Rezension: Predestination

Predestination-US-PosterZeitreisefilme sprechen oft eine sehr spezielle Zielgruppe an. Die Art Menschen, die sich auch für Flussdiagramme und Tabellenkalkulationen begeistern kann, gerne Internetforen vollschreibt und vermeintliche Anschlussfehler sammelt. Doch Fans von Logik und Chronologie werden sich an Predestination die Zähne ausbeißen. Der nunmehr dritte Spielfilm der Brüder Michael und Peter Spierig ist lupenreines Genrekino, hebt sich aber von Filmen wie Looper oder Primer auf wohltuende Weise ab. Denn statt lediglich die Grundidee der Vorlage (die Kurzgeschichte „—All You Zombies—“ von Robert A. Heinlein) durchzuexerzieren und sich an den Handlungsmechanismen zu erfreuen, stellt das Brüderpaar greifbare Figuren in den Mittelpunkt der Geschichte.

Mit seinen Artgenossen hat der Film dennoch gemeinsam, dass man sich mit Storydetails besser zurückhält: Ein Zeitreise-Agent (Ethan Hawke) wird in die Vergangenheit gesendet, um einen Terroristen zu stoppen. Er kann den geplanten Bombenangriff vereiteln, wird dabei aber schwer verletzt. Der so genannte „Fizzle Bomber“ kann entkommen. Weiterlesen

Advertisements

Kurzrezension: Only Lovers Left Alive

only_lovers_left_alive_ver3_xlgSchallplatten drehen sich, die Welt dreht sich und Menschen drehen sich ihr Leben lang um sich selbst. So zeigt es uns Jim Jarmusch in den ersten Einstellungen seines neusten Films, Only Lovers Left Alive. Darüber hinaus zeigt er auch, was sich daran ändert, wenn das Leben ewig währt. Adam und Eve sind ein Ehepaar und, vielleicht noch bedeutsamer, unsterbliche Vampire. Die Unendlichkeit ihres Daseins füllen sie mit Kunst – Adam (Tom Hiddleston) spielt düstere Postrocksongs, besitzt eine Leidenschaft für alte Gitarren und lebt zurückgezogen in einer Mischung aus Tonstudio und Wohnung im kalten, verlassenen Detroit.  Eve (Tilda Swinton)  verbringt ihre Zeit in den Straßen der marokkanischen Hafenstadt Tanger, liest große Werke der Weltliteratur und trifft sich mit ihrem Freund Marlowe (John Hurt), der unter anderem Ghostwriter Shakespeares war.

Die Beiden leben jeweils in ihrem eigenen Mikrokosmos aus Zeitgeschichte, Weiterlesen

Kurzrezension: Is the Man Who is Tall Happy?

1817287Is the man who is tall happy?“ fragt der französische Regisseur Michel Gondry den amerikanischen Linguistik-Professor und linken Intellektuellen Noam Chomsky. Diese Frage liefert gleichzeitig den Titel des interessanten Dokumentar-Animationsfilm, der im wesentlich eine Reihe von Gespräche der beiden Persönlichkeiten darstellt.  Gondry bebildert das Gesprochene und irritiert mit seiner gleichzeitigen Selbstunter- und Überschätzung. Alles ist bemüht imperfekt, von den Zeichnungen (die trotzdem wirklich meist recht gelungen sind) bis hin zu dem Interview selbst. Fast willkürlich wird von Fachbereich zu Fachbereich gesprungen, lückenlos gehen Gespräche über Linguistik in einen Austausch zum Thema Didaktik über, nur um schließlich bei Chomskys Biographie zu landen. Chomsky war und ist einer der wichtigsten Wissenschaftler und Aktivisten unser Zeit und ein sehr kluger Mensch, an intellektueller Stimulanz fehlt es hier eindeutig nicht. Weiterlesen

Kurzrezensionen: All is Lost; The Wolf of Wall Street

All-Is-Lost-poster-hi-res.jpgAll is Lost (2013)

