Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn

Mary Shellys Roman Frankenstein mag fast zweihundert Jahre alt sein, der Kraft seiner zentralen Ideen tut das keinen Abbruch. Der Diskurs um künstliche Intelligenz und Fortschritte der Genetik macht die Geschichte des modernen Prometheus so aktuell, wie sie es im viktorianischen Zeitalter war. Eigentlich spricht nichts gegen eine filmische Neuauflage des bekannten Stoffes und dem zeitgenössischen Hollywood-Kino mit seinen Remakes und Reboots ist die Reanimation nicht fremd. Leider ist die unheilige Kreation, die Regisseur Paul McGuigan mit Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn geschaffen hat, von geradezu prometheischer Idiotie.

© Fox Deutschland

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Rezension: Trash

Trash-posterEigentlich ist es ein starkes Bild: Brasilianische Kinder, die gewaltige Müllberge durchforsten, auf der Suche nach Verwertbarem. Was der eine achtlos fortwirft, ist dem anderen kostbarer Schatz und Lebensgrundlage. Greifbarer wird das Gefälle zwischen der ersten Welt und den Schwellenländern selten. Doch Trash, der neue Film von Stephen Daldry (Billy Elliot, Der Vorleser) handelt nur vordergründig von der Kluft zwischen Norden und Süden, zwischen Arm und Reich. Auf Basis des gleichnamigen Romans von Andy Mulligan wird vielmehr eine rasante, etwas naive Abenteuergeschichte erzählt. Die Favelas von Rio de Janeiro dienen dabei lediglich als Kulisse. Wie austauschbar sie als Schauplatz tatsächlich sind, erkennt man schon allein daran, dass die Vorlage eigentlich in Manila spielt.

Alles beginnt, als die drei Straßenkinder Raphael (Rickson Tevez), Gardo (Eduardo Luis) und Rato (Gabriel Weinstein) auf der Müllkippe, die sie auch ihre Heimat nennen, eine kleine Ledertasche entdecken. Sie freuen sich über das enthaltene Geld und wundern sich über allerlei merkwürdige Zettel und Dokumente. Als kurze Zeit später die Polizei ihre Halde auf den Kopf stellt, wird klar: Sie sind durch Zufall in etwas Großes hineingeraten. Mit der Hilfe des bärbeißigen Priesters Juilliard (Martin Sheen) und der engagierten NGO-Mitarbeiterin Olivia (Rooney Mara) widersetzen sie sich den sinisteren Kräften, die mit aller Macht ein erschütterndes Geheimnis vor der Öffentlichkeit verbergen wollen. Weiterlesen

Rezension: Mad Max – Fury Road

Copyright: Warner Bros. GmbHEine Richtung: Vorwärts. Kein Ballast. George Millers Mad Max: Fury Road ist Actionkino mit durchgedrücktem Gaspedal. Und so viel mehr: Wahnsinn mit Stoßrichtung, eine rasend kinetische Offensive auf die phantasielos siechende Leprakolonie Blockbuster-Kino. Irgendwo zwischen Alejandro Jodorowsky, Terry Gilliam, Buster Keaton, Werner Herzog und David Lean gelingt ein Befreiungsschlag. Nicht lediglich frischer Wind, sondern ein gewaltiger, bizarrer Bildersturm.

30 Jahre sind vergangen, seitdem der innerlich gebrochene Endzeit-Cowboy Max Rockatansky (früher: Mel Gibson; heute: Tom Hardy) das letzte Mal auf der großen Leinwand zu sehen war. In einem früheren Leben war er Polizist, heute ist er hauptberuflich Überlebender. In der Welt nach der nuklearen Apokalypse ist die Zivilisation lediglich eine verblassende Erinnerung; eine Legende, die man sich erzählt. Die Gegenwart gleicht einer endlosen Wüste. Lange schon führen die letzten Menschen Kriege um Öl, seit einer Weile auch um Wasser. Weiterlesen

Rezension: The Gunman

Copyright: StudioCanal DeutschlandManchmal gibt es tatsächlich so etwas wie Wahrheit in Werbung: Pierre Morels Actionthriller The Gunman enthält sogar gleich mehrere Gewehre, eine Vielzahl von Männern, sowie beides in Kombination. Einer dieser Männer mit Gewehren ist Jim Terrier (Sean Penn), Mitarbeiter einer international agierenden Sicherheitsfirma. Von seinen Auftraggebern wird er in der Demokratischen Republik Kongo stationiert, um den Bergbauminister des Landes zu töten. Zur Tarnung geben er und seine Waffenbrüder vor, als Sicherheitspersonal eine Baustelle zu bewachen. Während er auf grünes Licht wartet, verliebt er sich in die junge Ärztin Annie (Jasmine Trinca), ganz zum Missfallen ihres ebenfalls nicht abgeneigten Kollegen Felix (Javier Bardem). Kurz vor dem Attentat erfährt Terrier, dass der Schütze für längere Zeit den Kontinent verlassen muss, und natürlich fällt das Los auf ihn. Nach dem Anschlag versinkt die Nation in Chaos und Gewalt.

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Rezension: American Sniper

AmericanSniperPosterFür die Amerikaner war das Kino schon immer der Ort, an dem nationale Traumata wirklich verhandelt wurden. Geschichtsbücher liefern lediglich Fakten, dass Kino hingegen die Wahrheiten, die der texanische Heartland-Bewohner tief in seinem Herzen trägt. Im besten Fall reißt Hollywood Wunden, die niemals wirklich verheilen – der Vietnamkrieg schmerzt auch heute noch. Mit seinem Kriegsdrama American Sniper wird Americana-Regisseur Clint Eastwood zum Felddoktor an der Heimatfront, der eine geschundene Nation auf die nächste Schlacht vorbereitet: die im eigenen Land.

Es ist die Geschichte eines Massenmörders, der zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, zum Helden wird. Christopher Scott Kyle erzielte in seiner zehn Jahre andauernden Karriere als Scharfschütze für die Navy SEALs über 160 bestätigte Abschüsse. In seiner Autobiografie Sniper: 160 tödliche Treffer – Der beste Scharfschütze des US-Militärs, auf der Jason Halls Drehbuch basiert, erzählt er von seinen vier Einsätzen im Irakkrieg. Vom Alltag im Kampfgebiet, von Hinterhalten und Häuserkampf. Aber auch von der merkwürdigen Stille des Lebens, nachdem man in die Heimat zurückgekehrt ist, von seinem persönlichen Kampf gegen die posttraumatische Belastungsstörung. Weiterlesen