The Hateful Eight: Kriegserklärung an die Geschichte

Eigentlich hätte es Quentin Tarantino schon viel früher in die Kälte ziehen müssen. Pistolen und Worte waren in seinen Filmen immer gleichermaßen Waffen. Wenn nun in The Hateful Eight kondensierter Atem und Pulverdampf gleichberechtigt nebeneinander in der Luft liegen, dann ist der Regisseur endlich ganz bei sich selbst. Wo die Kampfwerkzeuge seines Kinos in Inglorious Basterds und Django Unchained zuletzt noch gegen die großen Monstren der Geschichte gerichtet wurden, gegen Nazis und Sklavenhalter, zeichnet er nunmehr ein neues Feindbild: Die Geschichte selbst; zumindest aber das, was wir dafür halten.

© Universum Film GmbH

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Rezension: Slow West

SLOW-WEST-PosterDie Freiheit liebt den Menschen nicht. All seine Loblieder bleiben unerwiderter Minnesang. Sehen und greifen kann man sie nie, man deutet nur die Welt, bis man sie für sich darin entdeckt hat. So wie manche den Sternenhimmel betrachten und die Lichter in der Leere zu Löwen, Zentauren und lange vergessene Helden zusammenfügen. Vielleicht, weil sie die endlose Schwärze nicht ertragen können, denken sie sich Linien zwischen den winzigen glühenden Punkten. So geht es auch dem jungen Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee), der auf der Suche nach seiner entflohenen Geliebten Rose Ross (Caren Pistorius) von Schottland in das Nordamerika der rauen Gründerzeit geworfen wird.

Als wir ihm in Slow West, dem (Neo-/Post-/Meta-)Western-Debütfilm von John Maclean, zum ersten Mal begegnen, richtet er gerade seine Pistole gen Himmel. Das Idiom „shooting for the stars“ bedeutet in der englischen Sprache so viel wie „sich selbst hohe Ziele setzen.“ Wie bezeichnend also, dass Jay seine Waffe nicht wirklich abfeuert, er deutet seine Schüsse lediglich impotent an – und doch strahlen die anvisierten Sterne plötzlich so hell wie nie zuvor. Weiterlesen

Rezension: A Girl Walks Home Alone at Night

a-girl-walks-home-alone-at-night.35197A Girl Walks Home Alone At Night ist die Geschichte zweier Menschen, die sich erst in den Wandel, dann ineinander verlieben. Ihre Liebe stünde unter einem schlechtem Stern, würde am Himmel ihrer Welt auch nur ein einziger scheinen. Licht ist für sie etwas Künstliches, kommt von Straßenlaternen und Discokugeln; Dunkelheit hingegen scheint der Normalzustand.

Ihr kommt das gerade recht. Die Rolltitel nennen sie nur „Das Mädchen“ (Sheila Vand). Einen Namen braucht sie nicht; es gibt ja auch keinen für das Gefühl von Verfolgung auf dem nächtlichen Nachhauseweg. Und auch für ihren Zustand gibt es höchstens umschreibende Worte. Am treffendsten scheint noch: Vampir. Weiterlesen