Über Denken und Fühlen in aktuellen Science-Fiction-Filmen

Science-Fiction ist kein Genre, das mit großen Emotionen in Verbindung gebracht wird, zumindest nicht im gleichen Maße wie Liebesfilme oder Dramen. Wissenschaft (Science) gilt als objektiv und rational, was mit Gefühlsneutralität oder -kälte gleichgesetzt wird. Science-Fiction-Regisseure betonen meist Struktur und Plot-Mechanik. Ihre Figuren werden Spielbälle gewaltiger Veränderungsprozesse, Teil eines großen Ganzen oder einfach in interplanetaren Kriegen dahingerafft. Im besten Fall sind sie Zahnräder, im schlimmsten Fall werden sie zwischen solchen zermalmt. Bekannte Vertreter des Genres wie Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum verdeutlichen auf diese Weise, wie unbedeutend das menschliche Handeln für die gesamte Galaxis ist.

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Über das Problem von Technologiekritik in Kino und Serien

Wenn Menschen heute noch Visionen für die Zukunft formulieren, dann richtet sich ihr utopisches Denken auf Technologie. Dabei hat sich so etwas wie ein Antagonismus entwickelt, vielleicht ist es aber auch einfach Arbeitsteilung: Während die Technologiefirmen des Silicon Valley jeden Tag neue Weltrettungsversprechen machen, zerstören in Hollywood und der Unterhaltungsbranche im Allgemeinen Roboter, künstliche Intelligenz, Drohnen, Überwachungssysteme, Smartphones, soziale Netzwerke und Co. regelmäßig den Planeten, zumindest aber das menschliche Zusammenleben und alles, was gut und heilig ist.

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Rezension: Z for Zachariah

zfz-posterManche Peinlichkeiten überdauern selbst die Zivilisation: John und Ann mögen zu den letzten lebenden Menschen auf dem Planeten gehören, doch wenn sie vorsichtige Liebesbande knüpfen, dann wird das von denselben schüchternen Blicken und nervösen Worten begleitet, die auch vor dem nuklearen Armageddon üblich waren. In Z for Zachariah sucht Regisseur Craig Zobels in einer postapokalyptischen Welt nach den Resten alter und den Vorzeichen neuer Trennlinien zwischen den Menschen. Nie wurde der Kampf ums Dasein unaufgeregter geführt.

Die Farm, auf der Ann Burden (Margot Robbie) einst aufwuchs und die kleine Gemeinde um sie herum sind wie durch ein Wunder (oder ein Wetterphänomen?) von der Katastrophe verschont geblieben. Ihre Familie ist entweder tot oder in der Welt verstreut, sie lebt allein mit ihrem Hund – bis Ingenieur John Loomis (Chiwetel Ejiofor) plötzlich in einem riesigen Strahlenanzug in einem nahen Waldgebiet auftaucht. Er hat gesundheitliche Probleme und Ann nimmt ihn ohne größere Bedenken bei sich auf, um ihn zu pflegen. Weiterlesen

Rezension: Ex Machina

Ängste verändern sich, weil der Mensch sich verändert. Sie sind wie Schatten, nicht immer sichtbar, aber stets zugegen. Wo wir stehen, bestimmt ihre Form. Die Furcht vor der Versklavung des Menschen durch die Technologie ist so alt wie unsere ersten Werkzeuge. Stanley Kubrick erkannte die Ahnenlinie zwischen Knochen und Raumschiff, ließ sie verschmelzen. Doch heute ist die Angst nicht mehr, dass unsere mechanischen und robotischen Sklaven uns unterjochen oder einfach vernichten. Gegenüber den gewaltigen Datenströmen des Internets können wir – in Körpern wandelnde Hirne gesteuert von kleinen Datenströmen – nicht anders, als ein Gefühl von Obsoleszenz zu verspüren. Wir fürchten die Gewalt der Terminatoren noch, aber hinzugekommen ist etwas vermeintlich Sanftmütiges, jedoch unendlich viel Grausameres. Was, wenn der Mensch abgelöst wird, überwunden gar? Wenn all unser Ringen umsonst war, Leiden und Lieben der Massen sich als Problem im Code herausstellt, als Fehler, und letztendlich unsere eigenen Geschöpfe zu der Gottheit werden, die wir immer verehrt haben. Von dieser Angst handelt Alexander Garlands Ex Machina. Weiterlesen

Slaugherhouse-Five: Zeitreise zum Unzeigbaren

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Wenn im altehrwürdigen Literarischen Quartett einem Roman attestiert wurde, er sei schon mit dem Blick auf eine mögliche Verfilmung geschrieben, dann war das meistens kein Kompliment. Kurt Vonneguts Slaughterhouse-Five kann man jedoch filmische Qualitäten attestieren, ohne das in irgendeiner Weise negativ zu meinen. Durch die Macht des Schnitts durchschreiten Filmemacher in ihrem Werk mühelos Raum und Zeit. Orte, die tausende Kilometer voneinander entfernt liegen, sind plötzlich durch eine Tür verbunden. Oder einen Blick. Während einer Überblendung, die für den Zuschauer Sekunden dauert, können im Film Jahrhunderte vergehen. Weiterlesen

Rezension: Predestination

Predestination-US-PosterZeitreisefilme sprechen oft eine sehr spezielle Zielgruppe an. Die Art Menschen, die sich auch für Flussdiagramme und Tabellenkalkulationen begeistern kann, gerne Internetforen vollschreibt und vermeintliche Anschlussfehler sammelt. Doch Fans von Logik und Chronologie werden sich an Predestination die Zähne ausbeißen. Der nunmehr dritte Spielfilm der Brüder Michael und Peter Spierig ist lupenreines Genrekino, hebt sich aber von Filmen wie Looper oder Primer auf wohltuende Weise ab. Denn statt lediglich die Grundidee der Vorlage (die Kurzgeschichte „—All You Zombies—“ von Robert A. Heinlein) durchzuexerzieren und sich an den Handlungsmechanismen zu erfreuen, stellt das Brüderpaar greifbare Figuren in den Mittelpunkt der Geschichte.

Mit seinen Artgenossen hat der Film dennoch gemeinsam, dass man sich mit Storydetails besser zurückhält: Ein Zeitreise-Agent (Ethan Hawke) wird in die Vergangenheit gesendet, um einen Terroristen zu stoppen. Er kann den geplanten Bombenangriff vereiteln, wird dabei aber schwer verletzt. Der so genannte „Fizzle Bomber“ kann entkommen. Weiterlesen

Rezension: Under the Skin

Under the Skin PosterWir schreiben das Jahr 2014. Lautstark tobende Menschenmengen drängen sich  durch die Straßen der Städte, sie tragen seltsame Uniformen und Insignien. Manche singen Lieder, andere tanzen,  alle scheinen sie von einem für Außenstehende nur schwer verständlichen Geist beseelt. Ein Gemeinschaftsgefühl, eine unausgesprochene Identifikation, die sich rationalen Erklärungsmustern entzieht. Weiterlesen