Media Monday #197

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1. Bei Filmen sehe ich ja gerne über manches unlogische Detail hinweg, allerdings nur, solange sie mich insgesamt überzeugen. Jede Diskussion über „Logik“ im Kino ist lediglich Ausdruck der allgemeinen Empfindungen gegenüber dem jeweiligen Film. Denn natürlich ist jeder Film „unlogisch“, jeder einzelne verlangt vom Zuschauer, unserer natürlichen Skepsis hintenanzustellen. Schnitte, Kamerafahrten, Zooms und Schauspiel folgen nicht den Regeln der Realität, sondern denen des Kinos. Kein Film ist in sich vollkommen schlüssig, nicht einer. Wichtig ist: Wenn wir das Endergebnis nicht mögen, suchen wir nach Erklärungen dafür. Und wer sich nicht für Inszenierung interessiert, vielleicht weil er sich bisher wenig mit Filmform beschäftigt hat, der spricht eben über Löcher in der Handlung. (Handlung, Plot – ohnehin überbewertete Konzepte.)

2. Selbstjustiz in Filmen/Serien ist eigentlich immer problematisch. So wie Francois Truffaut gesagt hat, es könne keinen Anti-Kriegsfilm geben, ist es immer auch schwer, sich als Filmemacher klar von dem Akt der Rache zu distanzieren. Wir wollen schließlich, dass der „Held“ am Ende triumphiert, und keine dargestellte Grausamkeit kann an dem kathartischen Effekt der Rache wirklich etwas ändern. Der „Thrill“ ist immer effektiver als jede Moral. Es gibt viele sehr gute Rachefilme, von „Die Braut trug schwarz“, über „Oldboy“ bis hin zu „Blue Ruin“. Sie tragen jedoch immer etwas Vorzivilisatorisches in sich und sprechen etwas Primordiales im Menschen an, das auch im Kino nicht unbedingt bedient werden muss. Jeder Blick in soziale Netzwerke und Internetforen zeigt, dass selbst vermeintlich aufgeklärte Bürger schnell zum Lynchmob werden. Immerhin stellen die oben genannten noch negative Konsequenzen dar, während der moderne Superheldenfilm das Freischärlertum fast zu einer zeitgenössischen Religion erklärt.  

3. Das Durchbrechen der vierten Wand – die direkte Ansprache des Publikums/Lesers – kann sehr wirkungsvoll sein, aber nur, wenn es richtig eingesetzt wird. Wenn es lediglich Selbstzweck ist, kann das sogar störend wirken und reißt aus der Handlung. Aber wenn die vierte Wand (wie im epischen Theater) explizit zum systematischen Brechen der starren Filmstruktur benutzt wird, kann ein einzigartiger Effekt entstehen. (Gute Beispiele: Persona, Die nackte Kanone. Zwei Filme, die öfter im selben Satz genannt werden sollten.)

4. Filme, die an bestimmten Feiertagen spielen sind zu oft ein Produkt wie Schoko-Nikoläuse oder Ostereier. Wenn man sich diese endlose Parade von vermeintlich herzerwärmenden Weihnachtsfilmen anschaut, wird einem fast übel. Saisonale Artikel will ich essen, nicht schauen. 

5. Reale Figuren in fiktive Geschichten einzubeziehen ist absolut legitim – aber nur, wenn es dem jeweiligen Filmemacher gelingt, die Figur(en) Teil seiner Filmwelt zu machen. Sonst entsteht schnell der Eindruck, Glaubwürdigkeit entspringe hier nur dem realen Bezug, nicht der eigentlichen Filmkunst.

6. Die freien Tage habe ich genutzt, um zu lesen. Und zu essen. Große Mengen. Zu große Mengen. Jetzt wiege ich knapp 600 Kilo. 

7. Zuletzt gesehen habe ich The Haunting und das war interessant, aber irgendwie enttäuschend, weil der Film zwar viele ungewöhnliche Ideen hat, faszinierende Kameratricks und Schnittmittel, aber nie wirklich vollends zusammenkommt und ohne wirkliche Konsequenz bleibt. Immerhin: Die klaren Schwarzbilder von Kameramann Davis Boulton allein machen den Film sehenswert. Vielleicht nicht der erwartete Klassiker des psychologischen Horrors, aber in jedem Fall besser als das Remake.

Die ursprünglichen Fragen/ andere Teilnehmer gibt es hier.

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