Rezension: Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett

Copyright: Verleih / ProduzentEs fällt schwer, Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett wirklich einen Film zu nennen. Unter dem Deckmantel der Liebe zur Gitarre und zur Musik zelebriert die etwas unbeholfene Dauerwerbesendung anderthalb Stunden lang den Gitarrenhersteller Duesenberg. Rock’n’Roll sieht anders aus.

Dumm stellt sich die als Dokumentarfilm getarnte Infomercial dabei zunächst nicht an: Immerhin 20 Minuten vergehen, bis der Name der Hannoveraner Firma das erste Mal fällt. Ihre Produkte wurden natürlich schon dutzende Male in die Kamera gehalten, am besten in den Händen von Musikern. Einen wirklichen roten Faden gibt es dabei nicht. Fast willkürlich reiht der Film Konzertaufnahmen, Interviewschnipsel und Szenen aus Duesenbergs Gitarrenwerkstatt aneinander. Letztere haben Charme und Unterhaltungswert von Heimwerkervideos oder den Clips aus dem Baumarkt, die erklären, wie man Wandfarbe richtig aufträgt.

Die Auftritte von Musikern wie BAP, Tito & Tarantula (bekannt aus From Dusk Till Dawn) und Marius Müller Westernhagen sind langweilig in Szene gesetzt und fangen weder die Energie der Künstler, noch die der Musik ein. Es fehlt erheblich an Dynamik. Das könnte zum Teil auch an den Musikern liegen, die alle eher älteren Semesters sind. Dafür, dass im Film so viel über die Liebe zur (Gitarren-)Musik gesprochen wird, ist die Auswahl an Genres und Künstlern sehr eingeschränkt. Der Musikgeschmack der Macher scheint irgendwann in den Siebzigern stehengeblieben zu sein, ohne dass der Film daraus so etwas wie nostalgische Gefühle erwecken könnte. Mehr als Blues, Pop und ein wenig Folk scheint es ohnehin nicht zu geben. Jazz, Reggae oder experimentellere Musik finden nicht statt, was die Diskussion über die Liebe zur Gitarre ad absurdum führt.

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Fast alle Lieder werden in Gänze gespielt, wahrscheinlich vor allem, um überhaupt auf Spielfilmlänge zu kommen. Wenn ein Lied nicht vollständig gezeigt wird kann man sich sicher sein, dass die zweite Hälfte zu einem späteren Zeitpunkt kommt. Ohnehin gibt es oft Leerlauf – wer als Filmemacher zum Strecken der Laufzeit auf Stadtaufnahmen von Nashville, Hamburg oder sogar Hannover zurückgreifen muss, der sollte lieber gleich Test- oder Schwarzbild zeigen.

Sowohl die Auftritte als auch die Interviews finden überwiegend auf Musikmessen statt. Die „Talking Heads“, darunter vor allem deutsche Künstler wie Peter Maffay, Wolfgang Niedecken oder auch internationale wie Dave Stewart bekommen ohne klare Struktur Fragen zum Thema Künstlerdasein und ihrer Beziehung zum eigenen Instrument gestellt. Die Antworten gestalten sich, mehr zufällig als durch die Interviewer gewollt, in einigen Fällen sogar ganz interessant: Wenn Peter Maffay in Erinnerungen über das Aufkommen von Westmusik in seinem Heimatland Rumänien schwelgt oder Bluesmusiker Louisiana Red von seiner Liebe zuMuddy Waters berichtet, dann keimt kurzzeitig die Hoffnung auf einen besseren, interessanteren Film auf. Doch diese zarte Pflanze vergeht schnell wieder, wenn einem bewusst wird, dass diese sehr persönlichen Erinnerungen gerade auf zynische Weise zweckentfremdet werden, um Gitarren zu verkaufen. Instrumentalisierung in jeder Hinsicht.

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Love Supreme hat nichts, aber auch gar nichts zu erzählen. Nicht über Rock’n’Roll, nicht über die wundervollen Sechssaiter. Nicht einmal über Duesenberg selber lernen wir etwas, anstelle von Fakten und interessanten Einblicken gibt es kleine Anekdoten und Testimonials. Es gibt keinen Grund, dieses Werk anzusehen. Er ist nicht nur durchgängig langweilig, sondern auch Sinnbild dafür, das Rock heute eben keine Rebellion mehr ist, sondern vor allem eine Industrie. Jeden, der schon einmal vor oder gar auf einer Konzertbühne gestanden hat, sollte der Film nicht in Extase sondern in Trauer versetzten. Für ein Kino ist Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett wenig geeignet, besser aufgehoben wäre er auf den Werbe-Bildschirmen eines nahegelegenen Musikfachmarkts. Als Hintergrundrauschen für den Kauf einer neuen Gitarre wäre der Film sicher nicht fehl am Platz.

(zuerst bei kino-zeit.de erschienen)

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