Wie Kassenschlager aus China den amerikanischen Blockbuster verändern

Goldgräberstimmung klingt nur nach einem erstrebenswerten Zustand, wenn man dabei nicht tatsächliche Goldgräber vor Augen hat. Die amerikanischen Schürfer, die sich im 19. Jahrhundert vom Goldfieber packen ließen, waren oft Getriebene, die eine Chance sahen, bitterster Armut zu entkommen. Die meisten von ihnen gingen leer aus. Angesichts des rasant wachsenden chinesischen Filmmarktes herrscht gegenwärtig Goldgräberstimmung in Hollywood. Arm ist man in der Traumfabrik längst noch nicht, doch im Laufe der nächsten Jahre wird China die USA als größter Kinomarkt überholen. Bereits 2017 soll es vielen Analysten zufolge soweit sein. Es ist ein Prozess, der am amerikanischen Blockbuster-Kino nicht spurlos vorübergehen wird.

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Rezension: Baymax – Riesiges Robowabohu

BaymaxBaymax – Riesiges Robowabohu zeigt ein positives Bild der Zukunft, ist aber Teil einer Dystopie für das Kino: Nun, da auch der Kinderfilm assimiliert wurde, werden wohl bald alle Formen der irdischen Unterhaltung auf die gleiche Art und Weise von Superhelden erzählen. Denn der neuste Animationsfilm der Kindertraumfabrik Disney bringt wieder einmal auf die Leinwand, was zuvor noch in Bildkästchen und Sprechblasen zu erleben war. Nachdem der Konzern im Jahr 2009 sein Imperium um den Comicriesen Marvel erweitert hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis die Bildsprache von Iron Man, Thor und Konsorten auch die Familienunterhaltung erreicht. Das Ergebnis ist ein seltsamer Hybrid, der ein wenig an Roboter-Protagonist Baymax erinnert: Ein weicher, drolliger Kern wird in einen militärische Hülle gezwängt, ein eisernes Korsett. Es will nicht so recht passen. Weiterlesen

Rezension: Captain Phillips

Captian-Phillips-PosterRichard Phillips ist auf dem Weg zur Arbeit, seine Ehefrau begleitet ihn. Er macht sich Sorgen um die Arbeitsmoral seiner Kinder und um ihre Zukunft. „Früher musste man einfach auftauchen und halbwegs vernünftig auftreten, um Captain zu werden. Heute kämpfen immer gleich 50 um den selben Job.“ Phillips kommandiert die Maersk Alabama, einen jener riesigen Frachtcontainer, die mehr als alles Andere Sinnbild für die Globalisierung und den internationalen Warenverkehr geworden sind.

In der nächsten Szene weicht das Grau der amerikanischen Straßen dem gelben Sand eines Dorfs an der somalischen Küste, und wir können in Aktion sehen, wovon Phillips gesprochen hat: Ein Pulk junger Somali streitet sich verbissen um die Plätze auf zwei winzigen Piratenbooten, die losziehen sollen, um einen Frachter zu kapern. Was für den Arbeitsmarkt der USA gilt, ist hier noch einmal gesteigert; mit Bestechung und Drohungen kämpfen die jungen Männer, manche fast noch Kinder, um den lebensgefährlichen Auftrag.

Schon durch diese zwei einfachen Szenen wird der Grundkonflikt in Paul Greengrass neuem Actiondrama, Captain Phillips, mehr als deutlich. Basierend auf den tatsächlichen Ereignissen um die  versuchte Entführung der Maersk Albama und die Geiselnahme der titelgebenden Figur, die sich zwischen dem 9. und 12. April 2009 vor der Küste Somalias abspielten, erzählt der Regisseur des 9/11-Films United 93 und der Bourne-Trilogie eine packende Geschichte von Verlierern und Gewinnern des internationalen Weltwirtschaftsgefüges. Weiterlesen