Wie Kassenschlager aus China den amerikanischen Blockbuster verändern

Goldgräberstimmung klingt nur nach einem erstrebenswerten Zustand, wenn man dabei nicht tatsächliche Goldgräber vor Augen hat. Die amerikanischen Schürfer, die sich im 19. Jahrhundert vom Goldfieber packen ließen, waren oft Getriebene, die eine Chance sahen, bitterster Armut zu entkommen. Die meisten von ihnen gingen leer aus. Angesichts des rasant wachsenden chinesischen Filmmarktes herrscht gegenwärtig Goldgräberstimmung in Hollywood. Arm ist man in der Traumfabrik längst noch nicht, doch im Laufe der nächsten Jahre wird China die USA als größter Kinomarkt überholen. Bereits 2017 soll es vielen Analysten zufolge soweit sein. Es ist ein Prozess, der am amerikanischen Blockbuster-Kino nicht spurlos vorübergehen wird.

1280x720-mGF(Filmstill aus Journey to the West: Conquering the Demons; Copyright: Magnolia Home Entertainment)

Die ökonomische Verschiebung wird von Experten und Branchenmagazinen umfassend begleitet: Ein nicht unerheblicher Teil der Berichterstattung von Variety, Hollywood Reporter und Co. beschäftigt sich mittlerweile mit der Region Asia Pacific, die laut MPAA (dem Verband der sechs größten amerikanischen Filmproduktionsgesellschaften) im vergangenen Jahr um 13% gewachsen ist, die Einnahmen an den chinesischen Kinokassen im Speziellen stiegen sogar um fast 49%, auf 6,8 Milliarden Dollar. Auch die Anzahl der Kinoleinwände stieg um annähernd 9.000 auf 32.000 Stück. Eine eigentlich immer noch lächerlich kleine Zahl: Die Vereinigten Staaten haben ungefähr 7000 mehr – bei einer Bevölkerungsgröße, die nicht ganz ein Viertel der chinesischen erreicht. Das Wachstumspotential ist also weiterhin immens.

Besucherrekorde werden aktuell im Monatsabstand gebrochen: Erst im Februar dieses Jahres spielte The Mermaid, eine actionreiche, unterhaltsame Mischung aus Fantasy-Film, Romanze, Komödie und Umweltdrama des in Hongkong geborenen Regisseurs Stephen Chow an den heimischen Kassen über 3,3 Milliarden Yuan (etwas mehr als 500 Millionen Dollar) ein. Nach nur 10 Tagen war damit der schon als sensationell geltende Rekord von Raman Huis Monster Hunt aus dem Vorjahr Geschichte, welcher wiederum Fast & Furious 7 um seine Pole-Position gebracht hatte.

Immer wieder wird deutlich, dass diese Daten nicht unkritisch betrachtet werden sollten. Mit großer Regelmäßigkeit gibt es Meldungen, dass chinesische Studios die Besucherzahlen ihrer Filme manipulieren. Das passiert dann in etwa durch so genannte „Geistervorstellungen„, in denen leere Säle kurzerhand zu vollen erklärt werden. (Ghostbusters hingegen wird in China nicht gezeigt.)

Oft sollen auch Freikarten, die zu Werbezwecken verschenkt wurden, als regulär verkauft ausgegeben worden sein. Kritiker wie Raymond Zhou von der China Daily sehen das Risiko, dass solche Praktiken den Markt zu einer Blase aufblasen, die irgendwann platzen muss.

Doch auch die frisierten Zahlen ändern wenig an der Grundtendenz. Nach dem WTO-Beitritt Chinas im Jahr 2001 reichten die Vereinigten Staaten 2007 bei der Handelsorganisation eine Klage gegen die Importbeschränkungen für ausländische Filme ein. Bis dahin durften nur 20 nicht-chinesische Filme im Jahr gezeigt werden. Mittlerweile ist diese Zahl auf 34 angestiegen, doch auch die neue Regelung stellt nur eine Übergangslösung dar, die Menge ausländischer Veröffentlichungen wird in den Folgejahren weiter steigen. Auch wenn Hollywoodfilme nur 25 % des Kaufpreises bei Ticketverkäufen erhalten, entscheiden diese Mehreinnahmen oft zwischen Erfolg und Flop. Warcraft: The Beginning spielte in China ein Vielfaches mehr ein als in den USA. Auch Erfolg und Fortsetzung von Pacific Rim sind primär dem Reich der Mitte zuzuschreiben. Welche Filme grünes Licht bekommen, hängt längst auch von chinesischen Präferenzen ab.

