Kann das Kino noch provozieren?

Manche Filme scheitern, weil sie gemocht werden. Man stelle sich das nur mal vor: Da übergießt man seine Bilder mit glitschiger Ambivalenz, stößt Abgründe in die tiefsten Höllen der menschlichen Seele auf, hält mit der Kamera ungehemmt auf Gewalt, Sex und Perversion, kratzt an den wenigen verbleibenden Tabus seiner Zeit, und wie reagieren Publikum und Kritik, die doch heute angeblich so sensibel und übermäßig politisch korrekt sein sollen? Sie applaudieren, schreiben glühende Lobeshymnen und zeichnen den Film mit hässlichen goldenen Statuetten aus. Ein Albtraum!


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Sind manipulative Filme etwas Schlechtes?

Jedem Medium werden seine Stärken vorgeworfen, also kritisiert man Filme oft dafür, dass sie „manipulativ“ seien. Aber gibt es überhaupt etwas am Kino, das nicht Zerrbild ist, wenn der Blick durch die Kamera die Wirklichkeit doch automatisch formt und verändert? „Alles am Film ist Manipulation“, wird mit Frederick Wiseman ausgerechnet ein Filmemacher zitiert, der nicht unbedingt als aggressiver Verzerrer und Zuspitzer bekannt ist. Was ist also gemeint, wenn einem Film Manipulation vorgeworfen wird?


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Ein atheistisches Plädoyer für religiöse Filmkunst

Ein Mann, der mit seinen Handflächen die zitternde Flamme einer Kerze schützt, durchquert behutsam ein verlassenes Thermalbad. Diese ikonische Szene aus Andrei Tarkowskis Nostalghia trägt zahllose Bedeutungen in sich; es handelt sich um eine schlichte Geste, welche die Gesamtheit eines menschlichen Lebens enthalten sollte. Der Regisseur sah in seinem Film auch „die Geschichte einer Krankheit“ und erklärte: „Vielleicht könnte man die Nostalghia mit dem Verlust des Glaubens, der Hoffnung vergleichen.“ Sein Glaube war dem Filmemacher etwas Vergängliches, Schützenswertes – eine Kerze im Wind.

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Über das Problem von Technologiekritik in Kino und Serien

Wenn Menschen heute noch Visionen für die Zukunft formulieren, dann richtet sich ihr utopisches Denken auf Technologie. Dabei hat sich so etwas wie ein Antagonismus entwickelt, vielleicht ist es aber auch einfach Arbeitsteilung: Während die Technologiefirmen des Silicon Valley jeden Tag neue Weltrettungsversprechen machen, zerstören in Hollywood und der Unterhaltungsbranche im Allgemeinen Roboter, künstliche Intelligenz, Drohnen, Überwachungssysteme, Smartphones, soziale Netzwerke und Co. regelmäßig den Planeten, zumindest aber das menschliche Zusammenleben und alles, was gut und heilig ist.

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Das Box Office als Wahlurne – Gibt Erfolg an der Kinokasse den Fans recht?

Es gibt viele Gründe, einen Film zu lieben. Vielleicht für seine spannende Geschichte oder die originelle, überraschende Machart. Aufgrund der gewitzten Dialoge, atemberaubenden Bilder, einer mutigen Aussage oder des Schimmerns des Mondlichts auf den Gesichtern des Liebespaares beim ersten Kuss in der persönlichen Lieblingsszene. Manche Gründe sind weniger naheliegend, haben sie doch mit dem Film selbst kaum etwas zu tun: In der Ära des modernen Franchise-Kinos beschäftigen sich Fans oft im gleichen Maße mit dem Erfolg eines Blockbusters an den Kinokassen wie mit dem Film selbst.

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Der Zuschauer als Patient – Der zukünftige Einfluss von Biometrie und Neurologie auf das Kino

D. W. Griffith hatte eine Vision für das Kino. Es sollte nicht nur den Finger am Puls der Zeit haben, sondern selbst zu diesem Puls werden. Der amerikanische Regisseur, bekannt als einer der bedeutsamsten Pioniere der filmischen Grammatik, formulierte seine Zielvorstellung so: „Die amerikanische Schule [des Filmschnitts] bemüht sich, die Geschwindigkeit des Films im Einklang mit dem durchschnittlichen menschlichen Herzschlag zu halten.“ (zit. nach James Monaco, Film verstehen, 2009) Wie bei einem einzigen Wesen sollten Puls von Zuschauer und Film bei Anspannung schneller und schneller pochen, nur um in finalen Augenblicken größter Ungewissheit einhellig stillzustehen.

(Filmstill aus The Congress; Copyright: Pandora Filmverleih)

(Filmstill aus The Congress; Copyright: Pandora Filmverleih)

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Das Museum im Kino

Museen und Kinos sind die Tempel verschiedener Religionen, die denselben Gott verehren, ihn aber unterschiedlich benennen. Zwei Gebäude, die man aus ähnlichen und doch gänzlich verschiedenen Gründen besucht. Glaubt man ihren Namen, leben im einen Schutzgöttinnen der Künste, im anderen erfasste Bewegungen. Irgendwo in der Vergangenheit der Glaubensrichtungen liegt ein Schisma und heute bleiben nur die diversen Formen ökumenischer Messen, um eine Einheit zwischen ihnen zu erleben.

(Filmstill aus Francofonia; Copyright: Piffl Medien GmbH)

(Filmstill aus Francofonia; Copyright: Piffl Medien GmbH)

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