Hidden Figures

Das Unvermeidbare kann sehr beruhigend sein. Es kennt keinen Zwang und lädt zur behaglichen Passivität ein. Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen von Theodore Melfi lässt die Geschichte auf Schienen fahren, deren Weichen längst gestellt sind. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Margot Lee Shetterly erzählt die Filmbiografie davon, wie das Überqueren der letzten Grenze Weltraum automatisch auch Barrikaden auf der Erde einreißt. Davon, wie technischer Fortschritt, einer Lawine gleich alles mitreißend, immer auch gesellschaftlichen mit sich bringt.

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Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Magie ist Kontrast, die Abweichung von der Norm, die Möglichwerdung des Unmöglichen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn alles Magie ist, ist nichts Magie. David Yates‘ Harry-Potter-Spin-off Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist ein buntes Effektfeuerwerk, das den dunklen Leinwandhimmel ganz und gar überstrahlt, bis eine gleichmäßige Fläche ohne Abweichung entsteht. Magielose Magie. Yates erklärt die Tricks des Kinos zu mächtigen Sprüchen, schwingt seinen Zauberstab aber unbeherrscht, als wäre er ein Spielzeug. Ein Wingardium Leviosa, und plötzlich hat nichts mehr Gewicht.

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Sind manipulative Filme etwas Schlechtes?

Jedem Medium werden seine Stärken vorgeworfen, also kritisiert man Filme oft dafür, dass sie „manipulativ“ seien. Aber gibt es überhaupt etwas am Kino, das nicht Zerrbild ist, wenn der Blick durch die Kamera die Wirklichkeit doch automatisch formt und verändert? „Alles am Film ist Manipulation“, wird mit Frederick Wiseman ausgerechnet ein Filmemacher zitiert, der nicht unbedingt als aggressiver Verzerrer und Zuspitzer bekannt ist. Was ist also gemeint, wenn einem Film Manipulation vorgeworfen wird?


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Das Box Office als Wahlurne – Gibt Erfolg an der Kinokasse den Fans recht?

Es gibt viele Gründe, einen Film zu lieben. Vielleicht für seine spannende Geschichte oder die originelle, überraschende Machart. Aufgrund der gewitzten Dialoge, atemberaubenden Bilder, einer mutigen Aussage oder des Schimmerns des Mondlichts auf den Gesichtern des Liebespaares beim ersten Kuss in der persönlichen Lieblingsszene. Manche Gründe sind weniger naheliegend, haben sie doch mit dem Film selbst kaum etwas zu tun: In der Ära des modernen Franchise-Kinos beschäftigen sich Fans oft im gleichen Maße mit dem Erfolg eines Blockbusters an den Kinokassen wie mit dem Film selbst.

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The Witch

In Zeiten, in denen unser Bild des Glaubens durch seinen externen Terror bestimmt wird, erzählt Regisseur Robert Eggers von jenem, der sich nach innen richtet. Das Kino erlaubt, durch fremde Augen zu schauen. Im Fall von The Witch fällt der Blick durch die Linse des Puritanismus, der das vermeintlich leere Hinterland Amerikas im 17. Jahrhundert mit düsteren Phantomen füllt. Der Schrecken des Horror-Dramas speist sich aus einer Geisteshaltung, die selbst aus der trivialsten Tätigkeit einen Kampf um das eigene Seelenheil formt und jeden Moment des Zweifelns an den Grundfesten des Universums rütteln lässt. Eine, in der die für den modernen, aufgeklärten Menschen so abstrakten Ideen von Himmel und Hölle, Gott und Teufel, unumstößliche Wirklichkeiten sind.

©Universal Pictures Germany

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Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn

Mary Shellys Roman Frankenstein mag fast zweihundert Jahre alt sein, der Kraft seiner zentralen Ideen tut das keinen Abbruch. Der Diskurs um künstliche Intelligenz und Fortschritte der Genetik macht die Geschichte des modernen Prometheus so aktuell, wie sie es im viktorianischen Zeitalter war. Eigentlich spricht nichts gegen eine filmische Neuauflage des bekannten Stoffes und dem zeitgenössischen Hollywood-Kino mit seinen Remakes und Reboots ist die Reanimation nicht fremd. Leider ist die unheilige Kreation, die Regisseur Paul McGuigan mit Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn geschaffen hat, von geradezu prometheischer Idiotie.

© Fox Deutschland

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Heaven Knows What

Glaubt man Lyriker Gottfried Benn, gibt es „nur zwei Dinge: die Leere/ und das gezeichnete Ich“. Er beschwört ein düsteres Bild der Welt, in der sich die Menschheit teilt, in jene, die am Abgrund stehen und die, die bereits abgestürzt sind. Das Drama Heaven Knows What der Brüder Joshua und Ben Safdie nimmt sich dem schmalen Grat dazwischen an und erzählt die Geschichte von Seiltänzern über dem Nichts.

© Mobile Kino

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