Bauernopfer – Spiel der Könige

Schach ist nicht nur ein Spiel, sondern auch eine Metapher. Jede Partie erzählt die Geschichte einer Schlacht, in der Soldaten Türme einnehmen, Pferde sich über ihre Feinde hinwegsetzen und schlussendlich ein König gefangen genommen wird. Die abstrakten Figuren mit Bedeutung zu füllen drängt sich geradezu auf, und so versucht sich Edward Zwicks Filmbiographie Bauernopfer – Spiel der Könige daran, die Wirrungen globaler und persönlicher Konflikte in 64 überschaubaren Feldern unterzubringen. Doch während die Großmeister in der Geschichte um die Schachweltmeisterschaft von 1972 mit jedem neuen Spielzug überraschen, reiht der Film so offensichtliche Standardmanöver aneinander, dass der Zuschauer stets schon drei Züge weiter ist.

© StudioCanal Deutschland

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Rezension: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

TuringDie Geschichte von Alan Turing ist erschütternd, ihre Kinoumsetzung erschütternd einfallslos. Selten hatte ein Film seinem Stoff so viel zu verdanken und selbst so wenig Eigenes beizutragen. The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben will (basierend auf der Biographie Alan Turing – Enigma von Andrew Hodges) erzählen, wie der britische Mathematiker und Mitbegründer der modernen Computertechnologie den Enigma-Code der Nazis knackte. Seine Verfolgung als Homosexueller verkommt dabei zur Randnotiz.

Denn so funktioniert Hollywoods Prestige-Kino nun einmal: Lebensbejahende, inspirierende Geschichten über bedeutsame Menschen, die trotz aller Widerstände triumphieren. Vage liberal, aber auf keinen Fall zu politisch. Und so inszeniert Morten Tyldum (zuletzt: Headhunters) eine Kryptographie-Version von The Kings Speech: Auf keinen Fall handwerklich schlecht, narrativ zufriedenstellend, gut gespielt – aber leider ohne einen Hauch von Originalität. Weiterlesen

Rezension: jOBS

jobs-poster-ashton-kutcherÜber David Leans „Lawrence von Arabien“ hat der Filmhistoriker Ulrich Gregor einmal geschrieben, es handele sich bei dem Film um die „romantische Glorifizierung eines Übermenschen“. Und sicher, der mehrstündige Abenteuerfilm, voll mit glorreichen Gefechten und anderweitigen, nicht minder heroischen Taten, zeichnet kein historisch akkurates Bild des britischen Offiziers Thomas Edward Lawrence. Wen auch immer Peter O´Toole auf der Leinwand verkörperte – dieser Mensch war faszinierend und aufregend, aber auch voller Selbstzweifel und im Endeffekt zum Umdenken gezwungen, selbstreflektiert. Die Schrecken des Krieges trieben ihn weit fort von jeder Heldenverehrung. Dennoch gibt es Statuen von ihm, sein Angesicht in Stein gemeißelt und für nachfolgende Generationen bewahren. Menschen sind stets auf der Suche nach Helden.

Für viele ist Apple-Mitbegründer Steve Jobs ein solcher, Weiterlesen