The Witch

In Zeiten, in denen unser Bild des Glaubens durch seinen externen Terror bestimmt wird, erzählt Regisseur Robert Eggers von jenem, der sich nach innen richtet. Das Kino erlaubt, durch fremde Augen zu schauen. Im Fall von The Witch fällt der Blick durch die Linse des Puritanismus, der das vermeintlich leere Hinterland Amerikas im 17. Jahrhundert mit düsteren Phantomen füllt. Der Schrecken des Horror-Dramas speist sich aus einer Geisteshaltung, die selbst aus der trivialsten Tätigkeit einen Kampf um das eigene Seelenheil formt und jeden Moment des Zweifelns an den Grundfesten des Universums rütteln lässt. Eine, in der die für den modernen, aufgeklärten Menschen so abstrakten Ideen von Himmel und Hölle, Gott und Teufel, unumstößliche Wirklichkeiten sind.

©Universal Pictures Germany

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Rezension: The Voices

Copyright: Verleih /Irgendetwas an Jerry Hickfang erscheint fremdartig und falsch. Vielleicht ist es der überzogene Enthusiasmus, mit dem er seiner eigentlich trivialen, zermürbenden Arbeit bei Milton Fixture & Faucet nachgeht. Niemand kann sich so für die Herstellung von Badewannen begeistern. Vielleicht liegt es daran, dass seine Antworten nie ganz zu den gestellten Fragen passen und er immer ein wenig in seiner eigenen Sphäre zu schweben scheint. Es könnte natürlich auch die Tatsache sein, dass er junge Frauen zerstückelt und ihre Köpfe in seinem Kühlschrank aufbewahrt. Es ist eine dieser Vorlieben, die man weder ins Onlinedating-Profil, noch in einen Lebenslauf schreiben sollte. Weiterlesen

Rezension: A Girl Walks Home Alone at Night

a-girl-walks-home-alone-at-night.35197A Girl Walks Home Alone At Night ist die Geschichte zweier Menschen, die sich erst in den Wandel, dann ineinander verlieben. Ihre Liebe stünde unter einem schlechtem Stern, würde am Himmel ihrer Welt auch nur ein einziger scheinen. Licht ist für sie etwas Künstliches, kommt von Straßenlaternen und Discokugeln; Dunkelheit hingegen scheint der Normalzustand.

Ihr kommt das gerade recht. Die Rolltitel nennen sie nur „Das Mädchen“ (Sheila Vand). Einen Namen braucht sie nicht; es gibt ja auch keinen für das Gefühl von Verfolgung auf dem nächtlichen Nachhauseweg. Und auch für ihren Zustand gibt es höchstens umschreibende Worte. Am treffendsten scheint noch: Vampir. Weiterlesen

Kurzrezensionen: Escape from Tomorrow; Zero Charisma

escape_from_tomorrow_poster-Escape from Tomorrow (2013): Niemand stirbt in Disneyland. Natürlich ist das nicht die ganze Wahrheit, allein statistisch ist dies bei jährlichen Besucherzahlen von über 12,8 Million  sehr unwahrscheinlich. In der Realität enden natürlich auch im berühmten Freizeitpark die Leben von Menschen, ihre Körper werden aber vom Personal durch die Tunnelsysteme aus dem Gelände verfrachtet und erst dort von den Ärzten für Tod erklärt. Zum Markenkern der Firm von Micky Mouse und Donald Duck gehört eine Aura des magischen, das Bild des Konzerns ist betont familienfreundlich. Von „Disneyfizierung“ wird immer wieder gesprochen, wenn euphemistische Harmlosigkeit die Realität verzerrt. Der Wunsch, den kommerziell verwerteten Mythos zu entzaubern ist groß: Zahllose Bücher, Dokumentationen und Artikel beschäftigen sich mit der „dunklen Seite“ von Disney. So auch Randy Moores Film Escape from Tomorrow, der ohne Drehgenehmigung im Disneyland Resort Anaheim entstanden ist. Schon im Titel schwebt Kritik am eskapistischen Grundgedanken des Parks mit. Weiterlesen

Rezension: The Conjuring

Ithe-conjuring-poster (1)n den vereinigten Staaten ist The Conjuring, der neue Film von James Wan (Autor und Regisseur von unter anderem SAW und Insidious), der Überraschungshit des Jahres. Während viele Blockbuster hinter den Erwartungen zurückblieben, und die Studios entsprechend enttäuscht sind,  konnte der Geisterhaus-Streifen bislang mit einem Budget von nur dreizehn Millionen fast das Zehnfache einspielen. Sowohl Kritiker als auch Publikum äußern sich überwiegend begeistert. Dass der Film auf einer wahren Begebenheit beruhen soll und von der MPAA (trotz geringem Gewaltgrad) ein harsches R-Rating (ab 17, außer in Elternbegleitung)  bekommen hat, angeblich für den hohen Grusel-Faktor, trägt weiter zum Hype bei, den der Film gegenwärtig erfährt. Doch was ist dran an dem ganzen Spuk um den Spuk? Weiterlesen