Rezension: Dating Queen

DatingQueenPosterEs ist eine der offenkundigsten Trennlinien, die gesellschaftliche Bigotterie zwischen den Geschlechtern zieht: Die Promiskuität. Sie macht Männer zu stolzen Verführern, zu Casanovas und Don Juans, Frauen hingegen zu Gebrandmarkten mit scharlachrotem Buchstaben. Amy Schumer ist so etwas wie die menschgewordene Reaktion auf diesen Missstand. Der offene Umgang mit der eigenen Sexualität ist das zentrale Thema der Komödiantin. Je nach Blickwinkel sind ihre Stand Up-Programme und die Sketchshow Inside Amy plumpe Kalauer-Paraden oder subversive Beiträge zur Geschlechterdebatte. Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Sicher ist nur: Provokation und Transgression sind fester Bestandteil ihrer Leinwand-Persönlichkeit. Es ist fast enttäuschend, dass sie in ihrer ersten Spielfilm-Hauptrolle nicht einmal diese Mehrdeutigkeit bietet, sondern vor allem eines: harmlose Belanglosigkeit.

Dating Queen (im Original: Trainwreck) erzählt von Amy, etwa Anfang 30. Die Komödie behauptet im weiteren Verlauf, sie wäre eine unkontrollierte Alkoholikerin und würde die Partner öfter wechseln als ihre Unterwäsche. Glaubhaft dargestellt wird das jedoch nur in wenigen Szenen: Etwa, wenn sie zu Beginn des Films nach einem alkoholisierten One-Night-Stand einen odysseischen Walk of Shame durch halb New York antreten muss. Weiterlesen

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Rezension: Der kleine Tod. Eine Komödie über Sex.

DerKleineTod_PlakatWas genau macht Sex eigentlich so komisch? Warum handeln so viele Komödien von Sex? Wer sich durch die Geschichte des Humors kämpft (und nichts gleicht mehr einem Kampf, als einem Witz in seiner Entstehung beizuwohnen), der stellt schnell fest, dass der menschliche Körper und all seine Absonderlichkeiten schon so lange der Erheiterung dient, wie er existiert. Wahrscheinlich sogar noch länger.

Es gibt gleich eine Reihe von Gründen dafür: Oft witzeln wir über Geschlechtsverkehr, um unsere eigene Unsicherheit mit dem Themenkomplex zu überspielen. Nicht lässt Teenager mehr zu rotköpfigen Hyänen werden, als der Sexualkundeunterricht. Und ein Teil des Heranwachsenden, der überfordert und unsicher kichert, lebt ewig in uns weiter. Lange war das Sujet tabu, als unrein und sündig gebrandmarkt, der Humor entstand aus der Grenzüberschreitung. Humor ist ein immer ein Raum, in dem man Themen erproben kann, bevor sie gesellschaftsfähig werden. Oft richtet er sich gegen das Unbekannte und Fremde und wird zum Gradmesser für Normales, Anerkanntes und das Unnormale, Fremde. Weiterlesen

Rezension: Under the Skin

Under the Skin PosterWir schreiben das Jahr 2014. Lautstark tobende Menschenmengen drängen sich  durch die Straßen der Städte, sie tragen seltsame Uniformen und Insignien. Manche singen Lieder, andere tanzen,  alle scheinen sie von einem für Außenstehende nur schwer verständlichen Geist beseelt. Ein Gemeinschaftsgefühl, eine unausgesprochene Identifikation, die sich rationalen Erklärungsmustern entzieht. Weiterlesen