Rezension: Haindling – und überhaupts…

Haindling-DE-Poster02Haindling ist ein kleines, niederbayerisches Dorf mit etwa 100 Einwohnern, darunter auch der Volksmusiker Hans-Jürgen Buchner. Weil dem gebürtigen Berliner seine Wahlheimat so viel bedeutet, hat er auch seine Band Haindling genannt. Pünktlich zu seinem siebzigsten Geburtstag hat Regisseur Toni Schmid ein Filmporträt über ihn, seine Gruppe und seinen Wohnort gedreht. Und das heißt – selbstverständlich – auch Haindling.

Begonnen hat das Projekt als 45-minütiger Beitrag für den Bayerischen Rundfunk. Dem Filmteam schien die Zeit unzureichend, um über ein solch langes Leben und eine kaum weniger umfangreiche Karriere zu berichten. Es galt, Material aus drei Jahrzehnten Bandgeschichte zu verarbeiten. Die Laufzeit verdoppelte sich, aus dem Fernseh- wurde so ein Kinofilm. Leider spürt man den Ursprung des Projekts in nahezu jeder Szene. Was da geboten wird, wäre im BR-Nachmittagsprogramm (vielleicht zwischen Dahoam is Dahoam und Jetzt red i) mit Sicherheit gut aufgehoben. Künstlich auf Spielfilmlänge aufgeblasen, fehlt es Haindling – und überhaupt’s… massiv an Substanz. Weiterlesen

Rezension: Frank

frank-poster-usMehr noch als die Kunst lieben wir ihren Mythos. Kein großes Werk der Kunst-, Film-, Musik- oder Literaturgeschichte scheint ohne eine leidensvolle Genesis auszukommen. Aus diesem Grund werden Biographien geschrieben, deshalb gibt es Making-Ofs. Wer über Walden von Henry David Thoreau spricht, der denkt selten nur an die tatsächliche Prosa, sondern eher an die mit dem Schaffensprozess verbundene Weltflucht, an Thoreaus Rückzug von Menschen und Zivilisation. Das Mär von  der geheimnisvollen Waldhütte, Symbol für einen gänzlich auf sich zurückgeworfenen Kreativen, gibt es auch 170 Jahre später noch. Kein Artikel über einen Musiker wie Justin Vernon (Bon Iver) kommt ohne sie aus. Weiterlesen

Eine Explosion, zwei Himmel: Die Musik von Prince Avalanche und Lone Survivor

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Die Filmmusik ist schon fast so alt wie der Film selbst. Ob es darum ging, das laute Rattern der Projektoren zu übertönen oder einfach nur die dem Menschen fremd gewordene Stille zu füllen, sicher ist, dass schon frühe Vorführung etwa von Pianisten oder Geigern unterlegt wurden.  Mit der Zeit wurde die Technik immer weiter verfeinert, wo zunächst bekannte Stücke oder Improvisationen vorherrschten,  traten bald spezifisch auf einen Film, sogar auf bestimmte Szenen zugeschnittene Stücke. Bereits vor dem Tonfilm wurden für manche Filme spezielle Partituren geschrieben. Als  1927 Der Jazzsänger erschien, waren Musik und Film schon lange zu einer gemeinsamen audiovisuellen Erfahrung verschmolzen. Weiterlesen

Rezension: Inside Llewyn Davis

InsideLlewynDavisFirstTeaserposter1Auf dem Cover der LP steht Dave Van Ronk vor dem Eingang einer Bar. Er schaut aus dem Bild, wohin genau ist unklar. Eine Katze beobachtet ihn. „Inside/ Dave Van Ronk“ versprechen die leicht geschwungenen, orangenen Lettern, die neben dem Folk- und Bluesmusiker in der Luft zu schweben scheinen. Der Trennstrich ist im Titel des neuen Film der Brüder Ethan und Joel Coen verschwunden, dafür ist der Name ein anderer. Die Filmemacher wollen mit uns in einen Menschen blicken, aber natürlich nur in eine Leinwandfigur.

Diese heißt Llewyn Davis (gespielt von Oscar Isaac) und ist ein Bohemien wie er im Buche steht: Wohnungslos übernachtet der eher erfolglose Gitarrist und Sänger auf jedem Sofa (oder Wohnungsboden), dass ihm im New York der frühen sechziger Jahre zur Verfügung gestellt wird. Das Label, bei dem seine Platten erscheinen, nutzt ihn schamlos aus, Geld sieht er so selten, dass er sogar auf Tantieme verzichtet nur um schneller an einen Scheck zu kommen. Weiterlesen