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(Filmstill aus Warcraft: The Beginning; Copyright: Universal Pictures Germany)

Während die wirtschaftlichen Aspekte dieses Wandels detailliert beschrieben werden, bleiben die Implikationen für die Filme selbst oft unbeachtet. Sie werden meist auf einige einfache Stichpunkte heruntergebrochen, die das Phänomen nicht vollständig beschreiben.

Es werden in Zukunft mehr chinesische oder chinesisch-stämmige Darsteller gecastet, die zunehmend bedeutsamere Rollen erhalten: Donnie Yen, der Star der erfolgreichen Martial-Arts-Reihe Ip Man, tritt in Rogue One: A Star Wars Story auf. Li Bingbing kämpft sich durch Resident Evil: Retribution und (aufgrund der Teilfinanzierung durch den China Movie Channel) Transformers 4. Daniel Wu verkörpert Erzschurke Gul’dan im Fantasyepos Warcraft: The Beginning, das vor allem in China erfolgreich war.

Asiatische Filmstars sind plötzlich so gefragt, dass sich ihre Gehälter stellenweise verdreifachen. Die lange Diskussion um interessante und bedeutsame Rollen für amerikanische Schauspieler mit asiatischen Wurzeln kommt plötzlich in Bewegung: Die Logik des Marktes beginnt, merkwürdig mühelos, manche Hürden beiseite zu fegen. In einem Interview mit Deadline erklärte Will Yun Lee  (San Andreas, Wolverine: Weg des Kriegers) 2015: „Alle wichtigen Rollen scheinen nun allen offen zu stehen. Ich weiß nicht, ob es der Einfluss des chinesischen Geldes sind oder jüngere Drehbuchschreiber, die anders aufgewachsen sind.“

Während asiatische Heldenfiguren auf dem Vormarsch sind, werden chinesische Gegenspieler zunehmend seltener. Die prominenten Beispiele sind zahlreich: Der in der Comicvorlage chinesische Schurke des Marvel-Films Iron Man 3, der Mandarin, wurde in der Adaption eine neue Identität ohne eindeutige Nationalität zugewiesen. Dan Bradleys Neuauflage von Red Dawn erzählte bis kurz vor der Veröffentlichung die Geschichte von jungen Amerikanern, die sich gegen eine chinesische Invasionsarmee zur Wehr setzen. Doch die Produzenten befürchteten negative Konsequenzen, der Actionfilm wurde um über ein Jahr verschoben und erschien in einer Version, in der plötzlich das ärmliche Nordkorea die USA unterjochte. Christopher Nolans Interstellar avancierte in China zum großen Hit – wohl auch, weil die bösartigen chinesischen Roboter aus dem ursprünglichen Skript verworfen wurden.

Grimlock(Filmstill aus Transformers: Ära des Untergangs; Copyright: Paramount Pictures Germany)

Die nach diesen Prinzipien selektierten Figuren verschlägt es immer öfter an chinesische Schauplätze. Große Teile von Transformers: Ära des Untergangs spielen in Hongkong. Das 2010 erschienene Remake von Karate Kid verlegt die Handlung des Originals von Kalifornien nach Peking. Eine Szene aus Looper wurde (so forderte es Ko-Produktionsfirma DMG Entertainment) von Paris nach Shanghai verlegt. Auch wenn diese Schauplatzwechsel oft nur schwach motiviert sind und etwas Touristisches in sich tragen, wirkt die Darstellung von Land und Leuten dabei oft etwas nuancierter als in der Vergangenheit Hollywoods, die von einem unkritischen Exotismus geprägt war.

