Media Monday #154

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1. Filme werden für das Kino gemacht – sagt man ja so schön. Doch dann gibt es da ja auch noch Fernsehfilme. Die zeichnen sich für mich zuvorderst dadurch aus, dass sie in einem anderen Kontext entstehen und ein anderes Publikum finden. Ich glaube nicht, dass etwas Wesentliches diese beiden Formen des Films trennt, außer vielleicht die äußeren wirtschaftlichen und produktionstechnischen Rahmenbedingungen. Kino- und Fernsehfilme untereinander weichen stärker voneinander ab, als sie es zwischen den Formaten tun. In Zeiten von VOD, Streaming und HBO ist die Trennung fast überflüssig geworden.

2. Als Literatur kann man ja vieles bezeichnen. Für mich fallen darunter Werke, die sich nicht mit sich selbst zufrieden geben, die Dissonanz hinterlassen, die mich fordern und fördern. Literatur ist, wenn sich Sätze einbrennen und Teil des Menschen werden. Wenn ein Buch endet, sobald ich es zu ende gelesen habe, dann ist es keine Literatur.

3. Übermächtige Helden, die nicht sterben zu können scheinen sind eines der großen Probleme zeitgenössischer Hollywood-Actionfilme. Nicht das ein Errol Flynn, Bruce Wayne oder Bruce Willis je wirklich in Gefahr waren, aber die physische Realität von Stunts und Choreographie ließen ein Gefühl von Urgenz entstehen. Diese Dringlichkeit, diese greifbare Gefahr, ist in den CGI-Wüsten der Superheldenfilme leider etwas verschwunden. Das ist keine Nostalgie, denn es geht hier nicht um eine Epoche, nur um den Kontext des Studiosystems. Wie es richtig geht zeigen Filmemacher wie Gareth Evans.

4. Nicht, dass man den Namen des Kameramannes kennen müsste, aber gerade Lauren Anyways von Xavier Dolan  ist mir im Gedächtnis geblieben ob der ungewöhnlichen Blickwinkel und des einzigartigen Looks, denn die konsequente Stilisierung und stark symbolistische Bildsprache, die inneres nach außen kehrt, in Verbindung mit einem klaren Gespür für Farben und Kompositionen, ergibt hier einzigartige Bilder zwischen Musikvideo und Parfümwerbung, nur mit emotionaler Tiefe. (Der Name des Kamermannes ist übrigens Yves Bélanger, warum man die DPs eines Films nicht würdigen sollte, verstehe ich nicht.)

5. Animes sind leider in der Regel sehr stark in den Konventionen ihrer wenigen Genrevariationen verfangen. Sicher, einzelne Filmemacher (etwa der großartige Satoshi Kon) lösen sich von den ewig gleichen Liebes- und Heldengeschichten, aber in der Regel neigt das Medium dazu, wieder und wieder die selben Archetypen und Muster abzuspulen.      .

6. Mobile Games – sprich Apps – zu aktuellen Kinofilmen kann man problemlos ignorieren. Sie sind wenig mehr als ein weiterer Kopf der Franchise-Hydra, die heute wohl aus jeder großen Filmreihe werden muss.

7. Zuletzt gesehen habe ich The Loved Ones von Sean Byrne und das war zwiespältig , weil der mittelmäßige Horrorfilm tonal inkonsistent und inhaltlich belanglos war. Handwerklich und vom Schauspiel her solide, aber ohne jede Ambitionen mehr zu sein als ein gewöhnlicher Slasher. Das interessanteste ist noch, dass der Film in Australien Filmförderung erhalten hat – einen so harten, blutigen Film würden die übervorsichtigen Institutionen in Deutschland nie im Leben subventionieren.  

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