Rezension: RoboCop (2014)

robocop-poster-2691231Paul Verhoeven ist kein subtiler Filmemacher: Wenn er uns zeigen will, dass es dem amerikanische Actionkino an Intellekt fehlt und dafür blinder Militarismus vorherrscht, lässt er in Starship Troopers johlende Soldaten ein gewaltiges Gehirn einsperren. Und so ist auch RoboCop, seine Satire auf  Reagens Amerika, die Entmenschlichung durch Technologie und die Gier des Kapitalismus kein Werk der Nuancen und leisen Töne. Seine Welt ist bevölkert von egoistischen, karrieristischen Anzugträgern, welche die blutige Hinrichtung eines Kollegen durch einen falsch programmierten Kampfroboter mit Sätzen wie, I’m sure it’s only a glitch. A temporary setback.“, kommentieren. Aber gerade dieser beißende, gnadenlose Spott, diese amplifzierte Pointierung der Verachtung für alles, dem Verhoeven kritisch gegenüber stand,  gab dem Filme einen speziellen Charme.

Umso erstaunlicher ist es, das es Regisseur José Padilha mehr als 25 Jahre später gelingt, einen Film zu schaffen, der zwar noch weniger subtil ist, aber gleichzeitig einen großen Teil vom Charme des Originales eingebüßt. Dabei ist die Handlung im Kern fast die gleiche: Weiterlesen

Rezension: Philomena

philomena-movie-poster-2Religion und die rührseligen Alltagsgeschichten, die wir aus dem angelsächsischen Sprachraum als „Human Interest Stories“ kennen, haben mehr gemeinsam, als Vielen bewusst sein wird. Beide ermöglichen uns, der grauen, oft unangenehmen Routine des Lebens einen besonderen Anstrich zu geben und versprechen, dass es auch Gutes in der Welt gibt. Menschen versuchen stets ihr Leben in Narrativen zu ordnen.

Aufeinander treffen Beide in der Geschichte von Philomena Lee, welche nun von Filmemacher Stephen Frears (Mein wunderbarer Waschsalon, Die Queen) nach einer Buchverwertung, auch in die Kinos gebracht wird. Der mittlerweile pensionierten Krankenschwester (Judi Dench) wurde in jungen Jahren ein unehelich gezeugtes Kind von Nonnen abgenommen und an amerikanische Adoptiveltern abgegeben. Seit dem hat sie ihren Sohn nicht mehr gesehen, Weiterlesen

Rezension: jOBS

jobs-poster-ashton-kutcherÜber David Leans „Lawrence von Arabien“ hat der Filmhistoriker Ulrich Gregor einmal geschrieben, es handele sich bei dem Film um die „romantische Glorifizierung eines Übermenschen“. Und sicher, der mehrstündige Abenteuerfilm, voll mit glorreichen Gefechten und anderweitigen, nicht minder heroischen Taten, zeichnet kein historisch akkurates Bild des britischen Offiziers Thomas Edward Lawrence. Wen auch immer Peter O´Toole auf der Leinwand verkörperte – dieser Mensch war faszinierend und aufregend, aber auch voller Selbstzweifel und im Endeffekt zum Umdenken gezwungen, selbstreflektiert. Die Schrecken des Krieges trieben ihn weit fort von jeder Heldenverehrung. Dennoch gibt es Statuen von ihm, sein Angesicht in Stein gemeißelt und für nachfolgende Generationen bewahren. Menschen sind stets auf der Suche nach Helden.

Für viele ist Apple-Mitbegründer Steve Jobs ein solcher, Weiterlesen

Rezension: The World´s End

the-worlds-end-poster02Die Sisters of Mercy sind eine der zahllosen Rockbands, die den Gipfel ihres Erfolgs in den achtziger Jahren erklommen, nur um danach in Vergessenheit zu geraten. Und wie so oft gab es Comeback-Versuche, eine Reuniontour in den Neunzigern, Konzerte bis in das Jahr 2013. Immer wieder betrachten Fans und Menschen, die sich früher solche nannten, kopfschüttelnd wie Idole der Jugend nicht ablassen können und bis ins hohe Alter versuchen, die Zeit ihrer warholschen 15 Minuten wieder aufleben zu lassen. Viele Menschen hängen dem vermeintlichen Höhepunkt ihres Lebens lange nach, nicht jeder Mensch altert in Würde.

