Agenten und andere Superhelden

Der Superheld gilt vielen längst unbestreitbar als die zentrale Figur des Gegenwartskinos: Nichts wird von Fans und Journalisten eifriger und lauter diskutiert, als mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattete Männer und Frauen in Latexanzügen. Tatsächlich jedoch sind in diesem Jahr mit Avengers 2: Age of Ultron, Ant-Man und (ab 13.8.) Fantastic Four gerade einmal drei Filme mit den populären Comic-Charakteren in den Multiplex-Sälen zu sehen. Angesichts des Medientrubels um diese Filme wird ein anderer Archetyp, ganz seinem Wesen entsprechend, meist übersehen: Der des Agenten.

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Rezension: Man of Steel

Man-of-Steel-posterZum Thema Superhelden ist eigentlich alles gesagt. Dennoch scheint das Publikum der Comic-Umsetzungen nicht Müde zu werden, Filme wie Iron Man 3 oder The Avengers im vergangenen Sommer waren überwältigende Erfolge. Im Zuge dieses anhaltenden Trends hievt DC Comics ein weiteres Mal den unverwundbaren Außerirdischen Kal-El auf die Leinwand – den meisten besser bekannt als Clark Kent oder einfach Superman. Der letzte Filme mit dem Mann aus Stahl, Superman Returns von 2006, war ein veritabler Flop, aushelfen sollen diesmal der im Bereich Comicverfilmungen erfahrene Regisseur Zack Snyder (300, Watchmen) und, als Produzent und am Drehbuch beteiligt, Christopher Nolan. Im Vorfeld versprachen sich Fans eine Modernisierung der Materie, als Vorbild wurde die Dark Knight Reihe gesehen. Den Superman hat als Figur einige Probleme: Unverwundbarkeit, Eindeutigkeit. Wie kann aus dem strahlenden, unbezwingbaren Saubermann ein Mensch werden, mit dem man mitfühlt und um den man sich auf der Leinwand sorgt.

Die Antwort auf diese Frage bleibt Man of Steel schuldig. Die Handlung ist schnell erzählt: Kal-El (Henry Cavill) wird von seinem Vater Jor-El (Russel Crowe) in einer Rettungskapsel Richtung Erde geschickt – ihr Heimatplanet Krypton steht kurz vor der Explosion. Sein Raumschiff landet bei dem Ehepaar Kent (Kevin Costner/Diane Lane), diese nehmen den Säugling bei sich auf. Sie taufen den Jungen auf den Namen Clark Kent, bald stellen sie fest, das Clark besondere Kräfte hat. Auch Reporterin Lois Lane (Amy Adams) kommt dem als Retter in der Not durchs Land Ziehenden bald auf die Schliche. Als der verbannte kryptonische General Zod (Michael Shannon) auf die Erde kommt, um Clark und die Erde zu vernichten, muss dieser den Kampf aufnehmen.

Die Geschichte des 140-Minuten Films ist hoffnungslos mit alberner Hintergrundgeschichte überfrachtet. Von Terraforming-Planetenwandler ist die Rede, von einem Codex der die genetische Daten aller Bewohner Kryptons enthält, und auch von Phantom-Antrieben und schwarzen Löchern. Technobabble füllt den dünn mit Handlung ausgestatteten Film, später übernehmen Actionszenen und einstürzende Gebäude diese Rolle. Exposition und Explosionen sind die beiden Standbeine des Films. Das Tempo des Films ist selten gelungen – Snyder scheitert beim inszenieren einer Zwischenstufe zwischen Hektik und Stillstand.

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Der junge Clark Kent und sein Ziehvater Jonathan

Trotz talentierter Darsteller sind die Charaktere langweilige Pappaufsteller, leblose Actionfiguren, die vom Regisseur  durch die CGI-Bilder geschoben werden. Wirklich zum Schauspiel kommt niemand, Cavill als Stahlmann bleibt glatt und leer, Adams Lois Lane ist ein Lehrbuch-Beispiel, wie eine starke Frauenfigur nicht gezeichnet werden sollte. Selbst Michael Shannon, der zuletzt in den Jeff Nicols-Filmen Mud und Take Shelter brillierte, gibt sich als grimmig dreinblickender Schurke Zod der Lächerlichkeit preis. Denn genau wie die Protagonisten in Man of Steel die uneingeschränkte Verkörperung des Guten sind, sind die Bösen chargierende Superschurken die etwa über den evolutionären Nachteil von Mitleid schwadronieren. Hinfort ist die Ambivalenz eins Dark Knights – Grauzonen sucht man hier vergebens.

Zuletzt bleibt die Frage, ob wenigstens die Schauwerte überzeugen können. Doch Snyders überrstilisierten CGI-Schlachten fühlen sich leer und abgedroschen ab. Superman und Gegner werfen sich durch Häuserblocks und Tankstellen, verwüsten ganze Landstriche und schleudern einander aus der Atmosphäre. Doch die Schlage haben keinerlei Gewicht: Nie hat man das Gefühl, Kal-El wäre wirklich in Gefahr. Um anderen Figuren scheint es dem Regisseur nicht zu gehen, Metropolis wird nach der Endschlacht wohl einige Tausend Einwohner weniger haben, sterben sehen wir keinen Einzigen. Die Explosionen und Zerstörungs-Orgien wirken wie filmgewordener Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem Schrecken der Wirklichkeit: Wenn die Zielgruppe des Films mit Nachrichtenbildern von 9/11 aufgewachsen ist, multipliziert man das Gesehene eben ins Hundertfache.

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Früher war Superman, unter anderem, auch eine Propagandafigur. Als Symbol für die Überlegenheit des American Way of Life war er eine Art Übermensch in Rot, Weiß und Blau. Fast traurig ist, das seit dieser Zeit keine sichtbare Veränderung stattgefunden hat. Nolan, Snyder und Goyer können uns keinen Grund liefern, warum Superman spannend oder interessant ist. Mehr als Muskel-Fetisch und Zerstörung wird dem Zuschauer nicht geboten. Der Mann im Cape darf gerne endgültig in der Versenkung verschwinden und das abgeschmackte, seelenlose Superhelden-Genre mitnehmen.