Hidden Figures

Das Unvermeidbare kann sehr beruhigend sein. Es kennt keinen Zwang und lädt zur behaglichen Passivität ein. Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen von Theodore Melfi lässt die Geschichte auf Schienen fahren, deren Weichen längst gestellt sind. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Margot Lee Shetterly erzählt die Filmbiografie davon, wie das Überqueren der letzten Grenze Weltraum automatisch auch Barrikaden auf der Erde einreißt. Davon, wie technischer Fortschritt, einer Lawine gleich alles mitreißend, immer auch gesellschaftlichen mit sich bringt.

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Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Magie ist Kontrast, die Abweichung von der Norm, die Möglichwerdung des Unmöglichen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn alles Magie ist, ist nichts Magie. David Yates‘ Harry-Potter-Spin-off Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist ein buntes Effektfeuerwerk, das den dunklen Leinwandhimmel ganz und gar überstrahlt, bis eine gleichmäßige Fläche ohne Abweichung entsteht. Magielose Magie. Yates erklärt die Tricks des Kinos zu mächtigen Sprüchen, schwingt seinen Zauberstab aber unbeherrscht, als wäre er ein Spielzeug. Ein Wingardium Leviosa, und plötzlich hat nichts mehr Gewicht.

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The Witch

In Zeiten, in denen unser Bild des Glaubens durch seinen externen Terror bestimmt wird, erzählt Regisseur Robert Eggers von jenem, der sich nach innen richtet. Das Kino erlaubt, durch fremde Augen zu schauen. Im Fall von The Witch fällt der Blick durch die Linse des Puritanismus, der das vermeintlich leere Hinterland Amerikas im 17. Jahrhundert mit düsteren Phantomen füllt. Der Schrecken des Horror-Dramas speist sich aus einer Geisteshaltung, die selbst aus der trivialsten Tätigkeit einen Kampf um das eigene Seelenheil formt und jeden Moment des Zweifelns an den Grundfesten des Universums rütteln lässt. Eine, in der die für den modernen, aufgeklärten Menschen so abstrakten Ideen von Himmel und Hölle, Gott und Teufel, unumstößliche Wirklichkeiten sind.

©Universal Pictures Germany

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Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn

Mary Shellys Roman Frankenstein mag fast zweihundert Jahre alt sein, der Kraft seiner zentralen Ideen tut das keinen Abbruch. Der Diskurs um künstliche Intelligenz und Fortschritte der Genetik macht die Geschichte des modernen Prometheus so aktuell, wie sie es im viktorianischen Zeitalter war. Eigentlich spricht nichts gegen eine filmische Neuauflage des bekannten Stoffes und dem zeitgenössischen Hollywood-Kino mit seinen Remakes und Reboots ist die Reanimation nicht fremd. Leider ist die unheilige Kreation, die Regisseur Paul McGuigan mit Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn geschaffen hat, von geradezu prometheischer Idiotie.

© Fox Deutschland

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Heaven Knows What

Glaubt man Lyriker Gottfried Benn, gibt es „nur zwei Dinge: die Leere/ und das gezeichnete Ich“. Er beschwört ein düsteres Bild der Welt, in der sich die Menschheit teilt, in jene, die am Abgrund stehen und die, die bereits abgestürzt sind. Das Drama Heaven Knows What der Brüder Joshua und Ben Safdie nimmt sich dem schmalen Grat dazwischen an und erzählt die Geschichte von Seiltänzern über dem Nichts.

© Mobile Kino

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Bauernopfer – Spiel der Könige

Schach ist nicht nur ein Spiel, sondern auch eine Metapher. Jede Partie erzählt die Geschichte einer Schlacht, in der Soldaten Türme einnehmen, Pferde sich über ihre Feinde hinwegsetzen und schlussendlich ein König gefangen genommen wird. Die abstrakten Figuren mit Bedeutung zu füllen drängt sich geradezu auf, und so versucht sich Edward Zwicks Filmbiographie Bauernopfer – Spiel der Könige daran, die Wirrungen globaler und persönlicher Konflikte in 64 überschaubaren Feldern unterzubringen. Doch während die Großmeister in der Geschichte um die Schachweltmeisterschaft von 1972 mit jedem neuen Spielzug überraschen, reiht der Film so offensichtliche Standardmanöver aneinander, dass der Zuschauer stets schon drei Züge weiter ist.

© StudioCanal Deutschland

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Spotlight – Nüchtern pathetisch

In seinen letzten Momenten wird Tom McCarthys Drama Spotlight zu einem gewaltigen Gefallenendenkmal: Weiße Schrift auf schwarzem Grund zeigt eine schier endlose Liste von Orten, an denen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche enthüllt wurden. Leinwand und Gedenktafel verschmelzen, Städte und Länder werden aufgeführt wie die Opfer eines Krieges. Journalismus ist für McCarthy nicht weniger als eine Schlacht um die Wahrheit. Wer dabei die Soldaten des Lichts sind, verrät schon der Titel. Doch strahlende Helden darf man im Spotlight-Team des Boston Globesnicht erwarten. Spotlight ist ein Film von grauem Pflichtbewusstsein, der selten zur großen Geste ausholt und ironischerweise gerade dadurch zur Apotheose wird.

© Paramount Pictures Germany

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