James Franco – Ein Selfie des Künstlers als junger Mann

Es gibt Titel, auf die man nicht unbedingt stolz sein muss. „King of Selfies“ ist ein solcher Titel. Das moderne Handy-Selbstporträt weckt viele negative Assoziationen: Narzissmus, Eitelkeit, ein übersteigertes Bedürfnis zur Selbstdarstellung. Die Amerikanische Gesellschaft für Psychologie (APA) nimmt sogar an, dass zu viele Selfies Ausdruck einer Geistesstörung sein könnten.


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Aardman Animations – Eine Welt voller Schafe

Shaun the Sheep the Movie

Ein wenig ist die Geschichte des Kino wie die vom Turmbau zu Babel: Am Anfang standen die Bilder, und jeder konnte sie verstehen, unabhängig von Nationalität und Herkunft. Jedes Land hat eigene Slapstick-Stars hervorgebracht, ausgestattet mit einem Vokabular aus Pantomimen und Artistik. In Amerika waren das Stars wie Charlie Chaplin und Buster Keaton, Harold Lloyd, die Marx Brothers, Laurel und Hardy. In Italien verzauberte Totò die Massen, in Frankreich war es Jacques Tati und in Indien Raj Kapoor. Doch auch wenn diese Figuren jeweils die landestypische Version eines Archetypen darstellten, konnte jeder sie genießen. Erst mit dem Tonfilm zerfiel die Welt des Kinos zunehmend und Landesgrenzen kam wieder mehr Bedeutung zu. Doch auch heute lebt die Tradition des Films als universelle Sprache weiter, wahrscheinlich selten so sehr, wie in den Filmen von Aardman Animations. Figuren wie Wallace & Gromit oder Shaun das Schaf (dessen erstes Kinoabenteuer ab dieser Woche überall in Deutschland zu sehen ist) mögen auf den ersten Blick sehr britisch sein – trotzdem begeistern sie Kinder und Junggebliebene über den ganzen Erdball verteilt. Weiterlesen

Julianne Moore – Does naked make it art?

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Man könnte sich gegenüber Julianne Moore sehr unfair verhalten und behaupten: Wenn sie in einem Film nicht gerade weint, dann ist sie nackt. Natürlich wäre es eine Verallgemeinerung, natürlich auch das, was Hollywood eben von Schauspielerinnen verlangt. Andererseits hat diese Aussage einen wahren Kern: Gerade diese zwei Akte sind es, die Moores Schauspiel am stärksten prägen, weil sie aus ihnen auf der Leinwand machen kann, was sie auch in der Wirklichkeit sind – Momente der Selbstoffenbarung, physisch wie psychisch. „Why are they always naked? Does naked make it art?“ wird eine ihrer Figuren, Marian aus Robert Altmans Short Cuts, gefragt. Marian antwortet nicht – das übernimmt Julianne Moore für sie. Weiterlesen

Clint Eastwood – Schuld und Sühne in Amerika

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Das Selbstverständnis jedes Regisseurs findet sich in seinen Bildern wieder. Wenn Clint Eastwood sich in Erbarmungslos gegen das schwache Licht der aufgehenden Sonne filmen lässt, dann wird aus dem einsamen Cowboy Will Munny ein Schatten. Eine mythische Gestalt, die mehr Idee als Mensch ist. Munny reitet hier aber nicht, wie für Westernhelden üblich, in den Sonnenuntergang, sondern hebt ein Grab für seine verstorbene Frau aus. In einer Szene erklärt er: „Jemanden zu töten ist eine schlimme Sache. Du löscht alles aus, was er war und je hätte sein können.“ Chris Kyle, Scharfschütze der Navy-SEALs und Hauptfigur von Eastwoods neuestem Film American Sniper  hat es auf über 160 bestätigte Abschüsse gebracht, hat über 160 Mal ausgelöscht. Genau wie bei Munny waren unter seinen Opfern Frauen und Kinder.Doch irgendwo in den zwei Dekaden, die zwischen diesen Filmen vergangenen sind, muss etwas geschehen sein. Eastwoods Haltung zu Munny war eine andere als die zu Kyle. Weiterlesen

J. K. Simmons – Kontrollierter Wahnsinn

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An diesem Sonntag wird J. K. Simmons einen Oscar gewinnen. Die Verleihung selbst scheint eigentlich nur noch eine Formalität, ein logisch aus der Tonika entspringender Schlussakkord. Den zwischen perfektionistisch und grausam changierenden Musiklehrer Terrence Fletcher spielt er in Damien Chazelles Drama Whiplash wie einen Drill Instructor: Laut, tobend, angsteinflößend. Doch mehr als alle diese Eigenschaften definiert ihn eine weitere: Präzision. Weiterlesen