Rezension: Enemy

enemy-posterDie Figur des Doppelgängers hat  eine reiche Tradition in Film- und Kulturgeschichte. Das menschliche Ringen mit sich selbst auf eine anthropomorphische, sogar physikalische Dimension zu übertragen, kann ein wertvolles Werkzeug sein, um Neues und Verborgenes über die Conditio humana aufzuzeigen.  Freud sprach vom „verdrängten Teil im Ich“. Dr. Jekyll und Mr. Hyde sind noch heute ein populäres Bild für die Dualität des Menschen, für seine Abgründe. Autoren wie Kafka oder Dostojewski konnten so ihre Selbstentfremdung ausdrücken. Regisseure wie Tarkowski (Solaris) oder Hitchcock (Vertigo) stiegen durch diese Figur so tief in die menschliche Psyche ein, wie es sonst nur wenige in der Filmgeschichte vermochten. Nun versucht sich auch Denis Villeneuve (Prisoners, Incendies) an der Thematik – und scheitert kläglich. Was er mit seinem neusten Film, Enemy, darbietet, ist ein erbärmlicher Witz.

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Rezension: Godzilla

Godzilla-Teaser-Poster-2Für Joe Brody (Brya Cranston) ist die Vergangenheit Sperrgebiet. Vor 15 Jahren hat er bei einem Unglück in einem Atomkraftwerk seine Frau verloren. Verkraftet hat er das nie wirklich. Fest überzeugt davon, dass der Ursprung der Katastrophe nicht, wie es von der Regierung dargestellt wird, in einem Erdbeben zu finden ist, dringt er immer wieder für Nachforschungen in das streng bewachte Unglücksgebiet ein. Sein Sohn Ford (Aaron Tayloer-Johnson), Soldat der US-Armee und Waffenexperte, kehrt gerade von einem längeren Einsatz zu seiner Familie zurück, als er einen Anruf erhält. Sein Vater ist (mal wieder) von der Polizei aufgegriffen worden. Zähneknirschend reist Ford nach Japan. Doch schon bald stellt sich heraus, dass Joe alles andere als ein Wirrkopf ist, der die Vergangenheit nicht ruhen lassen kann. Im Kern der Zone haben Sicherheitskräfte und Forscher eine Art riesenhaften Kokon entdeckt. Eine Kreatur schlüpft, wenig später wird sich eine weiter finden. Die Wissenschaftler bezeichnen sie als M.U.T.O. (Massive Unidentified Terrestrial Organism).  Diese ziehen durch die Welt  auf der Suche nach ihrer Nahrung, atomarer Energie, und legen dabei diverse Großstädte in Schutt und Asche. Bis plötzlich ein weiteres Monster auftaucht und zur großen Hoffnung der Menschheit wird: Godzilla. Weiterlesen

Erster Eindruck: Silicon Valley

Silicon-Valley-poster-HBOWas mit Kid Rock beginnt, kann kein gutes Ende nehmen. Und wenn der Abspann der Pilotfolge von HBOs neuer Serie „Silicon Valley“ über den Bildschirm flackert (begleitet von einem Green Day-Song), dann bleibt man vor allem ratlos zurück. Dabei hatte das Konzept auf dem Papier durchaus Potenzial: Die Geschichte der Start-Ups und Großkonzerne im Technik-Mekka nahe San Francisco wäre es sicher wert, sie zu erzählen. Diskussionen um NSA, Big Data und die Macht von Google, Apple und Co beherrscht die Feuilletons. Den Wahnsinn der Firmenmantras, die Technologiegläubigkeit und Allmachtsfantasien der Branche zu entlarven, würde nicht einmal wirklicher Anstrengung bedürfen. Weiterlesen

Oscartipps 2014

Oscars_2014

Am kommenden Sonntag werden bereits zum 86. Mal die Academy Awards of Merit vergeben. Seit der Preis 1929 ins Leben gerufen wurde ist der er durch eine ganze Reihe von Inkarnationsformen gegangen. Heute wie damals wird erhitzt über Aussagekraft und Nutzen der Auszeichnung gestritten, die sich Hollywood jedes Jahr aufs neue selber verleiht. Unabhängig davon, ob man in den goldenen Statuen ein reines Marketingwerkzeug sieht, einen Indikator für den besten Film eines Jahres oder vor allem ein nützliches Instrument zum erfassen des Zeitgeistes, sicher ist: Es handelt sich immer noch um den populärsten und präsentesten Filmpreis der Welt. 2013 war ein starkes Jahr für Hollywood, das Teilnehmerfeld strotzt nur so vor originellen und unterhaltsamen Filmen.  Im Folgend gibt es eine kurze Einschätzung bezüglich der erwarteten Sieger (fettgedruckt) – nicht immer sind diese auch die gewünschten. Weiterlesen

Rezension: RoboCop (2014)

robocop-poster-2691231Paul Verhoeven ist kein subtiler Filmemacher: Wenn er uns zeigen will, dass es dem amerikanische Actionkino an Intellekt fehlt und dafür blinder Militarismus vorherrscht, lässt er in Starship Troopers johlende Soldaten ein gewaltiges Gehirn einsperren. Und so ist auch RoboCop, seine Satire auf  Reagens Amerika, die Entmenschlichung durch Technologie und die Gier des Kapitalismus kein Werk der Nuancen und leisen Töne. Seine Welt ist bevölkert von egoistischen, karrieristischen Anzugträgern, welche die blutige Hinrichtung eines Kollegen durch einen falsch programmierten Kampfroboter mit Sätzen wie, I’m sure it’s only a glitch. A temporary setback.“, kommentieren. Aber gerade dieser beißende, gnadenlose Spott, diese amplifzierte Pointierung der Verachtung für alles, dem Verhoeven kritisch gegenüber stand,  gab dem Filme einen speziellen Charme.

Umso erstaunlicher ist es, das es Regisseur José Padilha mehr als 25 Jahre später gelingt, einen Film zu schaffen, der zwar noch weniger subtil ist, aber gleichzeitig einen großen Teil vom Charme des Originales eingebüßt. Dabei ist die Handlung im Kern fast die gleiche: Weiterlesen