Rezension: The Gunman

Copyright: StudioCanal DeutschlandManchmal gibt es tatsächlich so etwas wie Wahrheit in Werbung: Pierre Morels Actionthriller The Gunman enthält sogar gleich mehrere Gewehre, eine Vielzahl von Männern, sowie beides in Kombination. Einer dieser Männer mit Gewehren ist Jim Terrier (Sean Penn), Mitarbeiter einer international agierenden Sicherheitsfirma. Von seinen Auftraggebern wird er in der Demokratischen Republik Kongo stationiert, um den Bergbauminister des Landes zu töten. Zur Tarnung geben er und seine Waffenbrüder vor, als Sicherheitspersonal eine Baustelle zu bewachen. Während er auf grünes Licht wartet, verliebt er sich in die junge Ärztin Annie (Jasmine Trinca), ganz zum Missfallen ihres ebenfalls nicht abgeneigten Kollegen Felix (Javier Bardem). Kurz vor dem Attentat erfährt Terrier, dass der Schütze für längere Zeit den Kontinent verlassen muss, und natürlich fällt das Los auf ihn. Nach dem Anschlag versinkt die Nation in Chaos und Gewalt.

Acht Jahre später – der von Schuldgefühlen zerfressen Jim hat sich vom Söldnerleben abgewandt. Um sich von seinen Sünden reinzuwaschen, baut er für eine NGO Brunnen in Afrika. Doch als eines Tages bewaffnete Männer auf seiner Baustelle auftauchen, um ihn zu töten, muss er feststellen, dass er seiner Vergangenheit nie ganz entkommen wird. Die Spur der Auftragsmörder führt ihn zu seinen früheren Auftraggebern – und zu Felix, heute Chef eines großen Konzerns und Ehemann von Annie.

The Gunman basiert lose auf Jean-Patrick Manchettes Thriller-Roman Position: Anschlag liegend (Originaltitel: The Prone Gunman) und erzählt die typische Geschichte des alternden Killers, der für einen letzten Auftrag zurückkehrt. Taken-Regisseur Pierre Morel inszeniert wenig mehr als eine Aneinanderreihung von verwackelten Actionsequenzen und Thriller-Klischees; der Nebenhandlungsstrang um das Liebesdreieck löst sich alsbald in Wohlgefallen auf. Afrika stellt sich schnell als austauschbare Kulisse heraus, an politischen Hintergründen ist der Film nicht interessiert.  Die Bilder des Kontinents bewegen sich zwischen Tourismus- und Misereor-Ästhetik.

Seine Reise verschlägt Terrier, in bester Bond– oder Bourne-Manier, über den gesamten Erdball. Beziehungsweise, in diesem Fall, nur nach London und Barcelona. Natürlich stößt der Ex-Söldner auf eine Verschwörung, die (wie könnte es anders sein) bis ganz nach oben™ reicht. Sogar bis zu seinem vertrauensvoll und väterlich lächelnden Vorgesetzten Terry Cox (Marky Rylance)? Die Antwort wird niemanden überraschen.

Weil ein alter Mann und seine etwas dümmlichen Handlanger für den gestählten Schützen natürlich kein ausreichendes Hindernis sind, leidet Terrier zudem noch unter einem Hirnschaden. (Eine Diagnose, die man auch dem Film stellen könnte.) Dieses Gehirn- Plaque (sic!) wirkt so, dass der Söldner in besonderen Stress- und Belastungssituationen kurzerhand zusammenbricht. Wer nun ein verkalktes Anti-Crank erwartet, in dem Sean Penn vor allem Tee trinkt, Smooth Jazz hört und jede Aufregung vermeidet, der wird enttäuscht: Das Drehbuch vergisst die Krankheit für einen Großteil der Actionszenen, nur um sie im richtigen Moment für den dramatischen Effekt wieder aus dem Narrativ-Nirvana hervorzukramen.

Die illustre Riege von eigentlich talentierten Darstellern beschränkt ihre Präsenz vor allem auf Plakat und Trailer: Jarvier Bardem kann keine Akzente setzen und scheidet früh aus der Handlung aus, Idris Elba taucht erst im letzten Filmdrittel überhaupt auf. Ray Winstone nähert sich mit zunehmendem Bartwuchs zwar phänotypisch immer mehr Brendan Gleeson an, bleibt aber Sidekick ohne wirkliche Relevanz für die Handlung. Jasmine Trinca wird nie mehr als ein nett anzusehender Spielball in den Konflikten der Männer.

Auch handwerklich gibt es kleinere und größere Probleme: Kameramann Flavio Martínez Labiano scheitert regelmäßig daran, die Schauspieler im Fokus zu behalten. Schnittmeister Frédéric Thoraval montiert Rückblenden zu Situationen, die erst vor wenigen Minuten zu sehen waren – Vertrauen in den Zuschauer demonstriert das nicht. Zudem fehlt es dem Film an einem klaren Rhythmus, viele ereignisarme Passagen ziehen sich endlos und die Action ist weder kreativ noch spannend genug, um wirklich dafür zu entschädigen.

Auch die Last der Romanvorlage hängt wie ein bleiernes Gewicht an The Gunman. Manche Szenen und Sätze wirken wie Überreste, von denen sich die Autoren bei der Adaption einfach nicht trennen konnten. In Folge dessen ist der Film aufgebläht und überfrachtet, erzählt vieles ein bisschen, aber nichts richtig. Die Dialoge sind klischeebeladen, bemüht und manchmal sogar albern. Etwa, wenn Agent DuPont (Idris Elba) mit Terrier in kryptischer Geheimsprache spricht und kurz davor scheint, für jedes Wort mit seinen Fingern Anführungszeichen zu machen.

Penn versucht gelegentlich halbherzig, Reue und inneren Konflikt darzustellen, jeder Ansatz von Schauspiel geht jedoch in der wirren Regiearbeit unter. Selten nur steht die Kamera still, als müsse immerzu eine Spannung simuliert werden, die meist einfach nicht da ist.

Für den mittlerweile fünfundfünfzigjährigen Sean Penn (der selbst auch als Koproduzent gelistet ist) war das Projekt wohl vor allem eine Schmeicheleinheit für das alternde Ego: Im Laufe der Handlung sehen wir ihn surfen, er präsentiert gleich mehrfach seinen gestählten Oberkörper, fährt Sportwagen und erobert die Ehefrau eines anderen Mannes für sich. Wären da nicht seine schießwütigen Verfolger, man könnte meine, es wäre die Geschichte einer Midlifecrisis; American Beauty mit mehr Toten.

Wenn der Regisseur im Finale des Films, angesiedelt in einer spanischen Stierkampfarena, wieder und wieder vom wütenden, verletzten Tier auf den alternden Schauspieler schneidet, dann ist das die wohl ärgerlichste Variante von dümmlicher Macho-Poesie eines Möchtegern-Hemmingways, die man seit langem auf der Leinwand erdulden musste.

The Gunman ist ein gänzlich belang- und gehaltloser Film und wird nicht einmal Fans von Thriller-Hausmannskost wirklich sättigen. Zwischen Vor- und Abspann liegen 115 Minuten ohne große Höhepunkte, es fehlt an Action, Herz, Seele und Hirn. Aber immerhin: Männer mit Waffen, die kommen vor.

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2 Gedanken zu “Rezension: The Gunman

  1. sehr gute bewertung ,also ich werd mir genau deswegen den film anschauen und dabei wahrscheinlich immer an diese rezension denken .danke 😉

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