Die Minions sind wir! – Wenn Produkte zu Figuren werden

Daran, dass jeder Mensch zum Teil Produkt ist, haben wir uns längst gewöhnt. Es ist schließlich die Ära des Humankapitals, von Self-Marketing, Ich-AG und Selbstoptimierung. Für Schauspieler, die mit ihrem Gesicht auf Filmpostern werben und im Doppelsinn performen (also gleichzeitig darbieten und leisten), galt das immer schon mehr als für die meisten anderen. Jedes Film- ist auch ein Werbeplakat, wie so oft locken Oberflächen und Körper. Doch selbst mit Fitnessstudios und Diäten, Photoshop und plastischer Chirurgie, sind der Deformation des Menschen Grenzen gesetzt. Kein Mensch kann je so sehr Produkt sein, wie es sich Marketingabteilungen und Management wünschen. In jedem Menschen liegt etwas, das sich nicht verkaufen lässt, etwas Widerständiges.

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Rezension: Baymax – Riesiges Robowabohu

BaymaxBaymax – Riesiges Robowabohu zeigt ein positives Bild der Zukunft, ist aber Teil einer Dystopie für das Kino: Nun, da auch der Kinderfilm assimiliert wurde, werden wohl bald alle Formen der irdischen Unterhaltung auf die gleiche Art und Weise von Superhelden erzählen. Denn der neuste Animationsfilm der Kindertraumfabrik Disney bringt wieder einmal auf die Leinwand, was zuvor noch in Bildkästchen und Sprechblasen zu erleben war. Nachdem der Konzern im Jahr 2009 sein Imperium um den Comicriesen Marvel erweitert hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Bildsprache von Iron Man, Thor und Konsorten auch die Familienunterhaltung erreicht. Das Ergebnis ist ein seltsamer Hybrid, der ein wenig an Roboter-Protagonist Baymax erinnert: Ein weicher, drolliger Kern wird in einen militärische Hülle gezwängt, ein eisernes Korsett. Es will nicht so recht passen. Weiterlesen

Kurzrezensionen: Escape from Tomorrow; Zero Charisma

escape_from_tomorrow_poster-Escape from Tomorrow (2013): Niemand stirbt in Disneyland. Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit, allein statistisch ist dies bei jährlichen Besucherzahlen von über 12,8 Million  sehr unwahrscheinlich. In der Realität enden natürlich auch im berühmten Freizeitpark die Leben von Menschen, ihre Körper werden aber vom Personal durch die Tunnelsysteme aus dem Gelände verfrachtet und erst dort von den Ärzten für Tod erklärt. Zum Markenkern der Firm von Micky Mouse und Donald Duck gehört eine Aura des magischen, das Bild des Konzerns ist betont familienfreundlich. Von „Disneyfizierung“ wird immer wieder gesprochen, wenn euphemistische Harmlosigkeit die Realität verzerrt. Der Wunsch, den kommerziell verwerteten Mythos zu entzaubern ist groß: Zahllose Bücher, Dokumentationen und Artikel beschäftigen sich mit der „dunklen Seite“ von Disney. So auch Randy Moores Film Escape from Tomorrow, der ohne Drehgenehmigung im Disneyland Resort Anaheim entstanden ist. Schon im Titel schwebt Kritik am eskapistischen Grundgedanken des Parks mit. Weiterlesen