Rezension: Still Alice – Mein Leben ohne Gestern

z1452609Es gibt Sätze, die man selbst in Filmen nicht sonderlich oft hört. „Ich wünschte, ich hätte Krebs.“, ist ein solcher Satz. Dabei wurde er mit großem Bedacht ausgewählt; Sprache war für Alice Howland immer schon das wertvollste aller Werkzeuge, zumindest das am besten beherrschte. Worte und Grammatik ordneten ihr Leben und gaben der Professorin der Linguistik einen Platz in der Welt. Eine Krebserkrankung bringt Tod und Schmerz, doch das ihre scheint ihr ein noch schlimmeres Schicksal: Eine Alzheimer-Erkrankung löst nach und nach ihre mühsam erbaute Sphäre aus Worten auf, raubt ihre Eloquenz und Erinnerungsfähigkeit.

Es ist einer dieser besonders sprechenden Titel: Still Alice. Immer noch Alice. Im Kampf mit der Krankheit geht es vor allem darum, das Selbst zu bewahren. (Als unnötigen deutschen Untertitel hat der Verleih „Mein Leben ohne Gestern“ ausgewählt.) Der Film, basierend auf Lisa Genovas gleichnamigen Roman, begleitet die Professorin und ihre Familie, während die Symptome zunehmend schlimmer werden. Kamera und Zuschauer folgen der Fünfzigjährigen auf Schritt und Tritt, immer wieder filmen die Regisseure Richard Glatze und Wash Westmoreland sie von hinten, während sie durch die Heimat wandelt, die mehr und mehr zu einem fremden Land wird. Weiterlesen

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Rezension: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben

TuringDie Geschichte von Alan Turing ist erschütternd, ihre Kinoumsetzung erschütternd einfallslos. Selten hatte ein Film seinem Stoff so viel zu verdanken und selbst so wenig Eigenes beizutragen. The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben will (basierend auf der Biographie Alan Turing – Enigma von Andrew Hodges) erzählen, wie der britische Mathematiker und Mitbegründer der modernen Computertechnologie den Enigma-Code der Nazis knackte. Seine Verfolgung als Homosexueller verkommt dabei zur Randnotiz.

Denn so funktioniert Hollywoods Prestige-Kino nun einmal: Lebensbejahende, inspirierende Geschichten über bedeutsame Menschen, die trotz aller Widerstände triumphieren. Vage liberal, aber auf keinen Fall zu politisch. Und so inszeniert Morten Tyldum (zuletzt: Headhunters) eine Kryptographie-Version von The Kings Speech: Auf keinen Fall handwerklich schlecht, narrativ zufriedenstellend, gut gespielt – aber leider ohne einen Hauch von Originalität. Weiterlesen

Oscartipps 2014

Oscars_2014

Am kommenden Sonntag werden bereits zum 86. Mal die Academy Awards of Merit vergeben. Seit der Preis 1929 ins Leben gerufen wurde ist der er durch eine ganze Reihe von Inkarnationsformen gegangen. Heute wie damals wird erhitzt über Aussagekraft und Nutzen der Auszeichnung gestritten, die sich Hollywood jedes Jahr aufs neue selber verleiht. Unabhängig davon, ob man in den goldenen Statuen ein reines Marketingwerkzeug sieht, einen Indikator für den besten Film eines Jahres oder vor allem ein nützliches Instrument zum erfassen des Zeitgeistes, sicher ist: Es handelt sich immer noch um den populärsten und präsentesten Filmpreis der Welt. 2013 war ein starkes Jahr für Hollywood, das Teilnehmerfeld strotzt nur so vor originellen und unterhaltsamen Filmen.  Im Folgend gibt es eine kurze Einschätzung bezüglich der erwarteten Sieger (fettgedruckt) – nicht immer sind diese auch die gewünschten. Weiterlesen