Garry King ist einer dieser Menschen. Als schlacksiger Siebzehnjähriger trägt er ein T-Shirt der britischen Rockband. Als wir Ihn zu Beginn von Edgar Wrights neuem Film, The World´s End, treffen, ist er um 20 Jahre gealtert, das Shirt ist das Gleiche. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit ist es sogar dasselbe. Weiterlesen

Rezension: Only God Forgives

ONLY-GOD-FORGIVES-Poster2In Cannes ausgebuht, von Kritikern als „so lächerlich schlecht wie Showgirls oder Battlefield Earth“ und „cineastische Darmentleerung“ verspottet: Schon vor seinem offiziellen Start in den Kinos umgab Nicolas Winding Refns neuer Film Only God Forgives ein Hauch von Kontroverse und Anrüchigkeit.  Nachdem Refns letzter Film, Drive, sowohl bei Publikum als auch bei der Kritik sehr gut aufgenommen wurde, war die Erwartungshaltung hoch. Fans freuten sich auf mehr von der Mischung aus ruhigen, stilisierten Bildern und pointierten Eruptionen von Action und Gewalt. Refn leistet diesen Wünschen, in gewisser Weise, Folge – aber nicht so, wie Drive-Anhänger es erwarten würden. Weiterlesen

Rezension: We Steal Secrets – The Story of Wikileaks

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Jede gute Geschichte lebt von ihren Hauptdarstellern, und dabei ist der Dokumentarfilm keine Ausnahme. Im Fall von We Steal Secrets handelt es sich bei diesen um Hacker und Politaktivist Julian Assange sowie US-Soldat und Whistleblower Bradley Manning. Der Film beschäftigt sich mit der Enthüllungsplattform Wikileaks, ihrer Geschichte und den am Projekt beteiligten Aktivisten. Dabei ist Regisseur Alex Gibney sicher nicht der Erste, der sich mit dem so aktuellen wie kontroversen Thema auseinandersetzt. Dennoch findet der Filmmacher (unter anderem bekannt durch die Oscar-prämierte Dokumentation Taxi to the Dark Side über Folter durch Soldaten in Afghanistan) einen sehr eigenen Blickwinkel und stellt vor allem die Menschen Assange und Manning in den Mittelpunkt – eine kluge Wahl, sind Beide doch auf ihre ganz eigene Art einnehmend und charismatisch.

Als Einstieg dient dem Film der Wank-Wurm, ein Angriff auf NASA-Computer durch australische Hacker – Assange könnte einer davon gewesen sein, spekuliert der Film. Danach wird der Aufstieg des weißhaarigen Aktivisten zum Wikileaks-Chef dargestellt, immer in einer Mischung aus sehr gut ausgewähltem Archivmaterial, passenden Talking-Head-Interview und gelegentlichen Voice-Over Kommentaren von Gibney selber. Dieser bleibt aber meist wenig präsent, mit den sehr persönlichen, auf den Regisseur fixierten Essay-Dokus, wie etwa Michael Moore sie schafft, hat We Steal Secrets wenig zu tun. Was nicht heißt, dass man die persönlichen Standpunkte nicht wahrnehmen würde. Gibney:

You can never be truly neutral, because in the course of making a movie, you form certain opinions.

Auf Assanges erste Aktivitäten blick der Film noch sehr wohlwollend. In Island, wo 2009 Daten der Kaupthing Bank der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, sehen wir ihn als Held der Massen. Er wird uns als eloquenter Rebell gezeigt – ein bisschen selbstverliebt, aber mit dem Herz am rechten Fleck. An Anschaulichen Beispielen wird gezeigt, was Wikileaks tut, wie es diese Dinge tut, und welchen Nutzen  dass für die Menschen hat. Höhepunkt sind hierbei die Enthüllungen um die Luftangriffe in Bagdad aus dem Juli 2007, die im Mai 2010 in Form des Videos Collateral Murder durch die Presse gehen. Zu sehen ist, wie US-Militärs Unschuldige, unter anderem Reuters-Journalisten, mit einer an Videospiele erinnernden Begeisterung erschießen lassen. In diesem Moment sind wir vollends auf Seiten der Enthüller.

But then you have to constantly reassess those and look at things from another viewpoint.

