Kurzrezension: Only Lovers Left Alive

only_lovers_left_alive_ver3_xlgSchallplatten drehen sich, die Welt dreht sich und Menschen drehen sich ihr Leben lang um sich selbst. So zeigt es uns Jim Jarmusch in den ersten Einstellungen seines neusten Films, Only Lovers Left Alive. Darüber hinaus zeigt er auch, was sich daran ändert, wenn das Leben ewig währt. Adam und Eve sind ein Ehepaar und, vielleicht noch bedeutsamer, unsterbliche Vampire. Die Unendlichkeit ihres Daseins füllen sie mit Kunst – Adam (Tom Hiddleston) spielt düstere Postrocksongs, besitzt eine Leidenschaft für alte Gitarren und lebt zurückgezogen in einer Mischung aus Tonstudio und Wohnung im kalten, verlassenen Detroit.  Eve (Tilda Swinton)  verbringt ihre Zeit in den Straßen der marokkanischen Hafenstadt Tanger, liest große Werke der Weltliteratur und trifft sich mit ihrem Freund Marlowe (John Hurt), der unter anderem Ghostwriter Shakespeares war.

Die Beiden leben jeweils in ihrem eigenen Mikrokosmos aus Zeitgeschichte, Weiterlesen

Rezension: Der Hobbit – Smaugs Einöde

the-hobbit-the-desolation-of-smaug-poster-wm__oPt„Jede gute Geschichte verdient es ausgeschmückt zu werden.“, eröffnet der Zauberer Gandalf dem Hobbit Bilbo vor Beginn seiner großen Reise. Eine Meinung, die große Teile von Publikum und Kritik nur eingeschränkt zu teilen schienen, als bekannt wurde, dass Herr der Ringe-Regisseur Peter Jackson aus J. R. R. Tolkiens Kindergeschichte Der Hobbit eine Trilogie machen würde. Auch das Versatzstücke aus weiteren Tolkien-Werken (etwa aus dem Silmarillion) es in die Filme schaffen würden, änderte für die Meisten nichts daran: Die Hobbit-Reihe erweckt den Eindruck einer seelenlosen, zynischen Geldmaschine für das Studio.

Die Auswirkungen dieser Quellenvermengung machen sich im nun erschienen, zweiten Teil der Serie – Smaugs Einöde – erstmals deutlich bemerkbar. Die größte Bewunderung schlug Jackson schon immer für seine fantasievolle Umsetzung der vom Autor erdachten Welt entgegen. Wie ein Traumarchitekt formt der Regisseur Figuren, Neuseelands wunderschöne Landschaften, Sets und Computereffekte zu einem stimmigen Ganzen. Nun bröckelt erstmals die Fassade. Weiterlesen

Kurzrezensionen: Escape from Tomorrow; Zero Charisma

escape_from_tomorrow_poster-Escape from Tomorrow (2013): Niemand stirbt in Disneyland. Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit, allein statistisch ist dies bei jährlichen Besucherzahlen von über 12,8 Million  sehr unwahrscheinlich. In der Realität enden natürlich auch im berühmten Freizeitpark die Leben von Menschen, ihre Körper werden aber vom Personal durch die Tunnelsysteme aus dem Gelände verfrachtet und erst dort von den Ärzten für Tod erklärt. Zum Markenkern der Firm von Micky Mouse und Donald Duck gehört eine Aura des magischen, das Bild des Konzerns ist betont familienfreundlich. Von „Disneyfizierung“ wird immer wieder gesprochen, wenn euphemistische Harmlosigkeit die Realität verzerrt. Der Wunsch, den kommerziell verwerteten Mythos zu entzaubern ist groß: Zahllose Bücher, Dokumentationen und Artikel beschäftigen sich mit der „dunklen Seite“ von Disney. So auch Randy Moores Film Escape from Tomorrow, der ohne Drehgenehmigung im Disneyland Resort Anaheim entstanden ist. Schon im Titel schwebt Kritik am eskapistischen Grundgedanken des Parks mit. Weiterlesen