Berufswunsch: Unsichtbar? – Drehbuchautoren als Stars

Ein berühmter Drehbuchautor ist ein wandelndes Paradoxon. Hollywood verkauft eine bunte Fassade, eine moderne Version des Schachtürkens, deren menschliches Innenleben weitestgehend verneint wird, zugunsten magischer Mechanik und mechanischer Magie. Fahrgäste in einer Achterbahn denken nicht an den Ingenieur, sondern fiebern nur der nächsten Kurve entgegen. In der Regel soll die Wirkung einer Geschichte spürbar sein, nicht ihre Beschaffenheit. Drehbücher sind dann wie Mikrofongalgen oder Schnitte, deren Sichtbarkeit oft als Fehler gewertet wird. Unsichtbarkeit und Prominenz sind indes schwer miteinander zu vereinbaren, weil Stars vor allem Projektionsflächen sind. Sie werden durch ihre Präsenz definiert – Star ist, wer gesehen wird. In dieser Hinsicht gleicht Hollywood der Zauberwelt Oz, immerzu scheint es aus dem Off zu rufen: „Beachte nicht den Mann hinter dem Vorhang.“ Und doch gibt es sie: Filme schreibende Menschen mit klingendem Namen. Wie sind diese sichtbaren Berufsunsichtbaren zu erklären?

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Erster Eindruck: Fargo

fargoIn Minnesota sprechen die Leute nicht nur ein bisschen anders, sie sind es auch. Denn die Eigenheiten des „Nordsternstaates“ gehen weit über das Lokalkolorit hinaus. Die Einwohner gelten als höflich, konfliktscheu, und zum Understatement neigend.  In wie weit das nur eine Fassade ist, liegt wohl im Auge des Betrachters. Für die Brüder Ethan und Joel Coen ist dieser soziale Umgang, den die Amerikaner „Minnesota Nice“ nennen, nur eine hauchdünne Schicht, unter welcher der Wahnsinn verborgen liegt. In ihrem Film „Fargo – Blutiger Schnee“ von 1996 amüsieren sie sich, auf ihre wie üblich schwarzhumorige Art und Weise, nicht nur über die die spießige, behäbige Freundlichkeit, sondern vor allem über die passive Aggressivität, die dort hinter jeder Geste steckt. Wenn Leben stagnieren, baut sich eine gefährliche Frustration auf. Weiterlesen

Rezension: Inside Llewyn Davis

InsideLlewynDavisFirstTeaserposter1Auf dem Cover der LP steht Dave Van Ronk vor dem Eingang einer Bar. Er schaut aus dem Bild, wohin genau ist unklar. Eine Katze beobachtet ihn. „Inside/ Dave Van Ronk“ versprechen die leicht geschwungenen, orangenen Lettern, die neben dem Folk- und Bluesmusiker in der Luft zu schweben scheinen. Der Trennstrich ist im Titel des neuen Film der Brüder Ethan und Joel Coen verschwunden, dafür ist der Name ein anderer. Die Filmemacher wollen mit uns in einen Menschen blicken, aber natürlich nur in eine Leinwandfigur.

Diese heißt Llewyn Davis (gespielt von Oscar Isaac) und ist ein Bohemien wie er im Buche steht: Wohnungslos übernachtet der eher erfolglose Gitarrist und Sänger auf jedem Sofa (oder Wohnungsboden), dass ihm im New York der frühen sechziger Jahre zur Verfügung gestellt wird. Das Label, bei dem seine Platten erscheinen, nutzt ihn schamlos aus, Geld sieht er so selten, dass er sogar auf Tantieme verzichtet nur um schneller an einen Scheck zu kommen. Weiterlesen