Im Rahmen dieser Daten kommt der Film auch auf Bradley Manning, Private First Class der US-Armee, zu sprechen.Der schüchterne junge Mann ist nur selten in Videos zu sehen, meist werden  Chat-Logs seiner Online-Unterhaltungen gezeigt. Bezeichnend, zieht sich der in der Armee als Sonderling geltende  doch immer weiter aus der echten in die virtuelle Welt zurück. Manning ist eine zutiefst tragische Figur, der klassische Zweifler in einer Masse aus Gefolgsleuten. Nicht nur seine Homosexualität und die Don´t Ask, Don´t Tell-Politik des Militärs machen ihm zu schaffen, auch die Frage um die Moral seines Handelns will ihn nicht loslassen. Er ringt mit sich selbst, reflektiert, leidet. Er bildet somit einen starken Kontrast zum selbstbewussten, manchmal sogar arroganten und herrisch auftretenden Assange.

 In this film, for the first two-thirds you want to sign up for the Julian Assange crusade, but then his character leads us in a different direction. Some would say he ended up compromising the very principles of openness that he espoused. Conversely, Bradley Manning becomes more sympathetic as we learn what he suffers in the interests of disclosure. Ultimately, I think that the issues they raise will live beyond this particular case.

Gibney lässt Manning immer mehr zum Helden, und den Wikileaks-Chef immer mehr zum Egomanen werden. Man kann nur Loben, das nicht eine simple Eloge auf die Whistleblower, sondern ein Stück Journalismus das Ergebnis ist. Auch die düsteren, unangenehmen Kapitel der Geschichte werden Erzählt. Es gibt Vergewaltigungsvorwürfe gegen Assange, eins der möglichen Opfer kommt zu Wort. Ehemalige Freunde und Anhänger haben sich mit der Zeit von Assange abgewendet – etwa der deutsche Daniel Domscheit-Berg, der sich heute kritisch über ihre Zusammenarbeit äußert. Assange selbst Distanziert sich demonstrativ vom Film und hatte bereits vor dem Anlaufen ein Dokument mit Korrekturen und Kritik veröffentlicht. Wirklich fundamental ändern diese aber das Gesamtbild des Films nicht ab.

Im Endeffekt macht der Regisseur stets deutlich, dass die Thematik größer und langlebiger als ihre Protagonisten ist. Sie sind für Gibney menschliches Antlitz einer Idee, die er weiter unterstützt, auch wenn ihre Agenten fehlbar sind wie Assange, oder verletzlich wie Manning.

We Steal Secrets ist eine wirklich gelungene Mischung aus Information und Unterhaltung, aus Fakten und Meinung, Persönlichem und Politik. Wir sehen Assange auf einer Diskotanzfläche hampeln und auf einem Trampolin springend telefonieren, aber auch auf Kongressen sprechen und sich in Interviews erklären. Wir sehen Manning als verletzlich und hören die Geschichte, wie er von seiner Vorgesetzten zu Boden gerungen wird. Sein Name in Chatrooms ist bradass87. Wir sehen aber auch die Tränen von Hacker Adrian Lamo, durch den Manning im Gefängnis sitzt. We Steal Secrets zeigt die menschlichen Seite eines durch menschen verschuldeten Skandals. Der Film lässt den Zuschauer zurück mit neuem Wissen und neuem Willen zu Handeln.

Rezension: Man of Steel

Man-of-Steel-posterZum Thema Superhelden ist eigentlich alles gesagt. Dennoch scheint das Publikum der Comic-Umsetzungen nicht Müde zu werden, Filme wie Iron Man 3 oder The Avengers im vergangenen Sommer waren überwältigende Erfolge. Im Zuge dieses anhaltenden Trends hievt DC Comics ein weiteres Mal den unverwundbaren Außerirdischen Kal-El auf die Leinwand – den meisten besser bekannt als Clark Kent oder einfach Superman. Der letzte Filme mit dem Mann aus Stahl, Superman Returns von 2006, war ein veritabler Flop, aushelfen sollen diesmal der im Bereich Comicverfilmungen erfahrene Regisseur Zack Snyder (300, Watchmen) und, als Produzent und am Drehbuch beteiligt, Christopher Nolan. Im Vorfeld versprachen sich Fans eine Modernisierung der Materie, als Vorbild wurde die Dark Knight Reihe gesehen. Den Superman hat als Figur einige Probleme: Unverwundbarkeit, Eindeutigkeit. Wie kann aus dem strahlenden, unbezwingbaren Saubermann ein Mensch werden, mit dem man mitfühlt und um den man sich auf der Leinwand sorgt.

