des Films sehen wir Ford durch sein Zimmer laufen, auf dem Boden liegen Spielzeugsoldaten und Dinosaurier umher. Gareth Edwards erkennt, dass ein Sinn für kindliche Wunder notwendig ist für ein Unternehmen wie einen Blockbuster. Zumindest in Ansätzen ist das gelungen.

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