Schwimmen lernen: Die Filme von Barry Jenkins

In manchen Kinobildern kann man ertrinken. Man lässt sich treiben vom Geschehen oder watet mit dem Regisseur ins tiefe Wasser hinaus, nur um festzustellen, dass man Nichtschwimmer ist. Dieses Gefühl vermittelt auch eine Szene aus Moonlight, dem zweiten Spielfilm des amerikanischen Regisseurs Barry Jenkins. Der Drogendealer Juan (Mahershala Ali) hat sich des jungen Außenseiters Chiron (in dieser Szene: Alex R. Hibbert) angenommen. Es gilt, zwei Dinge zugleich zu lernen: zum einen Schwimmen, zum anderen Vertrauen.

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Kann das Kino noch provozieren?

Manche Filme scheitern, weil sie gemocht werden. Man stelle sich das nur mal vor: Da übergießt man seine Bilder mit glitschiger Ambivalenz, stößt Abgründe in die tiefsten Höllen der menschlichen Seele auf, hält mit der Kamera ungehemmt auf Gewalt, Sex und Perversion, kratzt an den wenigen verbleibenden Tabus seiner Zeit, und wie reagieren Publikum und Kritik, die doch heute angeblich so sensibel und übermäßig politisch korrekt sein sollen? Sie applaudieren, schreiben glühende Lobeshymnen und zeichnen den Film mit hässlichen goldenen Statuetten aus. Ein Albtraum!


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Filmmusik verstehen durch Bette Davis

Es gibt eine interessante Anekdote über die Dreharbeiten von Edmund Gouldings Melodram Opfer einer großen Liebe von 1939: In der besonders emotionalen letzten Szene des Films kämpft sich Bette Davis‘ durch einen Tumor erblindete Figur Judith mühsam eine lange Treppe hinauf. Cast, Crew und einige Besucher sahen am Set mit an, wie Davis ihre Hände um das Gelände klammerte und Stufe um Stufe hinaufkletterte.


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Zeigen durch Nicht-Zeigen

„Ich denke, dass Sie das Band vernichten sollten“, rät Regisseur Werner Herzog in seinem Dokumentarfilm Grizzly Man Jewel Palovak. „Ich denke, das sollten Sie tun, weil es Ihr Leben lang der weiße Elefant in Ihrem Zimmer sein wird.“ Gemeint ist ein Band mit Tonaufnahmen des gewaltsamen Todes ihres Geschäftspartners, dem leidenschaftlichen Tierschützer Timothy Treadwell. Er wurde von den Bären attackiert, in deren Nähe er jahrelang lebte. Die Verschlussklappe der Kamera klemmte, als wollte selbst das Gerät seine Augen verschließen, daher existiert von diesem Moment nur eine furchterregende Geräuschkulisse. Im Film zu hören ist sie aber nicht. Die letzten aufgezeichneten Bilder hingegen, die Treadwell noch lebendig zeigen, sind enthalten. Wenn der Tod in diesen Einstellungen zu sehen ist, lauernd, dann hat er sich sehr gut versteckt. Es sind Bilder, die halb Denk- und halb Mahnmal sind.


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Sind manipulative Filme etwas Schlechtes?

Jedem Medium werden seine Stärken vorgeworfen, also kritisiert man Filme oft dafür, dass sie „manipulativ“ seien. Aber gibt es überhaupt etwas am Kino, das nicht Zerrbild ist, wenn der Blick durch die Kamera die Wirklichkeit doch automatisch formt und verändert? „Alles am Film ist Manipulation“, wird mit Frederick Wiseman ausgerechnet ein Filmemacher zitiert, der nicht unbedingt als aggressiver Verzerrer und Zuspitzer bekannt ist. Was ist also gemeint, wenn einem Film Manipulation vorgeworfen wird?


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Ein atheistisches Plädoyer für religiöse Filmkunst

Ein Mann, der mit seinen Handflächen die zitternde Flamme einer Kerze schützt, durchquert behutsam ein verlassenes Thermalbad. Diese ikonische Szene aus Andrei Tarkowskis Nostalghia trägt zahllose Bedeutungen in sich; es handelt sich um eine schlichte Geste, welche die Gesamtheit eines menschlichen Lebens enthalten sollte. Der Regisseur sah in seinem Film auch „die Geschichte einer Krankheit“ und erklärte: „Vielleicht könnte man die Nostalghia mit dem Verlust des Glaubens, der Hoffnung vergleichen.“ Sein Glaube war dem Filmemacher etwas Vergängliches, Schützenswertes – eine Kerze im Wind.

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Hummer sind auch nur Menschen – Die schlechtesten Verleihtitel 2016

2016 ist ein Jahr mit miserablem Ruf, es gilt vielen als düsteres Kapitel der Weltgeschichte und Sammlung von Enttäuschungen, Ärgernissen und traurigen Ereignissen. Man sollte meinen, die Menschen hätten genug gelitten, eine Art kosmisches Karma müsse Ausgleich schaffen. Doch zumindest gegen die Schandtaten der deutschen Filmverleiher konnten etwaige Kräfte des Guten auch in diesem Jahr wieder nichts ausrichten.

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