Rezension: The Boy and the Beast

boy-and-the-beast-movie-poster-1Mamoru Hosoda ist ein überaus begabter Regisseur, der sich manchmal selbst im Weg steht. Seit mehr als fünfzehn Jahren kreiert er herzerwärmende, detailverliebte Animationsfilme von großer Imaginationskraft, welche auf originelle Weise alltägliche Erfahrungen und Fantastik miteinander verschmelzen lassen. Mittels Zauberwesen und Magie drückt er die inneren Verwandlungen im Leben von Heranwachsenden aus, wie nur wenige es vermögen. Und doch: Ob Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, Summer Wars oder Aki und Mami – Die Wolfskinder – alle seine Filme streifen immer wieder kurz die Brillanz, nur um letztendlich doch auf die eine oder andere Art zu enttäuschen. Sein neuster Film The Boy and the Beast stellt dabei leider keine Ausnahme dar, ist aber dennoch ein bemerkenswertes Stück Anime-Kino.

Alles beginnt als eine Art Märchenerzählung: Neben der Welt der Menschen, so erklärt es der kurze Prolog, existiert auch eine der Bestien. Weil der dort herrschende Großmeister kurz davor steht, als Gott wiedergeboren zu werden, gilt es einen Neuen auszuwählen. Zwei Kandidaten kommen in Frage: Der beim Volk beliebte, überaus disziplinierte Eber Iozen und der bärbeißige Einzelgänger Kumatetsu. Letzterer ist zwar bereits ein erfahrener und starker Kämpfer, es fehlt ihm jedoch an Selbstbeherrschung und Empathie. Der Meister rät ihm, einen Schüler aufzunehmen, um seine Fähigkeiten weiterzugeben. Weiterlesen

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Rezension: Von Glücklichen Schafen

von-gluecklichen-schafenJedes Leben ist eine Geschichte, nur ist es eben nicht immer eine schöne. Die alleinerziehende Mutter Elmas will die ihre schon lange nicht mehr akzeptieren, sie hat zu viel Schlimmes erlebt. Um die Traumata der eigenen Vergangenheit ertragen zu können, hat sie aus ihnen Märchen gemacht, die sie ihren Kindern erzählt. Sie handeln (so auch der Name von Kadir Sözens Drama) „von glücklichen Schafen“. Von starken Hammeln, die unbedarfte Schafe bezirzen und dann verschwinden. Oder von hinterhältigen Kröten, die ihnen Gewalt antuen. Doch auch Elmas Gegenwart ist voller Fabeln. Um ihre Familie ernähren zu können, arbeitet sie als Prostituierte. Sohn und Tochter lässt sie glauben, dass sie ihr Geld als Krankenschwester verdient. Die Grenze zwischen Fantasie und Lüge verläuft dabei fließend. Weiterlesen

Rezension: Into the Woods

Into-the-Woods-US-PosterEs war einmal. Warum genau es war, das ist schwer zu beantworten. Wirklich verlangt nach einer Filmumsetzung von Stephen Sondheims und James Lapines Broadway-Erfolg Into the Woods hat wohl niemand. Bis auf die findigen Menschen von Disney vielleicht, die beim alltäglichen Geldspeicherbad bemerkten, dass man wieder einmal nachfüllen könnte. Zuletzt haben sich vor allem Märchenumsetzungen wie Alice im Wunderland, Die fantastische Welt von Oz, Maleficent, Tangled oder Frozen als äußerst lukrativ erwiesen. Was lag also näher, als das wirre Märchen-Misch-Masch-Musical von der Bühne ins Kino zu verfrachten?

Verpflichtet haben sie dazu den durchaus Musical-affinen Rob Marshall. Der ehemalige Broadway-Choreograph ist immerhin der Kopf hinter dem am schnellsten vergessenen Oscargewinner (Chicago), dem größten Schandfleck in Daniel Day-Lewis Karriere (Nine) und dem schlechtesten Fluch der Karibik-Teil (und das soll was heißen.) Das Ergebnis seiner Bemühungen ist alles andere als märchenhaft: Die inkohärenten Tonalitäten und Ideen von Into the Woods mit Frankenstein Monster zu vergleichen, wäre noch ein Kompliment. Es ist mehr ein zuckender Leichenhaufen – außerdem hatte das Monster ein Hirn. Weiterlesen