Berufswunsch: Unsichtbar? – Drehbuchautoren als Stars

Ein berühmter Drehbuchautor ist ein wandelndes Paradoxon. Hollywood verkauft eine bunte Fassade, eine moderne Version des Schachtürkens, deren menschliches Innenleben weitestgehend verneint wird, zugunsten magischer Mechanik und mechanischer Magie. Fahrgäste in einer Achterbahn denken nicht an den Ingenieur, sondern fiebern nur der nächsten Kurve entgegen. In der Regel soll die Wirkung einer Geschichte spürbar sein, nicht ihre Beschaffenheit. Drehbücher sind dann wie Mikrofongalgen oder Schnitte, deren Sichtbarkeit oft als Fehler gewertet wird. Unsichtbarkeit und Prominenz sind indes schwer miteinander zu vereinbaren, weil Stars vor allem Projektionsflächen sind. Sie werden durch ihre Präsenz definiert – Star ist, wer gesehen wird. In dieser Hinsicht gleicht Hollywood der Zauberwelt Oz, immerzu scheint es aus dem Off zu rufen: „Beachte nicht den Mann hinter dem Vorhang.“ Und doch gibt es sie: Filme schreibende Menschen mit klingendem Namen. Wie sind diese sichtbaren Berufsunsichtbaren zu erklären?

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Erster Eindruck: Silicon Valley

Silicon-Valley-poster-HBOWas mit Kid Rock beginnt, kann kein gutes Ende nehmen. Und wenn der Abspann der Pilotfolge von HBOs neuer Serie „Silicon Valley“ über den Bildschirm flackert (begleitet von einem Green Day-Song), dann bleibt man vor allem ratlos zurück. Dabei hatte das Konzept auf dem Papier durchaus Potenzial: Die Geschichte der Start-Ups und Großkonzerne im Technik-Mekka nahe San Francisco wäre es sicher wert, sie zu erzählen. Diskussionen um NSA, Big Data und die Macht von Google, Apple und Co beherrscht die Feuilletons. Den Wahnsinn der Firmenmantras, die Technologiegläubigkeit und Allmachtsfantasien der Branche zu entlarven, würde nicht einmal wirklicher Anstrengung bedürfen. Weiterlesen

Rezension: jOBS

jobs-poster-ashton-kutcherÜber David Leans „Lawrence von Arabien“ hat der Filmhistoriker Ulrich Gregor einmal geschrieben, es handele sich bei dem Film um die „romantische Glorifizierung eines Übermenschen“. Und sicher, der mehrstündige Abenteuerfilm, voll mit glorreichen Gefechten und anderweitigen, nicht minder heroischen Taten, zeichnet kein historisch akkurates Bild des britischen Offiziers Thomas Edward Lawrence. Wen auch immer Peter O´Toole auf der Leinwand verkörperte – dieser Mensch war faszinierend und aufregend, aber auch voller Selbstzweifel und im Endeffekt zum Umdenken gezwungen, selbstreflektiert. Die Schrecken des Krieges trieben ihn weit fort von jeder Heldenverehrung. Dennoch gibt es Statuen von ihm, sein Angesicht in Stein gemeißelt und für nachfolgende Generationen bewahren. Menschen sind stets auf der Suche nach Helden.

Für viele ist Apple-Mitbegründer Steve Jobs ein solcher, Weiterlesen