Die Antwort auf diese Frage bleibt Man of Steel schuldig. Die Handlung ist schnell erzählt: Kal-El (Henry Cavill) wird von seinem Vater Jor-El (Russel Crowe) in einer Rettungskapsel Richtung Erde geschickt – ihr Heimatplanet Krypton steht kurz vor der Explosion. Sein Raumschiff landet bei dem Ehepaar Kent (Kevin Costner/Diane Lane), diese nehmen den Säugling bei sich auf. Sie taufen den Jungen auf den Namen Clark Kent, bald stellen sie fest, das Clark besondere Kräfte hat. Auch Reporterin Lois Lane (Amy Adams) kommt dem als Retter in der Not durchs Land Ziehenden bald auf die Schliche. Als der verbannte kryptonische General Zod (Michael Shannon) auf die Erde kommt, um Clark und die Erde zu vernichten, muss dieser den Kampf aufnehmen.

Die Geschichte des 140-Minuten Films ist hoffnungslos mit alberner Hintergrundgeschichte überfrachtet. Von Terraforming-Planetenwandler ist die Rede, von einem Codex der die genetische Daten aller Bewohner Kryptons enthält, und auch von Phantom-Antrieben und schwarzen Löchern. Technobabble füllt den dünn mit Handlung ausgestatteten Film, später übernehmen Actionszenen und einstürzende Gebäude diese Rolle. Exposition und Explosionen sind die beiden Standbeine des Films. Das Tempo des Films ist selten gelungen – Snyder scheitert beim inszenieren einer Zwischenstufe zwischen Hektik und Stillstand.

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Der junge Clark Kent und sein Ziehvater Jonathan

Trotz talentierter Darsteller sind die Charaktere langweilige Pappaufsteller, leblose Actionfiguren, die vom Regisseur  durch die CGI-Bilder geschoben werden. Wirklich zum Schauspiel kommt niemand, Cavill als Stahlmann bleibt glatt und leer, Adams Lois Lane ist ein Lehrbuch-Beispiel, wie eine starke Frauenfigur nicht gezeichnet werden sollte. Selbst Michael Shannon, der zuletzt in den Jeff Nicols-Filmen Mud und Take Shelter brillierte, gibt sich als grimmig dreinblickender Schurke Zod der Lächerlichkeit preis. Denn genau wie die Protagonisten in Man of Steel die uneingeschränkte Verkörperung des Guten sind, sind die Bösen chargierende Superschurken die etwa über den evolutionären Nachteil von Mitleid schwadronieren. Hinfort ist die Ambivalenz eins Dark Knights – Grauzonen sucht man hier vergebens.

Zuletzt bleibt die Frage, ob wenigstens die Schauwerte überzeugen können. Doch Snyders überrstilisierten CGI-Schlachten fühlen sich leer und abgedroschen ab. Superman und Gegner werfen sich durch Häuserblocks und Tankstellen, verwüsten ganze Landstriche und schleudern einander aus der Atmosphäre. Doch die Schlage haben keinerlei Gewicht: Nie hat man das Gefühl, Kal-El wäre wirklich in Gefahr. Um anderen Figuren scheint es dem Regisseur nicht zu gehen, Metropolis wird nach der Endschlacht wohl einige Tausend Einwohner weniger haben, sterben sehen wir keinen Einzigen. Die Explosionen und Zerstörungs-Orgien wirken wie filmgewordener Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem Schrecken der Wirklichkeit: Wenn die Zielgruppe des Films mit Nachrichtenbildern von 9/11 aufgewachsen ist, multipliziert man das Gesehene eben ins Hundertfache.

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Früher war Superman, unter anderem, auch eine Propagandafigur. Als Symbol für die Überlegenheit des American Way of Life war er eine Art Übermensch in Rot, Weiß und Blau. Fast traurig ist, das seit dieser Zeit keine sichtbare Veränderung stattgefunden hat. Nolan, Snyder und Goyer können uns keinen Grund liefern, warum Superman spannend oder interessant ist. Mehr als Muskel-Fetisch und Zerstörung wird dem Zuschauer nicht geboten. Der Mann im Cape darf gerne endgültig in der Versenkung verschwinden und das abgeschmackte, seelenlose Superhelden-Genre mitnehmen.