Filmmusik verstehen durch Bette Davis

Es gibt eine interessante Anekdote über die Dreharbeiten von Edmund Gouldings Melodram Opfer einer großen Liebe von 1939: In der besonders emotionalen letzten Szene des Films kämpft sich Bette Davis‘ durch einen Tumor erblindete Figur Judith mühsam eine lange Treppe hinauf. Cast, Crew und einige Besucher sahen am Set mit an, wie Davis ihre Hände um das Gelände klammerte und Stufe um Stufe hinaufkletterte.


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Über Denken und Fühlen in aktuellen Science-Fiction-Filmen

Science-Fiction ist kein Genre, das mit großen Emotionen in Verbindung gebracht wird, zumindest nicht im gleichen Maße wie Liebesfilme oder Dramen. Wissenschaft (Science) gilt als objektiv und rational, was mit Gefühlsneutralität oder -kälte gleichgesetzt wird. Science-Fiction-Regisseure betonen meist Struktur und Plot-Mechanik. Ihre Figuren werden Spielbälle gewaltiger Veränderungsprozesse, Teil eines großen Ganzen oder einfach in interplanetaren Kriegen dahingerafft. Im besten Fall sind sie Zahnräder, im schlimmsten Fall werden sie zwischen solchen zermalmt. Bekannte Vertreter des Genres wie Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum verdeutlichen auf diese Weise, wie unbedeutend das menschliche Handeln für die gesamte Galaxis ist.

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Die besten Filme des Jahres 2013 (Platz 5-1)

Natürlich ist das Vergleichen und Nebeneinanderstellen von völlig unterschiedlichen Filmen, nur weil sie im Zeitraum des gleichen Erd-Umlaufs der Sonne veröffentlicht wurden, vollkommen willkürlich. Auch das Anordnen in Bestenlisten, abgestuft nach empfundener Qualität, fällt häufig schwer – die vielen Stärken und Schwächen einer Veröffentlichung, gegen die einer anderen abzuwiegen, gleicht oft dem sprichwörtlichen vergleichen von Äpfeln und Birnen. Da stehen sich dann Blockbuster- und Indiestreifen, Popcorn-Thriller und Arthouse-Drama gegenüber. Trotzdem können solche Rangfolgen zum Nachdenken anregen und neue Erkenntnisse hervorbringen: Welche Filme des Jahres waren bedeutsam, an welche wird man sich auch in Zukunft erinnern können? Welche haben uns einen Abend lang begleitet und welche werden das noch ein Leben lang tun? Diese Auswahl ist rein Subjektiv, und sicher sind mir viele wichtige, unterhaltsame und gute Filme entgangen –  herausragend und, in manchen Fällen sogar als bedeutsamen Schritt für das Medium zu werten, sind diese zehn Kunstwerke in jedem Fall.

before-midnight-movie-poster-1Platz 5: Before Midnight

Als Richard Linklater 1995 Before Sunrise veröffentlichte, war noch niemandem klar, wie lange die Figuren Jesse und Céline ihn und seine Zuschauer noch begleiten würden. Was als einfaches Liebesdrama begann, ist heute fast ein soziologisches Experiment, eine philosophische, aber immer geerdete Abhandlung über Beziehungen und Liebe.

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Rezension: Gravity

GRAV_TeaserPoster_v3.inddDouglas Adams hat in seiner Science Fiction-Satire „Per Anhalter durch die Galaxis“ eine  bedrohliche, angsteinflößende Technologie erdacht. Der so genannte „Totale Durchblicksstrudel“ ist das grauenhafteste Folterinstrument, das jemals geschaffen wurde. Dabei schadet die Maschine weder dem Körper, noch dem Geist, sondern stellt vielmehr die „grausamste Seelenfolter, der ein fühlendes Wesen ausgesetzt werden kann“ dar. Aber was tut diese Apparatur denn nun tatsächlich? Sie verleiht dem Menschen einen Sinn für Perspektive. Sie zeigt dem Menschen die Gesamtheit der Schöpfung, die Unendlichkeit des Universums – und dann, im Verhältnis dazu, den Einzelnen. Seine Bedeutungslosigkeit, seine insignifikante Winzigkeit, seine Vergänglichkeit im Kontrast zum ewigen Universum.

Ähnlich muss sich auch Ryan Stone fühlen, als sie hilflos durch den Weltraum schwebt. Weiterlesen