Rezension: Baymax – Riesiges Robowabohu

BaymaxBaymax – Riesiges Robowabohu zeigt ein positives Bild der Zukunft, ist aber Teil einer Dystopie für das Kino: Nun, da auch der Kinderfilm assimiliert wurde, werden wohl bald alle Formen der irdischen Unterhaltung auf die gleiche Art und Weise von Superhelden erzählen. Denn der neuste Animationsfilm der Kindertraumfabrik Disney bringt wieder einmal auf die Leinwand, was zuvor noch in Bildkästchen und Sprechblasen zu erleben war. Nachdem der Konzern im Jahr 2009 sein Imperium um den Comicriesen Marvel erweitert hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Bildsprache von Iron Man, Thor und Konsorten auch die Familienunterhaltung erreicht. Das Ergebnis ist ein seltsamer Hybrid, der ein wenig an Roboter-Protagonist Baymax erinnert: Ein weicher, drolliger Kern wird in einen militärische Hülle gezwängt, ein eisernes Korsett. Es will nicht so recht passen. Weiterlesen

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Rezension: Manolo und das Buch des Lebens

Copyright: Produzent / VerleihEine Gesellschaft kann gut danach beurteilt werden, wie sie mit dem Tod umgeht. In Mexiko ist der Tod eine Frau  – und eine Heilige: Santa Muerte. Wo in großen Teilen der westlichen Welt das Sterben gänzlich aus dem öffentlichen Leben verbannt und durch medizinische Maßnahmen beherrschbar gemacht wird, zelebriert man die Toten dort durch eine gänzlich andere Erinnerungskultur. Einmal im Jahr, am Día de los Muertos, wird sogar ihre Rückkehr auf die Erde gefeiert. Die Grenze zwischen Dies- und Jenseits ist für viele Mexikaner dünn.

Manolo und das Buch des Lebens ist zwar ein amerikanischer Animationsfilm, bedient sich aber an solchen alten, mexikanischen Legenden. Den Rahmen für die Handlung, vor allem aber den Zugang für die junge Zielgruppe, stellt eine Gruppe Kinder auf ihrem Schulausflug dar. Eine freundliche Museumsführerin erzählt ihrem zunächst skeptischen, später zunehmend begeisterten Publikum die Geschichte von zwei Geistern. Die gütige La Muerte, die über das Reich der Erinnerten herrscht und den finstere Xibalbá, Fürst über das Reichs der Vergessenen. Weiterlesen

Rezension: Die Boxtrolls

Die-BoxTrolls-DE-PosterTrolleletarier aller Länder, vereinigt euch! Ihr habt nichts zu verlieren außer euren Boxen.“ Der Klassenkampf ist zurück im Kino. Zuletzt bei Snowpiercer noch ungewohnt in die Horizontale verlegt geht es bei Graham Annable und Anthony Stacchis Die Boxtrolls wieder um klassische Hierarchien. Oben leben die Bewohner der viktorianischen Stadt Cheesebridge. Unten die Boxtrolls, eigentlich harmlose Tüftler und Bastler, die sich in den Geschichten der Dorfbewohner in blutrünstige und (was viel schlimmer ist) Käse stehlende Monster verwandeln. Das liegt vor allem an dem finsteren Archibald Snatcher, der unter den Menschen die Legende vom „Trubshaw Baby“ verbreitet: Die Kreaturen sollen vor Jahren ein Kind entführt und verschlungen haben. Weiterlesen

Kurzrezension: Is the Man Who is Tall Happy?

1817287Is the man who is tall happy?“ fragt der französische Regisseur Michel Gondry den amerikanischen Linguistik-Professor und linken Intellektuellen Noam Chomsky. Diese Frage liefert gleichzeitig den Titel des interessanten Dokumentar-Animationsfilm, der im wesentlich eine Reihe von Gespräche der beiden Persönlichkeiten darstellt.  Gondry bebildert das Gesprochene und irritiert mit seiner gleichzeitigen Selbstunter- und Überschätzung. Alles ist bemüht imperfekt, von den Zeichnungen (die trotzdem wirklich meist recht gelungen sind) bis hin zu dem Interview selbst. Fast willkürlich wird von Fachbereich zu Fachbereich gesprungen, lückenlos gehen Gespräche über Linguistik in einen Austausch zum Thema Didaktik über, nur um schließlich bei Chomskys Biographie zu landen. Chomsky war und ist einer der wichtigsten Wissenschaftler und Aktivisten unser Zeit und ein sehr kluger Mensch, an intellektueller Stimulanz fehlt es hier eindeutig nicht. Weiterlesen