Über die strenge Filmzensur des Landes sprechen Filmemacher und Produzenten nur ungern. Weil es keine Institution gibt, welche die Eignung eines Films für Jugendliche und Teenager prüft (wie etwa die amerikanische MPAA oder die deutsche FSK), muss jede Veröffentlichung für ein allgemeines Publikum geeignet sein, nach den Standards des „Amts für Presse, Veröffentlichungen, Radio, Film und Fernsehen“. Das bedeutet zuerst einmal strikte Grenzen für Gewalt, Sexualität und Drogenkonsum. (Eine rigidere Lösung als die inoffiziellen, undurchsichtigen Voraussetzungen, welche die meisten amerikanischen Großproduktionen zu einem PG-13-Rating drängen.) Viele Tabuthemen und gesellschaftlichen Probleme können dadurch nicht mehr behandelt werden.

Darüber hinaus fordert die Behörde aber auch eine klare, politische Linie. Staats- und Parteichef Xi Jinping hat eindeutige Vorstellungen, welchen Zweck Kunst und Kultur für die chinesische Regierung haben: Sie sollen „Volk und Sozialismus dienen“ und ihnen den „richtigen Weg“ weisen. Kunst habe sich der „Politik unterzuordnen„.

In vielen Fällen ist die Folge eine Entpolitisierung. So vermisst dann etwa Judi Denchs Figur M im Bond-Film Casino Royale in der chinesischen Version nicht mehr „den Kalten Krieg“, sondern plötzlich die „guten alten Zeiten“. Eine Änderung, die trivial erscheint, bis man länger über die Implikationen davon nachdenkt, eine archetypische Figur wie Bond von seinen Wurzeln zu lösen.

Eine der Figuren aus Marvels nächster Veröffentlichung Doctor Strange stammt in der Vorlage aus Tibet – angesichts des schwelenden Konflikts um territoriale Ansprüche an die Region ein ethno-politisches Minenfeld. Daher entschloss das Studio kurzerhand, aller Verweise auf Tibet aus dem Drehbuch zu streichen. In einem Streit, in dem es auch um die Anerkennung der Existenz eines Staates geht, ergreifen die Verantwortlichen damit klar Partei.

doctor-strange-2016-film-rcm1200x627u(Filmstill aus Doctor Strange; Copyright: Walt Disney Germany)

Dabei ist weniger relevant, wie stark China zensiert (das Land belegt in der Weltrangliste der Pressefreiheit den 176. Platz), sondern vielmehr, wie bereitwillig sich amerikanische Studios den Konditionen der Zensoren beugen, um Zugang zur neuen Zielgruppe zu erlauben. Ko-Produktionen mit einem chinesischen Studio sind von der Restriktion auf 34 ausländische Filme im Jahr ausgenommen. Eine Produktion gilt jedoch erst als solche, wenn mindestens einer der Protagonisten Chinese ist und (der entscheidende Faktor) die chinesische Behörde dem Drehbuch zugestimmt hat.

Das führt dann etwa dazu, dass viele Filme (z.B. Kung Fu Panda 3) über den gesamten Entstehungsprozess hinweg von den Zensoren begleitet werden. Es ist nicht absehbar, in wie vielen anderen Fällen die Studios ihre Filme in vorauseilendem Gehorsam von sämtlichen möglicherweise kontroversen Inhalten befreien. Die U.S.-China Economic and Security Review Commision befindet in einem Bericht ähnlich: „With an eye toward distribution in China, American filmmakers increasingly edit films in anticipation of Chinese censors’ many potential sensitivities.“

Es besteht das Risiko, dass ein gefälliges, geduldetes „Hof-Filmemachen“ entsteht, das es sowohl China als auch Amerika recht machen will. Der kleinste gemeinsame Nenner wird noch kleiner. Die Folge einer zunehmend beschränkten Themenwahl besteht letztendlich in einer weiter fortschreitenden Trivialisierung und Infantilisierung. Man möchte es sich angesichts des gegenwärtigen Status Quo gar nicht vorstellen.

Eine mögliche Alternative besteht in zunehmend voneinander abweichenden Schnittversionen für verschiedene Märkte. Schon jetzt entstehen oftmals Varianten desselben Films, nicht alle sind zensurbedingt: Für Looper oder die bereits angesprochenen Iron Man 3 und Transformers 4 wurden beispielsweise zusätzliche Szenen gedreht, die heimische Orte oder Darsteller in den Mittelpunkt stellen. Diese wurden unterschiedlich gut aufgenommen: Oft werden die zusätzlichen Sequenzen als Gimmick gewertet.