„Show, don´t tell.“, wird Filmemachern eins ums andere mal zugetragen. Das Kino lebt von der Kraft seiner Bilder wie kaum ein anderes Medium. Deutlicher als Regisseur und Drehbuchautor J.C. Chandor kann man sich diese Idee nicht zu Herzen nehmen. Erzählte sich sein Spielfilmdebüt, das Bankdrama Margin Call, noch in ausgedehnten Dialogen, vorgetragen von einer umfangreichen Riege an Darstellern, geht der U.S.-Amerikaner nun einen vollkommen anderen Weg. Denn All is Lost, so der Titel, geht so reduktionistisch vor, wie nur möglich. Ein Drehbuch von gerade einmal 32 Seiten länge (bei einer Laufzeit von über 100 Minuten), es werden nur wenige Worte gesprochen, und dass nur von einem einzigen Darsteller: Robert Redford. Die Frage, die sich stellt: Ist All is Lost mehr als ein Experiment in Sachen Minimalismus, gibt es bei Chandors Film mehr zu besprechen, als die reine Sprachlosigkeit? Weiterlesen

Kurzrezensionen: Escape from Tomorrow; Zero Charisma

escape_from_tomorrow_poster-Escape from Tomorrow (2013): Niemand stirbt in Disneyland. Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit, allein statistisch ist dies bei jährlichen Besucherzahlen von über 12,8 Million  sehr unwahrscheinlich. In der Realität enden natürlich auch im berühmten Freizeitpark die Leben von Menschen, ihre Körper werden aber vom Personal durch die Tunnelsysteme aus dem Gelände verfrachtet und erst dort von den Ärzten für Tod erklärt. Zum Markenkern der Firm von Micky Mouse und Donald Duck gehört eine Aura des magischen, das Bild des Konzerns ist betont familienfreundlich. Von „Disneyfizierung“ wird immer wieder gesprochen, wenn euphemistische Harmlosigkeit die Realität verzerrt. Der Wunsch, den kommerziell verwerteten Mythos zu entzaubern ist groß: Zahllose Bücher, Dokumentationen und Artikel beschäftigen sich mit der „dunklen Seite“ von Disney. So auch Randy Moores Film Escape from Tomorrow, der ohne Drehgenehmigung im Disneyland Resort Anaheim entstanden ist. Schon im Titel schwebt Kritik am eskapistischen Grundgedanken des Parks mit. Weiterlesen

Kurzrezensionen: Prince Avalanche, Riddick

Prince_Avalanche_Official_PosterPrince Avalanche (2013): Ein ums andere Mal hat Hollywood in diesem Jahr die Welt untergehen lassen. Die Zivilisation endet und die wenigen Überlebenden des jeweiligen Desasters streifen durch die kargen Überreste der Städte und Dörfer. Alvin und Lance, zwei Straßenarbeiter, leben nicht in einer postapokalyptischen Welt – einen wirklichen Unterschied macht das aber nicht. Die beiden könnten genauso gut die letzten Menschen auf dem Planeten sein, so vereinsamt und isoliert wirken die von Waldbränden verheerten Straßen, an denen sie arbeiten. Alvin (Paul Rudd) vertreibt sich die Zeit mit Kassetten mit deutschem Sprachunterricht, Lance (Emile Hirsch) will lieber Rockmusik hören und denkt an das Wochenende, feiern und Frauen. Die Beiden sind unverkennbar ein ungleiches Paar. Weiterlesen

Kurzrezensionen: Now You See Me; Beginners

now-you-see-me-movie-poster-22Now You See Me (2013): „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“, wird Science-Fiction Autor Arthur C. Clarke oft zitiert. Für Now You see me (deutscher Titel: Die Unfassbaren) stellt das ein erhebliches Problem dar, will es uns doch von seiner Magie überzeugen, die wir schon auf den ersten Blick als technischer Trickserei erkennen. Der neue Film des Action-Regisseurs Louis Letterier (bekannt für das 3D-Disaster Kampf der Titanen und die 2008er Version unglaublichen Hulks) verschlägt uns in das Metier der Illusionisten und Bühnenzauberer. Vier Zauberkünstler werden von einem Unbekannten zusammengeführt – wenig später tauchen sie als Magier-Trupp mit dem Namen „Die vier Reiter“ auf der internationalen Bildfläche auf. Weiterlesen