Rezension: Mistaken for Strangers

Mistaken for StrangersDie Rock-Dokumentation hat eine Sonderstellung im Genre des Dokumentarfilms. Viel zu oft irgendwo zwischen Heliografie und Merchandise-Artikel angesiedelt, sind sie, in der Regel, nur für Fans der jeweiligen Band wirklich interessant. Nur Justin Biber-Anhänger werden sich einen Film wie Never Say Never ansehen, selbst Regisseuren wie Martin Scorsese fällt es schwer, sich aus dem engen Korsett von Konventionen zu lösen.  Die guten Filme des Genres gehen eigene Wege, sie erzählen in der Regel mehr als die Geschichte einer Band. End of the Century etwa erzählt nicht nur von den Ramones, sondern auch davon, was passiert, wenn Menschen mit gänzlich unterschiedlichen Weltanschauungen und künstlerischen Sensibilitäten aneinander gebunden werden. Sacha Gervasis Anvil handelt nicht nur von einer Metalband aus den Achtzigern, sondern auch davon was es heißt, Träume nicht loslassen zu können. Auch Mistaken for Strangers passt in diese Reihe. Weiterlesen

Rezension: 20 Feet from Stardom

20-feet-from-stardom-posterWenn wir Filme über Musiker sehen, dann geht es zumeist um Rockstars: Elvis, die Beatles, überlebensgroße Figuren. Rauschende Partys und schnelle Leben scheinen wie für die Kinoleinwand gemacht zu sein. Auch Morgan Neville hat das schon getan, er hat zum Beispiel einen Film über Johnny Cash gedreht. Doch in seinem neuen Dokumentarfilm, 20 Feet from Stardom wandert der Blick der Kamera, vorbei an den Legenden im Rampenlicht,  zu den Menschen in der zweiten Reihe. In der Titelsequenz sehen wir berühmte Albumcover , doch die eigentlichen Stars sind ausgeblendet. Zu sehen bleiben die Helden des Films: Die Hintergrundsänger und Hintergrundsängerinnen.

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Kurzrezension: Is the Man Who is Tall Happy?

1817287Is the man who is tall happy?“ fragt der französische Regisseur Michel Gondry den amerikanischen Linguistik-Professor und linken Intellektuellen Noam Chomsky. Diese Frage liefert gleichzeitig den Titel des interessanten Dokumentar-Animationsfilm, der im wesentlich eine Reihe von Gespräche der beiden Persönlichkeiten darstellt.  Gondry bebildert das Gesprochene und irritiert mit seiner gleichzeitigen Selbstunter- und Überschätzung. Alles ist bemüht imperfekt, von den Zeichnungen (die trotzdem wirklich meist recht gelungen sind) bis hin zu dem Interview selbst. Fast willkürlich wird von Fachbereich zu Fachbereich gesprungen, lückenlos gehen Gespräche über Linguistik in einen Austausch zum Thema Didaktik über, nur um schließlich bei Chomskys Biographie zu landen. Chomsky war und ist einer der wichtigsten Wissenschaftler und Aktivisten unser Zeit und ein sehr kluger Mensch, an intellektueller Stimulanz fehlt es hier eindeutig nicht. Weiterlesen