Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn

Mary Shellys Roman Frankenstein mag fast zweihundert Jahre alt sein, der Kraft seiner zentralen Ideen tut das keinen Abbruch. Der Diskurs um künstliche Intelligenz und Fortschritte der Genetik macht die Geschichte des modernen Prometheus so aktuell, wie sie es im viktorianischen Zeitalter war. Eigentlich spricht nichts gegen eine filmische Neuauflage des bekannten Stoffes und dem zeitgenössischen Hollywood-Kino mit seinen Remakes und Reboots ist die Reanimation nicht fremd. Leider ist die unheilige Kreation, die Regisseur Paul McGuigan mit Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn geschaffen hat, von geradezu prometheischer Idiotie.

© Fox Deutschland

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James Franco – Ein Selfie des Künstlers als junger Mann

Es gibt Titel, auf die man nicht unbedingt stolz sein muss. „King of Selfies“ ist ein solcher Titel. Das moderne Handy-Selbstporträt weckt viele negative Assoziationen: Narzissmus, Eitelkeit, ein übersteigertes Bedürfnis zur Selbstdarstellung. Die Amerikanische Gesellschaft für Psychologie (APA) nimmt sogar an, dass zu viele Selfies Ausdruck einer Geistesstörung sein könnten.


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Rezension: Still Alice – Mein Leben ohne Gestern

z1452609Es gibt Sätze, die man selbst in Filmen nicht sonderlich oft hört. „Ich wünschte, ich hätte Krebs.“, ist ein solcher Satz. Dabei wurde er mit großem Bedacht ausgewählt; Sprache war für Alice Howland immer schon das wertvollste aller Werkzeuge, zumindest das am besten beherrschte. Worte und Grammatik ordneten ihr Leben und gaben der Professorin der Linguistik einen Platz in der Welt. Eine Krebserkrankung bringt Tod und Schmerz, doch das ihre scheint ihr ein noch schlimmeres Schicksal: Eine Alzheimer-Erkrankung löst nach und nach ihre mühsam erbaute Sphäre aus Worten auf, raubt ihre Eloquenz und Erinnerungsfähigkeit.

Es ist einer dieser besonders sprechenden Titel: Still Alice. Immer noch Alice. Im Kampf mit der Krankheit geht es vor allem darum, das Selbst zu bewahren. (Als unnötigen deutschen Untertitel hat der Verleih „Mein Leben ohne Gestern“ ausgewählt.) Der Film, basierend auf Lisa Genovas gleichnamigen Roman, begleitet die Professorin und ihre Familie, während die Symptome zunehmend schlimmer werden. Kamera und Zuschauer folgen der Fünfzigjährigen auf Schritt und Tritt, immer wieder filmen die Regisseure Richard Glatze und Wash Westmoreland sie von hinten, während sie durch die Heimat wandelt, die mehr und mehr zu einem fremden Land wird. Weiterlesen