(Video Edgar Wright – How to Do Visual Comedy von Tony Zhou)

Auch abseits solcher inhaltlichen Aspekte könnte sich der Blockbuster der Zukunft verändern, vor allem formal. Durch Einflüsse aus Hongkong und Taiwan haben chinesische Regisseure in der Regel einen anderen Zugang zu Actionsequenzen und Gefechten, als die meisten Hollywoodregisseure. Die Martial-Arts-Tradition von fließenden Bewegung, durchdachten Choreographien und räumlicher Kohärenz findet man auch beispielsweise in den um originelle Setpieces aufgebauten Filmen von Stephen Chow. Das chinesische Kino erlaubt außerdem oft eine Art des Schauspiels, in dem große Gesten und überzogene Gesichtsausdrücke nicht sofort als Bruch mit dem vermeintlichen Realismus gewertet werden. Manieriertheit, große Gesten und das theatralisch Überlebensgroße sind aus Hollywood bis auf wenige Ausnahmen verschwunden. In chinesischen Blockbustern findet man sie hingegen zuhauf. Wer ein internationales Publikum ansprechen will – denn nicht nur in China, sondern auch in vielen anderen Regionen ist das Kino noch immer ein wachsender Markt –, muss das kulturell Spezifische überwinden und das globalisierte, menschliche Universelle finden.

Von den 50 Filmen, die in China am meisten eingespielt haben, sind 49 in den letzten fünf Jahren erschienen. Lediglich Avatar – Aufbruch nach Pandora von James Cameron, der bislang erfolgreichste Film aller Zeiten, ist zwei Jahre älter. In jüngster Vergangenheit wurde oft diskutiert, ob das Science-Fiction-Abenteuer (abgesehen von seinen Einspielergebnissen) einen größeren Einfluss auf die gesamte Kultur hatte. Sieht man sich den chinesischen Blockbuster der Gegenwart an, fällt die Antwort nicht schwer. Der Film war nicht nur ein bahnbrechender Erfolg, für den viele sogar Flugreisen auf sich nahmen, sondern wurde offiziell zum Teil der chinesischen Geographie: Ein Berg in der Huan-Provinz, der angeblich als Inspiration für eine der Landschaften auf dem fernen Planeten Pandora diente, wurde 2010 in Avatar Hallelujah Mountain umbenannt.

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(Filmstill aus Avatar –  Aufbruch nach Pandora; Copyright: Fox Deutschland)

Auf ähnliche Weise wurde die filmische Kartographie Chinas verändert: Immer, wenn die Kamera in chinesischen Blockbustern wie Monster Hunt oder The Monkey King über grün-bunte Fantasielandschaften fährt, erkannt man Avatar als Urtext. In den Zeiten der Computereffekte führt der Weg zur Darstellung der eigenen Heimat über fiktionale Welten.

Wie diese Effekte eingesetzt werden, ist gegenwärtig eine der Trennlinien zwischen chinesischen und amerikanischen Blockbustern. Während das Ziel in den USA in der Regel ein maximaler Realismus ist, der oft gerade durch diesen Anspruch wieder irritiert (der berühmte Uncanny Valley-Effekt), haben sie in beispielsweise The Mermaid, Monster Hunt, Mojin: The Lost Legend und Journey to the West: Conquering the Demons etwas extrem Künstliches. Das liegt zum einen natürlich an den deutlich geringeren Budgets: The Mermaid hat etwa mehr als 60 Millionen Dollar gekostet, Monster Hunt sogar lediglich 56 Millionen. Doch statt das Artifizielle der Effekte zu verbergen (etwa durch ein dunkleres Bild oder ihren sparsamen Einsatz), gehen die Filme offensiv damit um. Meist ist eine klare Distanz zwischen Figuren und Green-Screen-Hintergründen zu erkennen, ein Puppenhaus-artiges Nebeneinander der Filmwelt und ihrer Bewohner.

