Rezension: Z for Zachariah

zfz-posterManche Peinlichkeiten überdauern selbst die Zivilisation: John und Ann mögen zu den letzten lebenden Menschen auf dem Planeten gehören, doch wenn sie vorsichtige Liebesbande knüpfen, dann wird das von denselben schüchternen Blicken und nervösen Worten begleitet, die auch vor dem nuklearen Armageddon üblich waren. In Z for Zachariah sucht Regisseur Craig Zobels in einer postapokalyptischen Welt nach den Resten alter und den Vorzeichen neuer Trennlinien zwischen den Menschen. Nie wurde der Kampf ums Dasein unaufgeregter geführt.

Die Farm, auf der Ann Burden (Margot Robbie) einst aufwuchs und die kleine Gemeinde um sie herum sind wie durch ein Wunder (oder ein Wetterphänomen?) von der Katastrophe verschont geblieben. Ihre Familie ist entweder tot oder in der Welt verstreut, sie lebt allein mit ihrem Hund – bis Ingenieur John Loomis (Chiwetel Ejiofor) plötzlich in einem riesigen Strahlenanzug in einem nahen Waldgebiet auftaucht. Er hat gesundheitliche Probleme und Ann nimmt ihn ohne größere Bedenken bei sich auf, um ihn zu pflegen.

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Was folgt ist eine Mischung aus romantischem Drama und religiöser Parabel: Ann und John kommen einander näher, doch fühlen sich unwohl angesichts der Unvermeidbarkeit, die in der Luft liegt. Als Überlebende bilden sie eine Schicksalsgemeinschaft, alles scheint auf das Prinzip Adam und Eva hinzudeuten. Doch sie sind vom Verlust geprägt und Vieles trennt sie: Ann ist religiös, Wissenschaftler John trägt schon im Familiennamen sein Bekenntnis zur „erleuchtenden“ Aufklärung. Um diesen Konflikt zuzuspitzen, entwirft Drehbuchautor Nissar Modi ein Szenario von brachialer Symbolik, das in der Romanvorlage von Robert C. O’Brien so nicht vorkommt: Damit die beiden den nächsten Winter überleben, benötigen sie dringend Strom. John plant den Bau eines Wasserrades, findet jedoch (trotz der ausufernden Waldgebiete um ihn herum) nirgendwo das passende Baumaterial. Zur einzigen Möglichkeit erklärt er, die Kapelle abzureißen, in der Anns Vater früher gepredigt hat. Dort steht auch die Orgel, an der sie so gerne die Welt vergisst, um Gott näher zu sein. Schwerter zu Pflugscharen, Kreuze zu Wasserrädern.

Die mal nur in Blicken, mal im passiv-aggressiven Tonfall geführte Diskussion wirkt wie eine weniger konzise und eindringliche Version der finalen Szene aus Coppolas Der Dialog. Verhandelt wird die Frage, was der Mensch aufgeben darf, um zu überleben. Was Leben von Überleben trennt. Es ist die Dialektik der Aufklärung als postapokalyptisches Planspiel.

In der Praxis ist das Sci-Fi-Drama jedoch nicht unbedingt ein Thesenfilm, sondern richtet seinen Blick vor allem auf die Beziehung zwischen John und Ann. Spätestens, als mit Caleb (Chris Pine) noch ein dritter Überlebender zu der Gruppe stößt, überlagert das entstehende Liebesdreieck alle anderen Handlungselemente. Der Neuzugang ist ein weißer Christ und die Vorurteile der Welt von gestern machen John unsicher. Es wird geflirtet und vorsichtig begehrt, männliche Eifersüchteleien erfüllen die begrenzten Räumlichkeiten. Der neu entstandene Druck zwingt dunkle Erinnerungen an die Oberfläche.

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Zobel und sein Kameramann Tim Orr lassen sich visuell spürbar von Andrei Tarkowski inspirieren, ohne dabei konsequenterweise auch die verdreckte Trostlosigkeit seiner Filme zu übernehmen. Es gibt hübsche Landschaftsaufnahmen und von Kerzenlicht geflutete Innenräume zu bewundern, gleich mehrfach wird Stalker zitiert. Doch in seiner Bildsprache erreicht der Filmemacher den russischen Großmeister nicht einmal im Ansatz: Zu vorsichtig und konventionell, vor allem aber meist zu eindeutig, tastet er sich an die ganz großen Themen heran. Erst zum Ende hin erlaubt der Regisseur seinem Publikum die Interpretation. Für emotionale Unmissverständlichkeit sorgt Heather McIntoshs Musik, die sicher interessant komponiert ist, aber ein wenig zu oft verwendet wird. Mancher Sequenz hätte ein bisschen Stille gut getan.

Die Einsamkeit der letzten Menschen wird in Z for Zachariah nie greifbar. Dem Sci-Fi-Drama fehlen die Momente echter Entrückung und die Distanz zur Welt. Die drei Darsteller bemühen sich redlich, eine neue Gefühlswelt aus der Asche der alten zu kreieren, doch werden von Zobel vor allem als moralische Crashtest-Dummies missbraucht. Es liegt sicherlich ein Wert darin, auf die subtile Gewalt der Naturgesetze auch im Zwischenmenschlichen hinzuweisen. Doch der Frage nach dem Nutzen des Irrationalen begegnet der Filmemacher zu kalkuliert, um sie befriedigend zu beantworten. Unter der dünnen Schicht von Emotion schimmert zu oft das Skelett des Versuchsaufbaus hervor.

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