Hidden Figures

Das Unvermeidbare kann sehr beruhigend sein. Es kennt keinen Zwang und lädt zur behaglichen Passivität ein. Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen von Theodore Melfi lässt die Geschichte auf Schienen fahren, deren Weichen längst gestellt sind. Basierend auf dem gleichnamigen Buch von Margot Lee Shetterly erzählt die Filmbiografie davon, wie das Überqueren der letzten Grenze Weltraum automatisch auch Barrikaden auf der Erde einreißt. Davon, wie technischer Fortschritt, einer Lawine gleich alles mitreißend, immer auch gesellschaftlichen mit sich bringt.

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Spotlight – Nüchtern pathetisch

In seinen letzten Momenten wird Tom McCarthys Drama Spotlight zu einem gewaltigen Gefallenendenkmal: Weiße Schrift auf schwarzem Grund zeigt eine schier endlose Liste von Orten, an denen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche enthüllt wurden. Leinwand und Gedenktafel verschmelzen, Städte und Länder werden aufgeführt wie die Opfer eines Krieges. Journalismus ist für McCarthy nicht weniger als eine Schlacht um die Wahrheit. Wer dabei die Soldaten des Lichts sind, verrät schon der Titel. Doch strahlende Helden darf man im Spotlight-Team des Boston Globesnicht erwarten. Spotlight ist ein Film von grauem Pflichtbewusstsein, der selten zur großen Geste ausholt und ironischerweise gerade dadurch zur Apotheose wird.

© Paramount Pictures Germany

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J. K. Simmons – Kontrollierter Wahnsinn

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An diesem Sonntag wird J. K. Simmons einen Oscar gewinnen. Die Verleihung selbst scheint eigentlich nur noch eine Formalität, ein logisch aus der Tonika entspringender Schlussakkord. Den zwischen perfektionistisch und grausam changierenden Musiklehrer Terrence Fletcher spielt er in Damien Chazelles Drama Whiplash wie einen Drill Instructor: Laut, tobend, angsteinflößend. Doch mehr als alle diese Eigenschaften definiert ihn eine weitere: Präzision. Weiterlesen

Rezension: Foxcatcher

Foxcatcher-US-PosterMark Schultz spricht wenig, er handelt lieber. Der Ringer, gespielt von Muskelberg Channing Tatum kommuniziert vor allem über Umarmung und Würgegriff – zwei Bewegungen, die einander so unähnlich nicht sind. Beide haben sie etwas Besitzergreifendes, es sind zwei Seiten einer Medaille. Und mit Medaillen kennt sich Olympiasieger Schultz aus. Er hat gelernt, dass sie schwer um den eigenen Hals liegen: Trotz aller sportlichen Erfolge hat es für ihn nie wirklich zur Zufriedenheit gereicht. Während sein Bruder David im Familienglück schwelgt, ist sein Leben wenig mehr als die Summe karger Trainingsräume. Seine Welt, geschaffen von Bennet Millers Foxcatcher, ist leer und grau.

Was folgt ist kein Sportfilm. Es soll zumindest keiner sein, obwohl es viele innere und äußere Kämpfe zu sehen gibt. Alle Figuren ringen, mit sich selbst wie mit anderen. Es ist ein Ringen um Kontrolle, um Macht und um Anerkennung. Miller erzählt eine düstere Liebesgeschichte. Am Anfang jeder Romanze treffen zwei Fremde aufeinander und ihre Leben verändern sich für immer. Als Schultz überraschend einen Anruf von Multimillionär John du Pont erhält, kennt er ihn kaum. Er wird ihn kennen lernen, ihn und seine Welt. Weiterlesen