Hidden Figures

Das Unvermeidbare kann sehr beruhigend sein. Es kennt keinen Zwang und lädt zur behaglichen Passivität ein. Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen von Theodore Melfi lässt die Geschichte auf Schienen fahren, deren Weichen längst gestellt sind. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Margot Lee Shetterly erzählt die Filmbiografie davon, wie das Überqueren der letzten Grenze Weltraum automatisch auch Barrikaden auf der Erde einreißt. Davon, wie technischer Fortschritt, einer Lawine gleich alles mitreißend, immer auch gesellschaftlichen mit sich bringt.

(© Fox Deutschland) Weiterlesen

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Magie ist Kontrast, die Abweichung von der Norm, die Möglichwerdung des Unmöglichen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn alles Magie ist, ist nichts Magie. David Yates‘ Harry-Potter-Spin-off Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist ein buntes Effektfeuerwerk, das den dunklen Leinwandhimmel ganz und gar überstrahlt, bis eine gleichmäßige Fläche ohne Abweichung entsteht. Magielose Magie. Yates erklärt die Tricks des Kinos zu mächtigen Sprüchen, schwingt seinen Zauberstab aber unbeherrscht, als wäre er ein Spielzeug. Ein Wingardium Leviosa, und plötzlich hat nichts mehr Gewicht.

Weiterlesen

To Steal from a Thief

Die Bewegungsdramaturgie des Banküberfalls ist simpel: Rein, raus, dann immer in Richtung Horizont. To Steal from a Thief erzählt von dem Chaos, das entstehen kann, wenn diese einfache Choreographie unterbrochen wird. Von den Kräften, die sich anstauen und in alle Richtungen entladen. Regisseur Daniel Calparsoro hat einen Film über das Scheitern gedreht: Sowohl über das individuelle, menschliche Versagen, als auch über das strukturelle, wirtschaftliche und politische.

Filmstill aus To Steal From a Thief; Copyright: Koch Films

Filmstill aus To Steal From a Thief; Copyright: Koch Films

Weiterlesen

Cell

Schon lange bevor der erste Zombie auftaucht, hat Cell seine Schreckensvision vollständig ausformuliert: Mit einer Kakophonie sich überlagernder Stimmfetzen und Bildern von Menschen, die mit ihren Mobiltelefonen verwachsen scheinen, beschwört Regisseur Tod Williams den Schrecken der globalen Vernetzung herauf. Basierend auf dem Roman Puls von Stephen King erzählt der Hybrid aus Science-Fiction und Horror die Geschichte eines mysteriösen Funksignals, das Menschen in blutrünstige Mörder verwandelt.

Filmstill aus Cell; Copyright: Concorde Filmverleih GmbH

Filmstill aus Cell; Copyright: Concorde Filmverleih GmbH

Weiterlesen

Gayby Baby

Was Kinder von ihren Eltern erben, geht weit über die reine Genetik hinaus. Der australische Dokumentarfilm Gayby Baby von Maya Newell begleitet ein halbes Jahr lang vier Kinder, die mit gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen. Dabei wird vor allem deutlich, wie die Gesellschaft um sie herum auch ihnen den Außenseiterstatus und die Lasten ihrer Eltern aufbürdet. Ihr Leben ist gleichzeitig Politikum und gewöhnliche Kindheit, vereint strahlende Symbolkraft und banalen Alltag. Dieses Spannungsfeld bildet auch Newell mit ihrem Film ab, der etwas unsicher zwischen der „reinen Darstellung“ und der Interpretation des Dokumentierten schwankt.

© Rise and Shine Cinema

© Rise and Shine Cinema

Weiterlesen

The Witch

In Zeiten, in denen unser Bild des Glaubens durch seinen externen Terror bestimmt wird, erzählt Regisseur Robert Eggers von jenem, der sich nach innen richtet. Das Kino erlaubt, durch fremde Augen zu schauen. Im Fall von The Witch fällt der Blick durch die Linse des Puritanismus, der das vermeintlich leere Hinterland Amerikas im 17. Jahrhundert mit düsteren Phantomen füllt. Der Schrecken des Horror-Dramas speist sich aus einer Geisteshaltung, die selbst aus der trivialsten Tätigkeit einen Kampf um das eigene Seelenheil formt und jeden Moment des Zweifelns an den Grundfesten des Universums rütteln lässt. Eine, in der die für den modernen, aufgeklärten Menschen so abstrakten Ideen von Himmel und Hölle, Gott und Teufel, unumstößliche Wirklichkeiten sind.

©Universal Pictures Germany

©Universal Pictures Germany

Weiterlesen

Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn

Mary Shellys Roman Frankenstein mag fast zweihundert Jahre alt sein, der Kraft seiner zentralen Ideen tut das keinen Abbruch. Der Diskurs um künstliche Intelligenz und Fortschritte der Genetik macht die Geschichte des modernen Prometheus so aktuell, wie sie es im viktorianischen Zeitalter war. Eigentlich spricht nichts gegen eine filmische Neuauflage des bekannten Stoffes und dem zeitgenössischen Hollywood-Kino mit seinen Remakes und Reboots ist die Reanimation nicht fremd. Leider ist die unheilige Kreation, die Regisseur Paul McGuigan mit Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn geschaffen hat, von geradezu prometheischer Idiotie.

© Fox Deutschland

© Fox Deutschland

Weiterlesen