Rezension: Wenn der Wind singt / Pinball 1973

wenn_der_wind_singt_pinball_1973Vielleicht sind ja alle Dinge ihre Herkunft. Jede Religion hat ihre Genesis, jedes Start-Up seinen Gründungsmythos und jeder Superheld seine Origin Story. Menschen mögen den Blick auf die Herkunft und einfache Kausalitäten. Gott sagt „Es werde Licht“, also ist Licht. Newton fällt ein Apfel auf den Kopf, also Schwerkraft. Peter Parker wird von radioaktiver Spinne gebissen, ergo Spider-Man. Nun werden auch die Ursprünge des international wohl populärsten japanischen Autors der Gegenwart näher beleuchtet, die von Haruki Murakami. Im Dumont-Verlag sind gerade erstmals seine Debütromane in deutscher Übersetzung von Ursula Gräfe erschienen; in einem Sammelband, versehen mit einem kurzen Vorwort.

Murakamis „Origin Story“ ist zunächst einmal bekannt: Nach dem Universitätsabschluss eröffnet er eine Jazz-Bar und lebt, liebt und liest. An einem sonnigen Tag hat er bei einem Baseball-Spiel eine Epiphanie und beschließt, einen Roman zu schreiben – der Baseball muss ihm nicht einmal auf den Kopf fallen. Weiterlesen

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Dem Adel verpflichtet: Was macht eigentlich Florian Graf Henckel von Donnersmarck?

Florian Henckel von DonnersmarckErinnert sich noch jemand an Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg? Der dynamische, junge CSU-Abgeordnete und Bundesminister mit dem ellenlangem Namen und Adelstiteln en masse galt vielen einst als neuer Hoffnungsträger der deutschen Politik. Die Deutschen liebten ihn, die meisten zumindest. Doch schon bald stellte sich heraus, dass sein Charme sein Talent bei weitem überstieg und sowohl seine Politik als auch er wurden der Scharlatanerie überführt. Folge: Rückzug aus der Öffentlichkeit, Flucht nach Amerika, vorsichtiges Abtasten der Möglichkeiten für ein Comeback. Und ein Buch: Vorerst gescheitert, ein gebundener Rechtfertigungsversuch.

Ende 2010, nur drei Monate, bevor zu Guttenberg alle politischen Ämter niederlegte, hatte man noch folgendes über ihn zu sagen: „Ich könnte mir vorstellen, dass KT mit den gleichen Prinzipien von Ehre und Anstand erzogen wurde, die auch mir eingeimpft wurden.“[1] Diese Worte stammen von seinem Cousin, zu diesem Zeitpunkt ebenfalls kein ganz unbedeutender Mann: Florian Graf Henckel von Donnersmarck.

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Zum Tod von Terry Pratchett

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Ich hatte immer Angst vor diesem Tag. Angst davor, in der Pflicht zu sein, über den Tod eines Menschen zu schreiben, dem ich nie begegnet bin. Zumindest rein körperlich, denn seine Worte, – kunstvoll angeordnet, so viel mehr zu sein, als nur das – haben mich mein ganzes Leben lang begleitet. Ein Mensch, der schreibt, ist immer mehr als nur ein Körper. Er ist auch die Ideen, Wünsche und Träume, die er in den Köpfen anderer aufsteigen lässt. Weiterlesen

Slaugherhouse-Five: Zeitreise zum Unzeigbaren

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Wenn im altehrwürdigen Literarischen Quartett einem Roman attestiert wurde, er sei schon mit dem Blick auf eine mögliche Verfilmung geschrieben, dann war das meistens kein Kompliment. Kurt Vonneguts Slaughterhouse-Five kann man jedoch filmische Qualitäten attestieren, ohne das in irgendeiner Weise negativ zu meinen. Durch die Macht des Schnitts durchschreiten Filmemacher in ihrem Werk mühelos Raum und Zeit. Orte, die tausende Kilometer voneinander entfernt liegen, sind plötzlich durch eine Tür verbunden. Oder einen Blick. Während einer Überblendung, die für den Zuschauer Sekunden dauert, können im Film Jahrhunderte vergehen. Weiterlesen