Media Monday #206

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1. Joaquin Phoenix hätte ja spätestens für ihre/seine Darstellung als Freddie Quell aus „The Master“ einen Haufen Preise verdient, denn er ist seit langem einer der vielseitigsten, aufregendsten Darsteller der Kinolandschaft. Mit „The Master“ hätte auch der thematische Rahmen gestimmt, für das klassische Award-Publikum. (Keine Preise verdient hat übrigens Leonardo DiCaprio.)

2. Bei Filmen in historischem Kontext, darf es lieber frei interpretiert sein oder möglichst akkurat und reell? Film ist ein Medium der Wahrheiten, keines der Fakten. Von dem Moment ihrer Entstehung an obliegt die Filmwelt eigenen Regeln, weitestgehend gelöst von denen der Realität. Eigentlich sollte man höchstens von Schul- und Lehrbüchern größtmögliche Akkuratesse verlangen. Das Problem ist, dass natürlich gerade Hollywoodfilme das Geschichtsbild vieler Menschen im erheblichen Maße mitbestimmen. Revisionistische Propaganda ist gefährlich und kann im Nachhinein durch tatsächliche Historiker nur selten entkräftet werden. Große Bilder bleiben. Hinzu kommt auch immer die Frage nach der Verantwortung der Kunst, der Frage nach der Moral von Künstlern… Eine unzureichende Antwort lautet: Lieber frei interpretiert, aber mit Vorbehalt. Eine hinreichende Antwort würde hier den Rahmen sprengen. (Vielleicht schreibe ich bei Gelegenheit mehr.)

3. Mich frustriert an Fantasy-Settings, dass in ihnen, trotz grenzenloser Gestaltungsmöglichkeiten, nahezu immer die gleichen Geschichten erzählt werden. Ritter, Königshäuser, Elfen, Zwerge, Drachen. Und so weiter – langweilig. Fantasy sollte sich nicht einfach von unserer Welt lösen, sondern im Idealfall eine zugespitzte, abstrahierte Version von ihr sein. Warum fehlt ausgerechnet diesem Genre so oft die Fantasie?

4. Der spannendste Kriminalfall – ob im Film oder in Serie – ist einer, der nie aufgelöst wird. Der Mythos wird immer faszinierender und aufregender sein, als jede Polizei-Prozedur und jede noch so überraschende Enthüllung. Gute Beispiele: Bong Joon-hos „Memories of Murder“ oder David Finchers „Zodiac“.

5. Vince Vaughn spielt ja sonst eher unerträgliche Rollen, aber als Frank Semyon in True Detective setzt er sein sicher vorhandenes Talent auf jeden Fall besser ein, als in „Prakti.com“ oder „The Watch“.

6. Unvergessen, wie Buster Keaton in Der General“ wirklich einen Zug-Crash verursacht hat, denn dagegen sieht ein Großteil unser heutigen Spezialeffekte blass und bedeutungslos aus.

7. Schon witzig, wie in Filmen, die erst ein paar Jahre alt sind oft stärker aus der Zeit gefallen scheinen als solche, die Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Über Myspace zu reden wirkt archaischer als Scheibentelefone.

(Die ursprünglichen Fragen/andere Teilnehmer gibt es hier.)

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