Rezension: Whiplash

Copyright: Produzent / VerleihDamien Chazelle stellt mit Whiplash seinem Publikum eine Frage: Sind nicht alle Geschichtsbücher mit Blut, Schweiß und Tränen geschrieben? Kommt wahre Kunst nicht nur von Menschen, die zu Extremen getrieben wurden, die sich aus einem inneren Trieb heraus selbst zerstören, um als die Verkörperung ihrer eigenen Sehnsüchte unter die Sterblichen zurückzukehren?

So, oder so ähnlich, ergeht es im Film Andrew (Miles Teller). Es ist eine Figur nahezu ohne Seele, Psychologie oder Vergangenheit. Genauer: Er hat diese Dinge abgestreift, um seine Träume zu verwirklichen; vielleicht auf die Art, wie Leistungssportler Fett verbrennen. Der Jazzschlagzeuger kämpft an einem New Yorker Konservatorium (klares Vorbild: die Juilliard School) um einen Platz im berühmten Orchester unter Leitung des berüchtigten Fletcher (J. K. Simmons). Der Dirigent und Talentscout ist die musikalische Version von Drill Sergeant Hartman aus Full Metal Jacket. (Wobei Ermey deutlich kreativer in der Wahl seiner Schmähungen war.)  Im Proberaum ist er ein Diktator und Menschenschinder, der seine Schüler einreißt wie alte Gebäude, um aus ihnen menschliche Festungen nach seinen eigenen Wünschen zu formen. Weiterlesen

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Rezension: Plötzlich Gigolo

Plötzlich Gigolo - Fading GigoloWer will kann in amerikanischen Supermärkten ein Produkt mit dem wohlklingenden Namen „I can’t belive it’s not butter!“ erwerben. Laut Werbespruch ist es genau wie Butter, nur ohne Kalorien, ohne Fett und ohne Cholesterin. Plötzlich Gigolo von John Turturro könnte auch „I can’t belive it’s not a Woody Allen Movie!“ heißen. Denn auf den ersten Blick ist alles da, was die Filme des Regisseurs ausmacht – New York, Jazz, Witze über das Judentum, Beziehungen und Neurosen. Sogar Allen selber ist mit von der Partie. Also alles genau wie bei seinen Filmen – nur ohne Seele, Tiefgang, und Eigenständigkeit. Weiterlesen

Rezension: Inside Llewyn Davis

InsideLlewynDavisFirstTeaserposter1Auf dem Cover der LP steht Dave Van Ronk vor dem Eingang einer Bar. Er schaut aus dem Bild, wohin genau ist unklar. Eine Katze beobachtet ihn. „Inside/ Dave Van Ronk“ versprechen die leicht geschwungenen, orangenen Lettern, die neben dem Folk- und Bluesmusiker in der Luft zu schweben scheinen. Der Trennstrich ist im Titel des neuen Film der Brüder Ethan und Joel Coen verschwunden, dafür ist der Name ein anderer. Die Filmemacher wollen mit uns in einen Menschen blicken, aber natürlich nur in eine Leinwandfigur.

Diese heißt Llewyn Davis (gespielt von Oscar Isaac) und ist ein Bohemien wie er im Buche steht: Wohnungslos übernachtet der eher erfolglose Gitarrist und Sänger auf jedem Sofa (oder Wohnungsboden), dass ihm im New York der frühen sechziger Jahre zur Verfügung gestellt wird. Das Label, bei dem seine Platten erscheinen, nutzt ihn schamlos aus, Geld sieht er so selten, dass er sogar auf Tantieme verzichtet nur um schneller an einen Scheck zu kommen. Weiterlesen