Interessanterweise ist es genau dieser Effekt, der bei Warcraft: The Beginning so oft bemängelt wurde, zumindest in den USA. Die Branche diskutiert erhitzt darüber, ob die Videospiel-Verfilmung einen bedeutsamen Wendepunkt darstellt: Warcraft werde „den Blockbuster für immer verändern“, behauptete Wired, auch das Wall Street Journal schlug einen ähnlichen Ton an. Tatsächlich handelt es sich um den bislang erfolgreichsten ausländischen Film in China, innerhalb von nur fünf Tagen spielte er dort über 156 Millionen Dollar ein. Jackie Chan verkündete Stolz, wie viel Angst dieser Umstand den Amerikaner machen sollte.

Nicht nur aufgrund der an chinesische Erfolge angelehnten Ästhetik fällt es schwer zu entscheiden, ob es sich bei Warcraft um einen chinesischen oder einen amerikanischen Film handelt. Der Veröffentlichungstermin wurde auf den Beginn des dreitägigen Drachenbootfests gelegt, die Produktionsfirma Legendary Entertainment gehört seit Anfang 2016 zu einem großen Teil der chinesischen Dalian Wanda Group. Doch gerade diese langsam verschwindende Trennschärfe könnte sich als Problem herausstellen. In einem Text für China Daily stellt der Kolumnist und Kritiker Raymond Zhou die berechtigte Frage, ob Chinesen amerikanische Filme schauen, weil sie besonders chinesisch sind. Seiner Meinung nach liegt der Grund für den Erfolg des Films nicht in seiner Annäherung an lokale Sehgewohnheiten, sondern vor allem im Material. Gerade in China hat das Onlinerollenspiel World of Warcraft viele Fans.

Gerade, was die Stoffwahl angeht, bietet der junge chinesische Markt einen faszinierenden Blick in eine mögliche Zukunft: Neben Sagen und klassischen Romanen wie Die Reise nach Westen (The Forbidden Kingdom, Journey to the West, The Monkey King 1 und 2) haben sich besonders Adaptionen selbstpublizierter Onlineliteratur als Kassenschlager erwiesen: Mojin: The Lost Legenderzählt eine an Indiana Jones oder Tomb Raider erinnernde Geschichte um eine Gruppe von Grabräubern und hat an den Kinokassen über 1,6 Milliarden Yuan eingespielt. Damit ist die Umsetzung der erfolgreichen Online-Romanreihe Ghost Blows Out the Light. Lokale Studios führen erbitterte Kämpfe um „big IP“. Gut möglich, das auch in Hollywood nach dem Hype um Jugendromane wie Twilight oder Die Tribute von Panem als nächstes die westliche Entsprechung solcher Internet-Serien in den Fokus rücken. Angesichts der Tatsache, dass viele Tentpole-Filme heute schon oft Fan-Fiction ähneln, wäre es nur ein kleiner Schritt.

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(Filmstill aus Mojin: The Lost Legend; Copyrigh: Capelight Pictures)

Die amerikanischen Blockbuster der Zukunft werden zwangsläufig internationaler, diverser und universeller sein. Weil Sprache in all ihren Nuancen eine kulturelle Barriere darstellt, werden wir die Ansätze einer Renaissance von Bewegung und Gesten sehen, eine Art Rückbesinnung auf die Kommunikationsmittel der Stummfilmzeit unter neuen technischen Voraussetzungen; eine graduelle Umkehrung der babylonischen Sprachverwirrung des Tonfilms. Visuelle und schauspielerische Ansätze, die in der Regel nicht mit den Sehgewohnheiten des durchschnittlichen westlichen Zuschauers vereinbar sind, werden präsenter sein als nie zuvor.

Ob diese Entwicklungen als gut oder schlecht zu werten sind, kann nicht so leicht beantwortet werden. Das amerikanische Blockbuster-Kino der letzten Jahre war in der Regel jämmerlich, vereinzelte Heldentaten wie Mad Max: Fury Road waren Ausnahmen, die die Regel bestätigten. Angesichts der Trägheit von unmotivierten Remakes, Reboots und Fortsetzungen sollte man für jeden Impuls von außen dankbar sein. Doch auch das Risiko, die Seele des Lichtspiels in den Abgründen der globalisierten und neutralisierten Konsenskultur zu verlieren, ist nicht von der Hand zu weisen.

Letztendlich wird es sein wie bei jedem Goldrausch: Wer die Verheißung sucht, muss sich durch viel Schlamm wühlen.

(zuerst erschienen auf kino-zeit.de)

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